Schnäppchen im Ausland – das zahlst du am Ende wirklich

Du möchtest deinen Liebsten etwas aus dem anstehenden Urlaub mitbringen oder bestellst leidenschaftlich gerne im Internet? Hier erfährst du, wie die Zollbedingungen deine Schnäppchenjagd nicht zum Albtraum machen!

Kleidung, Accessoires und Arzneien sind oft im Ausland gebührenfrei – und gefälscht. Die nachgemachte Markenware birgt oft größere Risiken als erwartet, wenn die Zollbedingungen dir bei der Einfuhr einen sündhaft teuren Strich durch die Rechnung machen. aboalarm gibt dir hier einen Überblick über die geltenden Regeln. Egal, ob du Originale oder Plagiate im Internet bestellst oder persönlich einführst, wir klären auf!

Böse Überraschung nach dem Urlaub: Zollbedingungen am Flughafen

Zollbedingungen im Ausland online
Zollbedingungen © Andreas Scholz – Fotolia.com

Die Einfuhr der günstigen Urlaubs-Errungenschaften kann sich nachträglich als fataler Fehler herausstellen. Denn wie nur wenige Reisende wissen gibt es verschiedenste Freimengen, Steuersätze und Gebühren. So ist der Zoll abhängig von mehreren Faktoren wie der Art der Ware, des Preises, der Herkunft und des Materials.

Grundsätzlich gilt, dass die Einfuhr von Waren aus EU-Mitgliedsländern für den Privatgebrauch zollfrei ist. Aber Achtung. Schon bei der Einfuhr mehrerer Kleidungsstücke in verschiedenen Größen als Mitbringsel für die Familie kann beim Zoll der Verdacht aufkommen, dass du mit den Stücken Handel betreiben willst.

Achtung bei Genussmitteln: Freimengen am Flughafen

Vor Allem bei den üblichen Genussmitteln, die meist im Ausland um einiges billiger sind, überschreitet man die Menge gerne mal. Grundsätzlich aber gilt, dass der Zoll ab 800 Zigaretten, einem Kilogramm Tabak, 10 Litern Spirituosen, 90 Litern Wein und 10 Kilogramm Kaffee von einem gewerblichen Zweck ausgeht und somit als nicht zoll- und gebührenfrei.

Und beachte, dass bei Waren aus nicht-EU-Ländern sehr viel schärfere Freimengen gelten! So darfst du von dort nur 200 Zigaretten, 250 Gramm Tabak, vier Liter Wein, 16 Liter Bier und einen Liter Alkohol mit einem Volumenprozent über 22 mitführen.

Diese Freimengen sind selbst bei Eheleuten nicht addierbar. Das heißt, dass du in einem nicht-EU-Land nicht acht Liter Wein in deinen Koffer packen kannst und deine Mitreisenden dafür nichts. Denn bei der Zollkontrolle wird nicht darauf eingegangen, dass eventuell jemand mittrinkt – es blüht eine saftige Strafe. Also unbedingt an die pro-Person-Regelung denken!

Bist du mit dem Flugzeug unterwegs, musst du Mengen, die die oben genannten überschreiten, unbedingt am rot markierten Zollausgang melden! Durchquerst du den grünen Ausgang machst du eine Steuererklärung. Für den Zoll signalisierst du hier verbindlich, dass du nichts anzumelden hast. Wirst du dann bei einer Stichprobe der Zollbeamten zur Kontrolle gebeten und hast doch mehr dabei, droht dir ein Bußgeld und im schlimmsten Falle ein Steuerstrafverfahren und das ist kein Kinderspiel!

Sehr neuwertige Gegenstände müssen vor der Einreise übrigens auch angemeldet werden, um Irrtümer zu vermeiden und dir doppelte Einfuhrabgaben und schlimmstenfalls eine Schmuggelanklage zu ersparen.

Beachte auch bei Schmuck, dass die Goldfreimenge schnell überschritten ist, da dort die Gebühren am Goldanteil deines Schmuckstücks berechnet werden.

Es liegt in deiner Verantwortung: Zollbedingungen im Internet

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Möchtest du dir Ware aus dem Ausland bequem im Internet bestellen, ist besondere Vorsicht bei der Herkunft des Händlers geboten.

Innerhalb der EU kommen meist bis auf die Lieferkosten keine besonderen Gebühren auf und die gleichen Reklamationsrechte gelten – nur Kaffee ist in Deutschland mit 2,19 Euro pro Kilogramm versteuert, diese Steuern müssen jedoch die Händler seit 2010 selber abführen.

Außerhalb der EU sieht die Sache ganz anders aus. Nur Ware im Wert von unter 22 Euro ist gebührenfrei, ab dann kommt die Einfuhrumsatzsteuer dazu und später ab einem Einkaufswert von über 150 Euro auch noch Zoll.

Oft nutzen dubiose Anbieter die Unwissenheit der arglosen Online-Kunden über diese Regelungen aus und bieten die Ware ohne die einberechneten Zollgebühren und Steuern an. Wenn du dann begeistert über das ein oder andere Schnäppchen den Kaufen-Button drückst und deine neue Errungenschaft zu Hause begrüßt hast, ist für dich die Sache abgeschlossen. Jedoch nicht für die Mitarbeiter vom Zoll. Diese können noch Monate später auf dein vermeintliches Schnäppchen zurückkommen und dir eine Rechnung über die versäumten Zusatzkosten stellen. Das kann passieren, wenn der Händler den Wert des Päckchens als unter 22 Euro oder als Geschenk deklariert hat, um die in diesem Falle höhere Freimenge von 45 Euro auszunutzen.

