Hilfe Flughafenstreik: Die Arbeitnehmerperspektive [Update]

Ein Bahn- und Flughafenstreik betrifft jeden Arbeitnehmer. Hier erfährst du, welche Rechte und Pflichten du hast und was zu beachten ist.

Eine neue Streikwelle beschäftigt deutsche Arbeitnehmer und Urlauber. Denn die Gewerkschaft Verdi hat im Rahmen des aktuellen Tarifstreits Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes zu einem Flughafenstreik aufgerufen. Betroffen sind vor allem Flughäfen und öffentliche Transportdienstleister. An den Flughäfen München, Frankfurt am Main, Köln und Bremen streiken heute (Dienstag, 10. April 2018) Sicherheitskontrollen, Bodenverkehrsdienste und Flughafenfeuerwehren.

Die Forderung? Eine bessere Bezahlung. Zur Folge müssen Flugpassagiere mit Annullierungen und Verspätungen rechnen. Aber welche Rechte haben die Passagiere eigentlich im Falle eines Flughafenstreiks? Gibt es Anspruch auf Betreuung, Ersatzleistungen oder sogar Entschädigungen? Die sieben wichtigsten Fragen rund um die Arbeitnehmerperspektive bei Streiks.

Welche Rechte haben Arbeitnehmer, wenn sie durch Streiks aufgehalten oder verhindert werden ihrer täglichen Arbeit nachzugehen? Muss ich mit einer Abmahnung rechnen, wenn ich wegen eines Flugausfalls zu spät ins Büro komme? Wird die Fluglinie oder die Bahn meine Taxirechnung übernehmen, wenn sie wegen des Streiks entsteht?  Diese und weitere Fragen klären wir für dich in unserem Artikel.

Welche Rechte habe ich, wenn ich wegen eines Streiks zu spät in die Arbeit komme?

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Laut Marburger Fachanwalt Jürgen Schreiber, ist der Arbeitnehmer trotz Streiks verpflichtet pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Insbesondere dann, wenn der Flughafenstreik in den Medien angekündigt worden ist. Hier gilt das sogenannte Wegerisiko, das nach dem Prinzip „Ohne Arbeit kein Geld “ funktioniert. Kommst du wegen eines Streiks zu spät, bekommst du  für die verpassten Arbeitsstunden keinen Lohn bzw. musst diese Zeit nacharbeiten – so ist das im Arbeitsrecht festgelegt.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass du deinen Arbeitgeber schnellstmöglich über die potentielle Verspätung oder den Arbeitsausfall informierst. Solltest du es wegen eines ausgefallen Fluges gar nicht schaffen, in die Arbeit zu kommen, kannst du mit deinem Arbeitgeber auch vereinbaren, spontan einen Urlaubstag zu nehmen, wenn er damit einverstanden ist.

Das Gesetz ist hier auf jeden Fall auf der Seite des Arbeitgebers: ob Streik, Verkehrsstörung oder schlechtes Wetter – es ist ein Bestandteil deiner Pflichten, alles Zumutbare zu tun, um rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen.

Aber was genau ist denn zumutbar? Kommst du wegen eines Streits zu spät oder überhaupt nicht in die Arbeit, dann muss der Einzelfall betrachtet werden. Es gibt keine einheitliche Aussage. Kommst du wegen eines Flugstreiks nicht rechtzeitig aus dem Südamerika-Urlaub zurück, dann ist es natürlich nicht zumutbar, ein Schiff als Alternative zu nehmen. Bist du aber über das Wochenende nach Berlin gereist und arbeitest in München, dann ist es durchaus zumutbar, eine Alternative (Bus, Bahn, Mitfahrgelegenheit oder Mietwagen) zu finden.

In der Praxis zeigen die meisten Arbeitgeber jedoch Verständnis und drücken beide Augen zu, wenn es sich um durch Streik verursachte Verspätungen handelt. Verlassen kannst du dich aber leider nicht darauf. Im schlimmsten Fall musst du mit einer Abmahnung oder sogar einer Lohnkürzung rechnen.

Ich bin wegen eines Streiks länger als erwartet unterwegs. Zählt die Reisezeit dann auch als Arbeitszeit?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, erklärt Björn Gaul, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln. Wenn die Reisezeit in deinem Vertrag als vergütungspflichtige Arbeitszeit ausgewiesen ist, hast du auch für die Wartezeit im Flughafenstreik Anspruch auf Bezahlung.

Prüfe deinen Arbeitsvertrag, die Betriebsvereinbarung oder den Tarifvertrag, wo solche Regelungen festgehalten werden, damit du dir im Falle eines Streiks über deine Rechte im Klaren bist.

Wer übernimmt die Kosten, wenn ich wegen eines Streiks ein Taxi nehmen muss?

