Coronakrise 2020: diese Möglichkeiten hast du bei Pauschalreisen

Julia Mohr

Die weltweite Sorge um das Coronavirus (Covid-19) macht bereits gebuchte Reisen zur Stornolotterie. Nun wurde die weltweite Reisewarnung bis auf weiteres bis mindestens Mitte Juni verlängert. 

Update 29.04.2020: Pauschalreisen, die über Pfingsten hätten stattfinden sollen, können jederzeit mit Berufung auch die Reisewarnung storniert werden.

Viele Reisen mussten von den Veranstaltern bereits vorab abgesagt werden. Mit Verlängerung der Reisewarnung ist es nun aber offiziell: Der Pfingsturlaub fällt endgültig aus. Auch der Sommerurlaub ist laut des Bundeskabinetts nicht gesichert. Wenn du für dieses Jahr auch eine Pauschalreise gebucht hattest, dann erfährst du hier, welche Möglichkeiten du nun hast:

[Update 12.06.2020] Aufhebung der Reisewarnung für viele europäische Länder: Was bedeutet das für meine geplante Pauschalreise?

Die Lockerungen haben nun auch die Reisebranche erreich: Ab dem 15. Juni will die Bundesregierung die Reisewarnung für ausgewählte europäische Länder aufheben und lediglich Reisehinweise aussprechen. Doch was bedeutet das für deine gebuchte Pauschalreise? Fällt dein Zielland nach wie vor unter die Reisewarnung, bleiben die Bedingungen, wie sie im Artikel beschrieben sind, bestehen. Wird die Reisewarnung für deine Destination allerdings aufgehoben, kannst du in Zukunft nicht mehr so einfach von deiner Reise zurücktreten, ohne etwas bezahlen zu müssen. Anspruch auf eine vollständige Erstattung hast du dann nur noch, wenn deine Reise aufgrund außergewöhnlicher Umstände deutlich beeinträchtigt wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du nach der Ankunft in 14-tägige Quarantäne müsstest oder bereits gebuchte Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen nicht mehr stattfinden können. Hier kommt es auf den Einzelfall an, sodass keine pauschalen Aussagen möglich sind. Kann deine Reise theoretisch allerdings stattfinden, musst du mit teils hohen Stornogebühren rechnen, wenn du nicht mehr in den Urlaub fahren willst.

Hier kann es sich lohnen mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen, um über deine Umbuchungsmöglichkeiten zu sprechen. Viele Anbieter sind derzeit bemüht, kulante Lösungen für ihre Kunden zu finden.

Die Gesetzeslage in Deutschland

Du hast deinen Urlaub damals voller Vorfreude gebucht, deine Reiselust ist dir aber nun vergangen? Nach deutscher Gesetzeslage kannst du als Reisender vor Beginn deiner Reise jederzeit vom Vertrag zurücktreten. Gemäß § 651 h Abs. 1 Satz 3 BGB kann der Reiseveranstalter dafür aber eine Entschädigung verlangen. Informationen und Möglichkeiten zu deinem weiteren Vorgehen, findest du in folgendem Text.  

Trotz der Coronakrise und der Angst der Menschen sind Reiseveranstalter, Hotels und Fluggesellschaften rechtlich nicht zu einer Lockerung der Stornierungsbedingungen verpflichtet. Grundsätzlich schließt du als Bucher einen Vertrag mit einem privaten Unternehmen ab. Somit gelten also keine allgemeinen Bedingungen und jeder hat seine eigenen Stornoregelungen. Laut dem Verband der deutschen Reisewirtschaft (DRV) haben dennoch einige Reiseveranstalter von Pauschalreisen bereits ihre Stornierungs- und Umbuchungsbedingungen gelockert. 

Bevor du deinen Urlaub komplett absagst, findest du hier unsere Soforthilfe für deine Pauschalreise

Gibt es eine Reisewarnung in deinem Urlaubsort?

