Corona legt das öffentliche Leben lahm – was geschieht mit Verträgen und Abos?

Laura Lenhart

Die Ausbreitung des Coronavirus beeinflusst derzeit Abos und Verträge, die durch Einschränkungen des öffentlichen Leben nicht mehr erfüllt werden können. Wir beantworten deine wichtigsten Fragen hierzu.

Die Lage ändert sich derzeit täglich. Wir aktualisieren diesen Beitrag ständig, um dich mit den aktuellsten Infos zum Thema Corona & Verträge zu versorgen.
Letztes Update dieses Beitrags: 23.04.2020

Wir erleben aufgrund des Coronavirus derzeit Einschränkungen, die in dieser Form noch nicht dagewesen sind. Alle Bereiche unseres Lebens sind davon betroffen, so auch Verträge und Abos. Diese können beispielsweise nicht mehr erfüllt werden, wenn Fußballspiele nicht stattfinden oder Fitnessstudios geschlossen bleiben.

Corona und Fitnessstudio-Verträge 

Bei Fitnessstudio-Verträgen hat die Verbraucherzentrale eine ganz klare Meinung. Diese besagt, dass keine Beiträge gezahlt werden müssen, solange das Fitnessstudio die Leistung wegen Schließung der Räumlichkeiten nicht erbringen kann. Da diese Situation jedoch weder vorhersehbar, noch jemals dagewesen ist, beinhalten die meisten Verträge hierzu keine Regelung. So liegt laut Verbraucherzentrale zwar eine sog. Vertragsstörung vor, jedoch solltest du auf jeden Fall versuchen, eine einvernehmliche Lösung zusammen mit deinem Anbieter zu finden. In den meisten Fällen ist eine Pausierung der Beiträge in Absprache mit dem Fitnessstudio möglich.

Viele Fitnessstudios nutzen diese ungewöhnliche Situation auch dazu, um unkonventionelle Methoden zu entwickeln. Auf diese Art bleiben sie mit ihren Mitgliedern in Verbindung, was für viele Betriebe existenzrelevant ist. Es entstehen zum Beispiel spontane Liveübertragungen von Fitnesskursen oder Yogasessions. Frage am besten in deinem Fitnessstudio nach Alternativen, die es dir in dieser trainingsfreien Zeit bieten kann.

Corona und Pay-TV-Abos, am Beispiel von DAZN und Sky 

Pay-TV-Anbieter, die vor allem von der Übertragung von Sportveranstaltungen leben, stehen nun natürlich schlecht da, denn Sportveranstaltungen finden aktuell weitestgehend nicht mehr statt. Die Fußball-Ligen haben ihren Spielbetrieb komplett eingestellt und auch die UEFA-Europameisterschaft ist für dieses Jahr bereits abgesagt und auf das Jahr 2021 verschoben.  

Sky hat einige kostenfreie Zusatzangebote für seine Kunden freigeschalten und reagiert mit diesen Maßnahmen sehr flexibel und schnell auf die Krise in der Sportübertragung. Sky öffnet seine Cinema- und Entertainment-Angebote kostenfrei für alle Kunden und verspricht so Unterhaltung auf vielen anderen Ebenen, auch außerhalb des Sports. Des Weiteren geht Sky davon aus, dass die Sportveranstaltungen auf jeden Fall zeitversetzt nachgeholt werden und diese dann auch, wie geplant, übertragen und gesehen werden können. Das sportliche Ersatzprogramm von Sky zeigt dir beispielweise Best-Of-Zusammenfassungen oder Legenden aus allen Bereichen des Sports.

Bei DAZN hattest du bereits vor der Viruspandemie ein monatliches Kündigungsrecht. Es kann jedoch durchaus interessant sein, sich einmal anzusehen, was aktuell geboten wird. Da aktuell keine Live-Fußball-Übertragungen stattfinden, werden alternativ legendäre Spiele der Vergangenheit noch einmal gezeigt. So kannst du unvergessliche Momente noch einmal erleben. Falls du dennoch Fragen zu deinem Abo hast, empfiehlt es sich mit DAZN Kontakt aufzunehmen, um dies direkt mit DAZN zu klären.

Corona und Theater-Abos

Wer ein Theater-Abo hat, der sollte während der Schließung des Theaters auch von den Zahlungen befreit sein – denn wo keine Leistung erbracht wird dort sollten auch keine Beiträge erhoben werden. So zumindest die Theorie. In der Praxis werden sicher einige Veranstalter über eine Pausierung der Zahlungen nachdenken. Die Zahlungen könnten dann wieder weiterlaufen, sobald das Theater erneut eröffnet und die Veranstaltungen wieder gezeigt und besucht werden können. Aber auch hier solltest du dringend mit deinem Anbieter Rücksprache halten, bevor du eigenständig Zahlungen zurückholst oder einstellst.