Normalerweise und rein rechtlich trägst du als Arbeitnehmer die Taxikosten, denn der Transport zum Arbeitsplatz fällt in deine Risikosphäre (siehe Wegerisiko).

In Ausnahmefällen bekommst du die Taxikosten von deinem Arbeitgeber erstattet, vorausgesetzt die Höhe der Taxirechnung ist angemessen. Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, sagt dazu: „Arbeitnehmer müssen auch keine Kosten in Kauf nehmen, die über ihren Arbeitslohn hinausgehen. Wie zum Beispiel ein Taxi für 150 Euro.“ Jedoch muss der Arbeitnehmer zusätzliche Kosten selbst tragen, „wenn nichts anderes vereinbart oder im Unternehmen so üblich ist.

Wer zahlt das Hotelzimmer, wenn ich wegen einer Flugverschiebung im Hotel übernachten muss?

Wenn du wegen eines Streiks am Flughafen festsitzt und gegebenenfalls erst am nächsten Tag weiterfliegen kannst, ist die Fluglinie verpflichtet für dich eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren und auch die Kosten dafür zu tragen.

Gemäß der EU Richtlinie 261/2004 hast du ab einer Wartezeit von 2 Stunden außerdem Anspruch auf 2 Telefonate, 2 E-Mails, Getränke und  Essen. Für Flüge von 1500 bis 3500 Kilometern bekommst du erst nach 3 Stunden Wartezeit Unterstützung von der Airline. Ab einer Wartezeit von 5 Stunden kannst du sogar vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen. Mehr zu deinen Rechten im Falle einer Flugverspätung, erfährst du in unserem Aboalarm-Artikel „Flugverspätung und Co. – so bekommst du dein Geld zurück“.

Muss ich die Kosten vorstrecken, wenn die Fluglinie keine kostenlose Betreuung bereitstellt?

Im Regelfall sollte die bestreikte Airline eine kostenlose Betreuung der Passagiere organisieren. In der Wirklichkeit klappt es leider nicht immer. Du solltest bei der Fluglinie in jedem Fall nachfragen, ob Betreuung bereitgestellt werden kann. Ist das nicht der Fall, musst du dich selbst um Verpflegung und gegebenenfalls ein Hotelzimmer kümmern. Bewahre aber unbedingt alle Rechnungen und Belege auf, damit du die Kosten deiner Fluggesellschaft in Rechnung stellen kannst. Diese werden nämlich von der Airline und nicht von deinem Arbeitgeber getragen, und das verschuldensunabhängig, also egal ob die Flugverspätung durch schlechte Wetterbedingungen, Defekte an der Maschine oder eben einen Mitarbeiterstreik verursacht wurde.

Sonderfall Flughafenstreik: Stornierungen und Umbuchungen

Wird dein Flug aufgrund eines Flughafen Streiks gestrichen, kannst du den Flug stornieren und bekommst dein Geld zurück. Möchtest du trotzdem fliegen, dann hast du Anspruch auf eine Umbuchung.

Entscheidest du dich für eine Umbuchung, solltest du dich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Erst wenn der Streik beendet ist, werden die ausstehenden Flüge je nach Verfügbarkeit abgearbeitet. 

Sonderfall Flughafenstreik: Entschädigungen

Zwar hast du nach EU-Verordnung bei Annullierungen oder Verspätungen ein Recht auf Entschädigung von bis zu 600 Euro. Aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher Umstand“ existiert. Und laut Bundesgerichthof ist genau das der Fall!

Während eines Flughafenstreiks hast du keinen Anspruch auf Entschädigung. Das gilt vorallem dann, wenn der Streik in den Medien angekündigt wurde.
screenshot flightright
Auch Flightright, der Experte für Fluggast-Rechte, bestätigt: Aus Streikgrund annullierte Flüge sind nicht erstattungsberechtigt. © Screenshot flightright.de

Streik bei Flughafen und Bahn: Aboalarm-Fazit

Als Arbeitnehmer trägst du das Wegerisiko, bist also selbst dafür verantwortlich pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, auch im Falle eines Streiks beim Flughafen oder Bahn. Solltest du trotzdem zu spät im Büro sein, kannst du mit Konsequenzen rechnen, im schlimmsten Fall mit einer Abmahnung oder sogar einer Lohnkürzung. Die meisten Arbeitgeber sehen die Sache aber eher locker und zeigen Verständnis, wenn es um durch Streik verursachte Verspätungen geht.

Wichtig ist, dass du dein Zuspätkommen rechtzeitig ankündigst und mit deinem Arbeitgeber alle wichtigen Fragen, wie z.B. die Taxikostenerstattung oder das Beantragen eines Urlaubstages, klärst.

 

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