ePerso: Die elektronische Identität selbst entdecken

Simone Groß

In Verbindung mit dem seit 2010 gültigen Personalausweis können sich Verbraucher direkt am heimischen PC ausweisen. Voraussetzung: Die sogenannten digitale Identifizierung (eID) muss aktiviert und ein Kartenlesegerät vorhanden sein. Wie geht das und was bringt es? Wir klären auf. 

Seit dem 1. November 2010 erhalten alle Bundesbürger, die einen neuen Personalausweis beantragen, ein Plastikkärtchen etwa in der Größe einer Kreditkarte. Das neue Kärtchen kann mehr, als die Größe vermuten lässt. Neben Foto und Namen ist zusätzlich ein kleiner Chip integriert. Er speichert die sogenannte eID des Inhabers. Soll diese im Dokument aktiviert werden, kostet der Ausweis zwar stattliche 28,80 Euro, dafür aber ermöglicht er ab sofort die elektronische Identifizierung.

ePerso Software erspart Behördengänge

Das ist praktisch und kann den Verbrauchern im Alltag viel Zeit sparen. Leidige Behördengänge sind über das Internet jetzt ebenso möglich wie sichere Online-Einkäufe, Bankgeschäfte und Versicherungsabschlüsse. In Berlin beispielsweise können die Bürger auf diese Weise nicht nur ihre KfZ-Nummernschilder bestellen, sondern seit kurzem auch Feinstaubplaketten und Halterauskünfte bei der Zulassungsbehörde beantragen.

Passenderweise und überaus bedarfsorientiert bietet die Stadt Münster (Westfalen) jetzt Radfahrern, die einen ePerso besitzen, an, eine Verlustanzeige über ein simples Formular des städtischen Bürgeramtes zu tätigen, wenn der Drahtesel weg ist. In einer Stadt, in der so viele Räder unterwegs sind, sicher keine Seltenheit. Zwei Beispiele, unter vielen. Wenn auch weiterhin zu wenige.

Zu groß sind noch die Hemmschwellen der öffentlichen Verwaltung, die Technologie in vollem Umfang zu nutzen. Aber „je mehr Bürgerinnen und Bürger die Funktion eingeschaltet lassen, desto eher rechnen sich die Investitionen der Wirtschaft und der Verwaltung in die Entwicklung von attraktiven Angeboten,“ sagt BMI-Sprecher Philipp Spauschus.

Doch wie liest der Computer die Daten des Chips in dem Personalausweis aus? Eigentlich ganz einfach: Für die Identifizierung muss das elektronische Dokument auf ein Lesegerät gelegt werden. Doch Vorsicht! Da hierbei hochsensible und persönliche Daten im Netz übermittelt werden, rät das Bundesinnenministerium nur zum Kauf von „BSI zertifizierten“ Geräten. Sicherer als bei anderen Lesegeräte können damit persönliche Daten in verschlüsselter Form übertragen werden.

ePerso Lesegerät benötigt

Doch das beste Lesegerät macht nicht glücklich, wenn zuvor nicht eine so genannte Ausweis App – früher besser bekannt als Bürgerclient – auf den heimischen Computer gespielt wurde. Die Software ist frei zum Download  und ist notwendig, um die elektronische Authentisierung über das Internet mithilfe des neuen deutschen ePerso und des elektronischen Aufenthaltstitels nutzen zu können. Die sogenannte AusweisApp steht für die Betriebssysteme Microsoft Windows, Linux und Mac OS zur Verfügung.

Die Vorteile des neuen ePerso und der dazugehörigen App liegen auf der Hand: Viele Verwaltungsgänge können seit der Einführung der Software gespart werden und bequem von zu Hause erledigt werden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bezeichnete die Versicherungsbranche als Vorreiter für den Einsatz der elektronischen Identifikationsfunktion und sagte: „Sie hat bereits viele Anwendungsmöglichkeiten für den neuen Ausweis in ihren Services integriert.“ Auch den zertifizierten E-Commerce-Händlern dient die Ausweis-App als nützliches Tool: Schließlich kann der Online-Händler jetzt die Identität eines Kunden zuweisen. Dadurch sinkt nicht zuletzt auch die Wahrscheinlichkeit eines Missbrauchs.

Es gibt Kritik: Zu teuer, nicht sicher

Dennoch ist die Ausweis App seit den Anfängen ihrer Entwicklung heftiger Kritik ausgesetzt. Hauptpunkt: Sicherheitslücken! Was fehlt, ist noch immer ein Sicherheitszertifikat. Eine Tatsache, die der Bundesrechnungshof in einer Bemerkung zum Jahresbericht 2012 kritisiert. Immerhin habe die Entwicklung der Ausweis App bereits über 4 Millionen Euro verschlungen, heißt es darin. Viel Geld für eine Software, die dem Verbraucher bislang keine umfassende Sicherheit gewährleisten kann, Datenklau weiterhin nicht ausgeschlossen!

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnologie (kurz: BSI) betont, auch diesem Grund Maßnahmen getroffen zu haben, die die Sicherheit der Ausweis App gewährleisten soll. Um die Vorteile der Online-Funktionen des neuen Personalausweises in vollem Umfang nutzen zu können, gibt das BSI auf seiner Webseite entsprechende Sicherheitstipps.

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