Corona und Konzerte bzw. Großveranstaltungen

Deine Karte für ein Konzert oder eine Großveranstaltung ist bereits lange gekauft und jetzt wird die Veranstaltung abgesagt? Laut Verbraucherzentrale bekommst du normalerweise den regulären Kaufpreis zurückerstattet. Die Verbraucherzentrale weist auf ihrer Webseite auf den grundsätzlich geltenden Erstattungsanspruch hin, der bei einer Veranstaltungsabsage durch den Veranstalter greift. Auch wenn ein Ersatztermin gefunden wird und die Tickets ihre Gültigkeit behalten, bedeutet es nicht, dass du diesen Ersatztermin hinnehmen musst. Solltest du aus Termingründen die Veranstaltung nicht besuchen können, hast du die Möglichkeit die Karten zurückzugeben und den Kaufpreis zurück zu erhalten.

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Corona und der ÖPNV

Du pendelst zur Arbeit oder nutzt den öffentlichen Nahverkehr normalerweise aus anderen Gründen intensiv? Wenn du durch Corona deine Jahreskarte oder ein anderes Abonnement des ÖPNV nicht mehr so oft brauchst, wie du es bisher getan hast, ist es verständlich, dass du dein Abo schnell loswerden möchtest. Allerdings gibt es hierzu noch keine bundesweite Lösung, sondern es gelten für jede Verkehrsgesellschaft individuelle Regelungen. Deshalb informiere dich am besten direkt bei deinem örtlichen Verbund und frage nach, inwieweit eine Pausierung oder eine anteilige Erstattung deines Tarifs möglich ist. Besonders in diesen Zeiten zeigen sich viele Anbieter kulant und versuchen eine kundenfreundliche Lösung zu finden. Falls doch Probleme auftauchen, kannst du dich zusätzlich an die Schlichtungsstelle des Nahverkehrs wenden: info@schlichtungsstelle-nahverkehr.de.

Beachte, dass für die Aussetzung deines Tickets ein Bearbeitungsentgeld erhoben werden kann.

Auch die Deutsche Bahn hat bereits angekündigt, flexible Lösungen für ihre Kunden bereit zu stellen.

Corona und Versicherungen

Viele Verbraucher stehen derzeit vor dem Problem, dass sie

  1. ihre Versicherung aufgrund von Corona derzeit nicht benötigen, oder
  2. durch die wirtschaftlich angespannte Situation Schwierigkeiten mit der Bezahlung der Versicherungsbeiträge haben.

Es ist daher naheliegend, dass man sich Gedanken um eine Kündigung der Versicherung macht. Da es eine Vielzahl von verschiedenen Versicherungen und Anbietern gibt, ist eine pauschale Antwort, inwieweit du deine Versicherung aufgrund von Corona kündigen kannst, unmöglich. Deswegen gilt auch hier: werde aktiv und geh auf deinen Anbieter zu. So könnt ihr zusammen nach einer Lösung suchen. Zum Beispiel ist es in manchen Fällen möglich, die Versicherung vorübergehend zu pausieren oder eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Lass dir solche Änderungen aber in jedem Fall schriftlich bestätigen.

Die meisten Anbieter haben auf ihrer Website bereits umfangreiche FAQ´s zu Corona. Informiere dich am besten zuerst dort über deine Möglichkeiten, bevor du den Kundenservice kontaktierst.

Die Verbraucherzentrale warnt eindringlich davor, wichtige Versicherungen wie eine Renten- oder Lebensversicherung unüberlegt zu kündigen. Falls du dich in einer finanziellen Notlage befindest, in der es dir momentan nachweislich nicht möglich ist deine Versicherung zu bezahlen, kannst du unter Umständen deine Beitragszahlungen verschieben und sie zu einem späteren Zeitpunkt begleichen. Ein entsprechendes Antragsformular gibt es auf der Website der Verbraucherzentrale.

Corona und Sonderkündigungen

Obwohl du die Angebote deiner Anbieter momentan vielleicht nicht nutzen kannst, hast du normalerweise kein Recht auf eine Sonderkündigung deines Vertrages. Wir haben zu diesem Thema unseren Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht, Holger Loos, befragt. Seine Aussage: Die aktuell herrschenden Umstände, aufgrund deren die Vertragsausübung nicht möglich ist, können einem Verschulden des Anbieters nicht angerechnet werden. Deshalb rät er in jedem Fall dazu, sich einvernehmlich mit dem Anbieter zu einigen, da es immer auf die Vertragsbedingungen des jeweiligen Vertrags ankommt und die Frage nicht allgemeingültig beantwortet werden kann.

Dieser Tage wird „Solidarität“ ganz groß geschrieben – aus dem Grund prüfe bitte genau, von wem du Zahlungen zurückforderst oder wo genau du Beiträge einstellst:
Vielleicht schmerzt dich die Weiterzahlung weniger, als deinen Vertragspartner der Wegfall des Geldes und du hilfst einem kleinen Unternehmen beim Überleben der Coronakrise. Uns gegenseitig zu unterstützen, wo immer wir es können – das sollte nun an erster Stelle stehen!

Hier findest du Informationen zu Sonderregelungen aufgrund des Coronavirus, die deine Pauschalreise betreffen: Coronakrise 2020: diese Möglichkeiten hast du bei Pauschalreisen

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei unseren Artikeln lediglich um redaktionelle Inhalte zum Zwecke der Information handelt, die keinerlei Rechtsberatung oder ähnliches darstellen.