Du solltest dich in jedem Fall über die Situation vor Ort deines Reiseziels informieren. Die aktuelle Lage kann jederzeit über die Seite des Auswärtigen Amtes abgerufen werden. Wenn es in deiner Region eine offizielle Reisewarnung gibt, ist die Stornierung in jedem Fall kostenlos.

Was sagt dein Reiseveranstalter?

Meist hängt deine kostenlose Stornierungsmöglichkeit davon ab, wie der Veranstalter die Lage in der betreffenden Region einschätzt und wie kulant dieser ist. Wenn dein Reiseveranstalter selbst den Urlaub storniert, wird dir der volle Reisepreis erstattet. Der Preis der Stornogebühr steigt jedoch mit Näherrücken des Reisedatums. 

Dein Urlaubsland wird nicht als Corona-Risikogebiet eingestuft?

Trotzdem gibt es kostenlose Stornierungsmöglichkeiten. Laut Gesetz ist ein kostenloser Rücktritt nämlich auch dann möglich, wenn am Urlaubsort oder in unmittelbarer Nähe außergewöhnliche Umstände herrschen, die eine Durchführung der Pauschalreise beeinträchtigen oder gefährden. Beispielsweise auch dann, wenn deine Beförderung zum Zielort nicht mehr gewährleistet werden kann oder ein wesentlicher Teil deiner Aktivitäten unzugänglich ist. (Du hast zum Beispiel eine Rundreise durch ein gesperrtes Gebiet gebucht.) 

Du kannst dich bei einer Stornierung auf den Paragrafen 651h BGB berufen. Das Coronavirus fällt nämlich unter höhere Gewalt. Es ist aber nicht garantiert, dass du deshalb dein Geld zurückbekommst. Denn was als wesentlicher Teil der Reise gilt, wurde noch nicht allgemein festgelegt. Es ist also Auslegungssache der Gerichte. Für Hilfe kannst du dich an die Verbraucherzentralen oder bei EU-Auslandsreisen an das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) wenden. Wichtig ist, dass du den Austausch schriftlich dokumentierst.

Gilt die Angst vor einer Ansteckung als Rücktrittsgrund?

Aus eigenem Unwohlsein kannst du die Reise natürlich verweigern, die Stornokosten und die geleisteten Zahlungen werden dir aber nicht erstattet. Ähnliche, vergangene Fälle vor Gericht zeigen, dass oftmals zum Vorteil des Verbrauchers entschieden wurde. Der Bundesgerichtshof ist der Meinung, dass der Kunde lieber einmal öfter kostenlos stornieren können sollte, bevor er sich in Gefahr bringt. 

Greift eine Reiserücktrittsversicherung auch in der Coronakrise?

Eine Reiserücktrittsversicherung greift nur dann, wenn du wegen Krankheit oder extremen, persönlichen Gründen die Reise nicht antreten kannst. Die Angst vor einer Krankheit ist kein Grund. Wenn du oder ein Angehöriger sich mit dem Virus infizieren, dann greift die Reiserücktrittsversicherung aufgrund einer „unerwartet schweren Erkrankung“, sobald die ärztliche Bescheinigung vorliegt. Wenn du oder ein Angehöriger euch im Urlaub ansteckt, dann gibt es für diese Fälle die Reiseabbruchversicherung. Diese trägt die anfallenden Mehrkosten, sowie zusätzliche Rückreise- und Umbuchungskosten. Da die WHO Corona nun offiziell als „Pandemie“ eingestuft hat, kann eine Erkrankung an Covid-19 als Rücktrittsgrund eventuell nicht mehr versichert sein. Manche Versicherungen schließen diesen Fall aus ihren Leistungen aus.  

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Mehr zum Thema Reiseversicherung und Reiserücktritt erfährst du in diesen Beiträgen: Reiseversicherung: Alles, was du zu deinem Schutz auf Reisen wissen solltest und Reiserücktritt mit und ohne Versicherung.

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei unseren Artikeln lediglich um redaktionelle Inhalte zum Zwecke der Information handelt, die keinerlei Rechtsberatung oder ähnliches darstellen.