Modelsweek kündigen: Raus aus dem Vertrag [Update]

Viktoriya Simkina

Modelsweek: seriöse Modelagentur oder Abzockerfirma? Wir haben uns über das Online-Portal informiert und zeigen dir, wie du Modelsweek kündigen kannst.

Als Online-Plattform für aufstrebende Models ermöglicht Modelsweek, Anzeigen mit digitalen Sed-Karten aufzugeben, sodass diese von Agenturen, Modelscouts und Fotografen entdeckt werden können. Das Portal sieht sich als Vernetzungshelfer zwischen neuen Talenten und den Profis im Modelgeschäft. Junge Menschen, die den Traum haben, als Model oder Schauspieler groß rauszukommen, können laut Modelsweek-FAQ ihre Karrierechancen steigern, indem sie an einem Modelsweek-Casting teilnehmen und eine Fotoanzeige auf www.models-week.de veröffentlichen. Die Realität sieht aber oft anders aus, denn viele Newcomer-Models fühlen sich von der Modelsweek-Agentur hintergangen und abgezockt. Wir zeigen dir heute, was es mit der Modelsweek-Plattform auf sich hat und wie du einen unterschriebenen Vertrag kündigen kannst.

Modelsweek: Das übliche Prozedere

Wer sich über die auf der Modelsweek-Seite angegebene Telefonnummer oder über die eigene Modelagentur zu dem Modelsweek-Casting anmeldet, bekommt eine persönliche Einladung zu einem regionalen Modelscout-Termin. Dort wird den angehenden Models laut Internetquellen wie www.test.de, www.ndr.de, www.swp.de eine Modelanzeige angeboten, die mindestens 12 Monate lang auf www.models-week.de online geschaltet wird und Agenturen, freie Fotografen und Booker animieren soll, mit dem Model in Kontakt zu treten und dieses im besten Fall zu buchen. Die für die Anzeige benötigten Fotos werden direkt vor Ort gemacht, das Shooting und der Einsatz der Visagistin werden von vielen allerdings als „sehr unprofessionell“ empfunden. Für diese Leistungen sowie für die Anzeigenschaltung mit der Laufzeit von einem Jahr verlangt Modelsweek einen satten Betrag von über 400 Euro. Wer jetzt den Vertrag mit der Berliner Modelagentur Lorraine Media GmbH, der auch Modelsweek gehört, unterschreibt, bleibt auf der Rechnung sitzen, denn aufgrund der geschickten Vorgehensweise der Online-Agentur, ist ein Widerruf zwar nicht ganz ausgeschlossen, allerdings schwer umsetzbar und mit erheblichen Kosten verbunden.

Modelsweek: Ist ein Widerruf des Vertrags möglich?

Ein Widerruf ist in Deutschland gesetzlich verankert: der Verbraucher kann unter gewissen Umständen 14 Tage lang von einem bereits abgeschlossenen Vertrag zurückzutreten. Modelsweek versteht es allerdings, diese Regelung geschickt umzugehen. ndr.de beschreibt die trickreiche Vorgehensweise von Modelsweek wie folgt:

„Aufgrund der persönlichen Einladung kann jeder der Adressaten völlig frei entscheiden, ob sie bei dem Casting erscheinen. Außerdem findet es in einem Raum statt, der allen zugänglich ist – von daher ist ein Widerrufsrecht schon mal ausgeschlossen. Bleibt also nur die Möglichkeit das Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung abzuwägen.“

Wer dennoch einen Widerspruch gegen den Vertrag einlegt, bekommt eine Rechnung über mehrere hundert Euro ausgestellt – für die Erstellung der Sed-Karte und den Einsatz der Modelsweek-Visagistin, so der Bericht von swp.de. Denn während man den Anzeigenvertrag innerhalb von 2 Wochen widerrufen kann, müssen die Kosten für die bereits erbrachte Leistung, also die Anfertigung der Fotos, nichtsdestotrotz beglichen werden. Die Frage, ob es sich hier um ein Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung handelt, kann in letzter Instanz nur vor Gericht entschieden werden. Die hohen Anwalts- und Gerichtskosten werden jedoch viele Modelsweek-Kunden abschrecken, vor allem, weil Lorraine Media GmbH bereits viele Zahlungsunwillige mit Erfolg verklagt hat. Das Herauskommen aus dem Vertrag ist also sehr problematisch und ohne finanzielle Verluste kaum zu schaffen.

