Gutscheine statt Geld zurück

Julia Mohr

Konzerte, Festivals, Theaterbesuche…, was früher ganz normal war, ist derzeit kaum vorstellbar. Die Coronakrise und die dadurch entstandenen Kontaktsperren machen Großveranstaltungen unmöglich. Bis mindestens Ende August sind alle größeren Events und Konzerte abgesagt. Um die Existenz der Veranstalter zu sichern, greift nun die Bundesregierung mit der Gutscheinregelung ein.

Seit 20. Mai 2020 gilt nun das Gesetz der sog. Gutscheinlösung im Veranstaltungsrecht. Das Recht auf Rückerstattung bei Ausfall der Veranstaltung wurde hiermit außer Kraft gesetzt. Die Regelung gilt rückwirkend für alle Tickets, deren Kaufdatum vor dem 8. März 2020 liegt. Was genau das für dich bedeutet und welche Ausnahmen es gibt, erfährst du im folgenden Blogpost.   

Gutscheine statt Rückerstattung

Nach der neuen Regelung sind Veranstalter dazu verpflichtet, Tickets für infolge von Corona abgesagte Veranstaltungen durch Gutscheine zu ersetzen. Wenn du dich vor dem 20. Mai noch nicht um die Rückerstattung gekümmert hast, darf dir der Veranstalter nun einen Wertgutschein ausstellen – ohne dass du explizit einwilligst. 

 Betroffen sind Musik-, Kultur-, Sport- und sonstige Freizeitveranstaltungen, wie z.B. Festivals, Theatervorstellungen, Lesungen, Filmvorführungen oder Sportwettkämpfe. Auch Verträge mit Fitnessstudios, sowie Dauer-, Monats-, Saison- und Jahreskarten sind miteingeschlossen.

Die Gutscheinregelung 

Bei Ausfall eines von dir gebuchten Events musst du deine Ansprüche unbedingt selbst beim Veranstalter geltend machen. Von sich aus muss dieser nämlich nicht auf dich zukommen. Zunächst kannst du versuchen, deinen Anspruch über die Vorverkaufsstelle zu regeln. Im Zweifel ist dein formaler Ansprechpartner jedoch der Veranstalter, der auf dem Ticket steht. 

 Wenn der Veranstalter dir einen Ersatztermin anbietet, kannst du diesen akzeptieren, musst du aber nicht. Im Fall einer Ablehnung wirst du einen Wertgutschein erhalten. 

Der Gutschein wird über den Kaufpreis deines Tickets, inklusive Versand- und Vorverkaufsgebühren ausgestellt. Bei Monats-, Saison- und Jahreskarten berechnet sich der Gutscheinwert anteilig an der Höhe des nicht nutzbaren Teils. Die Gutscheinsumme kannst du beim jeweiligen Veranstalter frei für dessen Angebote nutzen. Wenn der Gutscheinwert höher ist als die von dir ausgewählte Ersatzveranstaltung, behältst du den Rest als Guthaben. Sollte die von dir ausgesuchte Veranstaltung teurer als der Gutscheinwert sein, musst du die Differenz selbst draufzahlen.   

Nach drei Jahren verjähren deine Rückzahlungsansprüche. Bei Veranstaltungen, die wegen Corona abgesagt werden, kannst du deine Ansprüche bis zum 31.12.2023 geltend machen. Wenn du deine Gutscheine bis Ende des Jahres 2021 nicht eingelöst hast, kannst du eine Barauszahlung vom Veranstalter verlangen.

Ausnahmen der Gutscheinpflicht

In besonderen Fällen kannst du eine vorgezogene Auszahlung des Gutscheinwertes verlangen: z.B. wenn du ein Ticket für eine Veranstaltung gekauft hast, die damals im Zuge einer Urlaubsreise hätte stattfinden sollen. Der Nachholtermin würde für dich aber zu hohe Reisekosten verursachen. Oder auch, wenn du nicht mehr in der Lage dazu bist, deine Lebensunterhaltskosten zu decken.    

Da die Bundesregierung mit diesem neuen Gesetz die Veranstalter vor der Pleite schützen wollen, bleibt Ticketbesitzern momentan nichts weiter übrig, als die Gutscheinregelung hinzunehmen. Wenn du jedoch von den oben genannten Sonderfällen betroffen bist, kannst du dir das Geld deiner Tickets vor dem 31.12.21 auszahlen lassen. Nutze dazu diesen Musterbrief der Verbraucherzentrale für Härtefälle aus und schicke ihn an den betreffenden Veranstalter.

Hierauf solltest du bei der Ausstellung des Gutscheins achten 

Wenn du dir einen Gutschein ausstellen lässt, achte auf diese drei Dinge:   

1. Es sollte schriftlich erkennbar sein, dass dieser aufgrund der Corona-Pandemie erstellt wurde. 

2. Lass dir bestätigen, dass du dein Geld ausbezahlt bekommst, wenn du den Gutschein nicht bis 31. Dezember 2021 verwendet hast.  

3. Auf dem Gutschein sollte auch vermerkt sein, dass du das Geld früher ausbezahlt bekommst, wenn du ansonsten aufgrund der aktuellen Situation deine Lebensunterhaltskosten nicht tragen kannst. 

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