ticketdirect Gebühr unzulässig: Urteil gegen Eventim im Sinne des Verbrauchers

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Eventims ticketdirect Gebühr unzulässig ist. Bisher sind für die Tickets zum Selbstausdrucken Servicegebühren angefallen. Das Problem liegt in einigen Klauseln des Ticketunternehmens.

Eventim hat im Jahr 2017 fast 50 Millionen Tickets verkauft, und die Zahlen steigen stetig. Doch dieser große Einfluss auf den Ticketmarkt erlaubte dem Unternehmen scheinbar auch das Aufschlagen unzulässiger Kosten.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen misst dem Urteil eine „grundsätzliche Bedeutung“ zu. Damit sei es auch auf andere Anbieter mit derselben Option anwendbar, solange pauschale Servicegebühren verlangt werden.

Eventim ticketdirect: 2,50 Euro pauschal fürs Selbstausdrucken

Neben dem postalischen Versand deines Tickets bietet Eventim auch eine eigentlich praktische print@home-Funktion. Hast du dir das Ticket für deine Wunschveranstaltung ausgesucht, wird es dir digital in PDF-Form zugesendet und du kannst es gemütlich zu Hause ausdrucken.

Doch bei dieser Versandart schlug Eventim bisher 2,50 Euro „Servicegebühr“ auf. Die Verbraucherzentrale (VZ) empfand dies als unzulässig, und reichte Klage ein.

Keine Rechtfertigung für Servicegebühren

Der Bundesgerichtshof (BGH) gab der Verbraucherzentrale am 23.08.2018 Recht in seinem Urteil (III ZR 192/17) Recht. Es sei unzulässig, bei der ticketdirekt-Option Servicegebühren zu verlangen, da der Aufwand, der mit Servicegebühren eigentlich abgedeckt werden sollte, nicht ersichtlich ist. Schließlich gibt es, anders als beim postalischen Versand, weder Kosten für das Material, den Druck oder den Versand.

Die Klauseln, mit denen Eventim die Gebühr begründet beziehungsweise gerechtfertigt hatte, weichen dem BGH zufolge von BGB § 448 Abs. 1 ab. Der Käufer müsse dem BGH nach „nur die eigentlichen Versendungskosten (z.B. Porto, Verpackung und ggf. Versicherung)“ zahlen. Alles, was zur Bereitstellung der Dienste bis zum Versand anfällt, sei nicht Sache des Käufers.

Der BGH entschied, dass Eventim „für Tätigkeiten, zu denen er gesetzlich oder – wie beim Versendungskauf – nebenvertraglich verpflichtet ist oder die er überwiegend im eigenen Interesse erbringt, grundsätzlich kein gesondertes Entgelt verlangen“ darf. Zwar dürfe ein Unternehmen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Aufschläge rechtfertigen, diese waren aber im Fall von Eventim nicht durchschaubar, da man wohl angab, die Kalkulation nicht offen legen zu müssen. Eine Revision wurde abgelehnt.

ticketdirect Gebühr unzulässig: Geld zurückfordern?

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Entgelte wie das im Falle Eventim bis zum Ablauf von drei Jahren zurückgefordert werden können. Das bedeutet für dich, dass du die Servicegebühren von ticketdirekt-tickets bis zum Jahre 2015 zurückerhalten könntest. Ein Musterschreiben der VZ findest du hier.

Trotz der nun als unzulässig erklärten Servicegebühren, ist Eventim noch lange kein schwarzes Schaf auf dem Ticketmarkt. Was für teils unglaubliche Probleme es beim Online-Kauf von Eintrittskarten geben kann, haben wir in unserem Übersichtsartikel für dich zusammengefasst, damit du sicher Tickets kaufen kannst.
ticketdirect Gebühr unzulässig: Urteil gegen Eventim im Sinne des Verbrauchers Bisher sind für die Tickets zum Selbstausdrucken bei Eventim Gebühren angefallen, doch der BGH entschied nun, dass diese ticketdirect Gebühr unzulässig ist. Artikelbewertungen: 0 0 / 5 0