Jeder 5. Deutsche offline – Hauptgrund: Datenschutzbedenken

Simone Groß

Wer täglich online ist, kann sich diese Zahlen kaum vorstellen. Aber der (N)Onliner-Atlas 2013 legt es offen: Noch immer ist gut ein Fünftel der deutschen Bevölkerung nicht online. Vor allem die Frauen 50+ verweigern sich der regelmäßigen Online-Präsenz.

Auch bei der Gesamtzahl der neuen Internetnutzer im vergangenen Jahr lesen sich die Zahlen nicht besser: Um gerade einmal 0,9 Prozentpunkte mehr steigt der Anteil der Internetnutzer und liegt jetzt bei 76,5 Prozent (in den letzten beiden Jahren (2011: 74,7; 2012: 75,6)). Das sind insgesamt rund 53,7 Million Deutsche.

Der (N)Onliner-Altas wird seit 2001 des gemeinnützigen Vereins Initiative 21 in Zusammenarbeit mit TNS Infratest durchgeführt. Mit mehr als 30.000 Interviews von über 14-Jährigen gehört die Untersuchung zur größten über die Internetnutzung hierzulande.

Die Durchdringung der Gesellschaft durch das Internets ist offensichtlich, hat sich doch seit 2001 die Zahl der User nahe zu verdoppelt. Noch vor 12 Jahren waren nur rund 40 Prozent der Bundesbürger im Netz unterwegs. Dennoch kommt das Tempo zum Erliegen.

Nachholbedarf bei Frauen und Senioren

Vor allem bei den Frauen jenseits der 50 ist die Netzverweigerung besonders hoch. „Nicht einmal jede zweite Frau über 50 Jahren nutzt das Internet. Dies verdeutlicht den Nachholbedarf für Deutschland und die Notwendigkeit für zielgruppenspezifische Maßnahmen zur Erschließung bisheriger Offliner,“ sagt Robert Wieland, Geschäftsführer der TNS Infratest.  Allerdings: gerade bei älteren Menschen gibt es noch nennenswertes Wachstum. Bei der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen hat die Nutzung um 3,3 Prozentpunkte zugenommen.

Mit diesen Zahlen liegt Deutschland im europäischen Vergleich nicht gerade vorne. Allen voran die Skandinavier haben offenbar weniger Hemmungen, den Rechner anzuwerfen und im Internet zu surfen. Mit beinahe 90 Prozent Internetuser sind sie Spitzenreiter im internationalen Vergleich.

Allen voran die Stadtstaaten sind es in Deutschland, die es vormachen: die Nordlichter an der Elbe führen mit 81,8 Prozent noch vor Berlin mit 81,0 Prozentpunkten. Außerdem ist die Internetnutzung in Städten generell höher als auf dem Land. Im Bundesländerranking geht Baden-Württemberg Hessen voran, die rote Laterne hält jedoch Sachsen-Anhalt.

Angst vor Missbrauch mit den eigenen Daten

Doch was hindert die Bundesbürger, den Rechner anzuschalten oder mit dem Smartphone online zu gehen? Allem voran nennen die Interviewten Datenschutzbedenken: mit 67,5 Prozent sind diese der häufigste Grund für die Nichtnutzung, Sicherheitsbedenken haben 59,1 Prozent der Nichtnutzer. Wenn Unterstützung in Sachen Internet benötigt wird, dann geben 64,2 Prozent der Nichtnutzer an, dass ihre Kinder, Freunde oder Bekannte Dinge für sie im Internet erledigen.

Vor allem die Kinder scheinen es aber zu sein, die die älteren Jahrgänge doch noch von der Internet-Nutzung überzeugen. Denn die Zahlen die Studien-Ergebnisse zeigen auch: Dort, wo mehr als vier Personen (meist mit Kindern) zusammenleben, ist die Nutzung der unbegrenzten Datenströmen höher, als bei allein Lebenden. Sechs von zehn Alleinwohnenden nutzen das Internet, bei Haushalten mit vier und mehr Personen ist da die Quote mit 90,6 Prozent bedeutend höher. Und trotz aller Versuche durch Volkshochschulkursen und anderen Maßnahmen, auch die alten Menschen vor den Rechner zu bekommen, fällt die Quote der Nutzer hier besonders niedrig aus. Nicht einmal jeder Dritte nutzt das World Wide Web.

Und selbst diejenigen, für die der Rechner eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint, nutzen das Netz zum Großteil für wenige Aufgaben. „Bei sehr vielen Deutschen ist die digitale Nutzung auf drei Komponenten beschränkt: Google, Word und E-Mail“, sagte Wieland. „Die Vielschichtigkeit des Internets wird häufig nicht erkannt.“

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