Modelsweek kündigen: Kündigungsfrist, Anschrift und Form

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Wenn du einen Jahresvertrag mit Modelsweek unterzeichnet hast und nach Ablauf der Vertragslaufzeit auf die Leistungen der Online-Plattform verzichten möchtest, solltest du diesen drei Monate vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen, sonst verlängert er sich um ein weiteres Jahr. Das berichtet zumindest test.de, denn in den Modelsweek-AGB sind die Kündigungsbedingungen mit keinem Wort erwähnt.

Deine Kündigung solltest du am besten schriftlich per Einschreiben an folgende Adresse richten und unbedingt eine Kündigungsbestätigung einfordern:

Hier findest du das bereits vorausgefüllte Kündigungsschreiben von aboalarm, das du dafür benutzen kannst.

Eine Kündigung per Fax oder E-Mail schließt Modelsweek laut unseren Informationen aus. Der aboalarm-Kundenservice hat momentan einige offene Fälle, in denen das von aboalarm an Modelsweek gefaxte Kündigungsschreiben abgelehnt wurde. Wir sind gerade dabei, diese Kündigungsfälle zu überprüfen und unseren Kunden zu helfen, aus den ungewollten Verträgen mit Modelsweek auszusteigen. Eine endgültige Klärung ist jedoch noch nicht in Sicht.

Modelsweek kündigen: aboalarm Fazit

Zahlreiche Kommentare in Internetforen, die erwähnten Internet-Beiträge zur Casting-Agentur Modelsweek und auch die Erfahrungen unseres Kundenservices zeigen, dass Modelsweek bzw. Lorraine Media GmbH ein Unternehmen ist, bei dem du dich vorsehen solltest. Das problematische Widerrufen des Vertrages, die undurchsichtigen Kündigungsregelungen sowie das Ablehnen unserer Kündigungsfaxe deuteten darauf hin, dass du es mit einer Abzocker-Firma zu tun haben könntest.

Wie genau dubiose Casting-Agenturen vorgehen, um jungen Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen, kannst du in dem Artikel Abzocke bei Casting-Modelagenturen nachlesen. Solltest du dich dennoch entscheiden, zu einem Modelsweek-Casting zu gehen und eine Sed-Karte erstellen zu lassen, raten wir dir, diese Tipps vor der Vertragsunterzeichnung zu befolgen.

In der Regel verlangen seriöse Modelagenturen kein Geld für die Aufnahme in ihre Kartei. Daher ist es wichtig, dass du dich über die jeweilige Agentur im Vorfeld informierst und den dir vorgelegten Vertrag gründlich prüfst, bevor du dich schriftlich bindest.

Update 16.4.2015:
Modelsweek rät Kunden von einem Widerruf ab und fordert einen Wertersatz von knapp 450 Euro. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Hamburg steht Modelsweek dies jedoch nicht zu. Wenn überhaupt, würden sich die entstandenen Kosten nur auf etwa 50 Euro belaufen – und nicht auf, wie gefordert, 90% der Jahresgebühr. Daher hat die Verbraucherzentrale die Lorraine Media GmbH dazu aufgefordert, Kunden zur Rücknahme ihres Widerrufs aufzufordern. Da das Unternehmen sich weigert, hat die Verbraucherzentrale vor dem Landgericht Berlin Klage erhoben. Wenn es Neuigkeiten gibt, erfährst du das natürlich wie immer zuerst von uns.

Update 13.2.2018:

Das Urteil der Klage der Verbraucherzentrale Hamburg  ist da!
Die Verbraucherzentrale forderte die Lorraine Media GmbH dazu auf, nicht weiter die Rücknahme des Widerrufs nahezulegen. Da die Unternehmer dazu nicht bereit waren, ging der Fall vor Gericht. Im Berufungsverfahren vor dem Kammergericht nahm die Lorraine Media GmbH schließlich die Forderungen an. Wenn das Unternehmen dennoch die Rücknahme des Widerrufs empfiehlt, wird ein Ordnungsgeld von bis zu 250000 Euro fällig.

Auch in zwei weiteren Urteilen waren Verbraucher siegreich gegenüber der Lorraine Media GmbH:
Das Amtsgericht Bremen hielt die erhobenen Vergütungsanspruch für das Shooting von circa 600 Euro für sittenwidrig, wie die Verbraucherzentrale berichtet. Lediglich 50 Euro mussten von dem Verbraucher an die Lorraine Media GmbH entrichtet werden.
Das Amtsgericht Bad Homburg bestätigte dies im Urteil vom 18. Januar 2018. Nachdem eine Verbraucherin nur 50 Euro für die Bildanfertigung zahlte, wies das Amtsgericht weitere Zahlungsansprüche des Unternehmens zurück.

Die Verbraucherzentrale Hamburg rät außerdem, keine Agentur zu wählen, die Geldforderungen stellt, bevor es zu einer erfolgreichen Vermittlung kommt.

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