Und merke: die Verantwortung über die zu zahlenden Gebühren liegt immer beim Empfänger! „Dabei schützt Unwissenheit [auch] nicht vor Strafe“, wie Thomas Meister, Sprecher des Hauptzollamts am Münchner Flughafen, warnt. Sei also unbedingt über die Zollbedingungen im Bilde.

Es kann zum Beispiel bei falscher Deklaration des Inhalts deines Paketes sogar dazu kommen, dass die Zollbeamten es auf einen Verdacht hin öffnen. Schätzen sie dann den Wert der Ware anders ein als angegeben, wirst du um einen Kaufbeleg gebeten – meistens auf persönlichem Wege. Das bedeutet, dass du zur nächsten Zollstelle gebeten wirst, um den Wert der Waren zu belegen und die ist oft gar nicht so nah.

Der Traum von der Luxusware: ein bisschen Fake darf sein

Ein weiteres wichtiges Thema sind Plagiate. Wer kennt es nicht: im Urlaub wird am Strand die teuerste Markenware angepriesen und endlich gehört dir die neueste Michael Kors-Tasche zu einem Spottpreis und wer zu Hause bemerkt schon den Unterschied? Ärgerlicherweise fallen viele dieser nachgemachten Stücke zu Hause jedoch auseinander, Arzneien sind viel zu schwach oder gefährlich stark dosiert und durch verwendete Chemikalien in Kleidung und Accessoires bilden sich schmerzhafte Allergien aus. Die qualitativen Mängel sind aber oft nicht das einzige Problem.

Wie viele vielleicht nicht wissen: eine bestimmte Menge an gefälschten Markenprodukten aus EU-Mitgliedsstaaten ist für den persönlichen Verwendungszweck gebührenfrei erlaubt – bist du unter 15 Jahre alt darf der Wert der eingeführten Waren 175 Euro nicht überschreiten, bist du älter als 15 darfst du per Bahn oder Auto Plagiate im Wert von 300 Euro einführen und per Flugzeug liegt der Freibetrag bei ganzen 430 Euro.

„Das Einführen von Produkten, die nicht nur zum persönlichen Gebrauch bestimmt sind, ist [dabei jedoch] grundsätzlich zollpflichtig“, erinnert Anne Kronzucker, Juristin bei der D.A.S.-Rechtsschutzversicherung.

Informiere dich auch über die Plagiate betreffenden Zollbedingungen in deinem Urlaubsland! Auch wenn der Besitz von Fälschungen in Deutschland nicht verboten ist kann es sein, dass dir zum Beispiel beim Erwerb von diesen am Strand in Italien eine hohe Strafe durch die Polizei droht, in Frankreich kann der Besitz sogar mit einer Gefängnisstraße geächtet werden.

Die vermeintliche Markenhandtasche frei Haus: Online-Fälschungsverbot!

Zollbedingungen bei Plagiaten
Plagiate © K.C. – Fotolia.com

Der beliebteste Handelsplatz von Fälschern ist das anonyme Internet. Paradoxerweise ist hingegen der oben genannten Regelungen in Deutschland der Erwerb auf diesem Wege absolut verboten. Wirst du dabei ertappt, wie du online Fälschungen bestellst, wird die Marke informiert und die „[…] Unternehmen können daraufhin per Abmahnung eine Unterlassungserklärung oder sogar Schadenersatz [von dir] verlangen“, so Carolin Uhrig, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem wird die Ware vom Zoll einbehalten und vernichtet. Alleine die Unterlassungserklärung kann dich mehrere tausend Euro kosten, die Höhe der Schadenersatzansprüche ins Unermessliche steigen und eventuell kommen noch die Firmenanwaltskosten für dich dazu. Somit hat dich das Schnäppchen dann im Endeffekt doch ein Vielfaches von dem gekostet, was für das Original nötig gewesen wäre.

Aber auch hier kommt es auf das Urlaubsland an. Die Schweiz zum Beispiel, die auch in anderen Angelegenheit härter bestraft, setzt ein klares Signal gegen Plagiate, indem sie den Besitz und Erwerb dieser in jeder Transportform ahndet.

Schnäppchen aus dem Ausland: lohnt es sich?

Wir raten: mache dich lieber vor Bestellung oder Urlaubsantritt einmal mehr über die geltenden Steuer- und Zollbedingungen kundig, denn ein Verstoß kann unerwartet drastische finanzielle und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Diese sind der Ersparnis gegenüber des Kaufs innerhalb deines Heimatlandes nicht wert!

Bist du dir bei deinen Mitbringseln nicht sicher, kannst du dich vorab unter der 0351 44 83 45 10 bei der Zoll-Info-Zentrale über die anstehenden Kosten in deinem persönlichen Fall informieren!

Was Plagiate betrifft solltest du dir bewusst sein, dass du nicht nur dir selbst ins eigene Fleisch schneiden kannst. Sowohl der Firma, deren Produkt du um jeden Preis haben willst, als auch der Wirtschaft schadest du beträchtlich. Einer Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge sind bereits etwa 70.000 Arbeitsplätze in Deutschland durch Marken- und Produktpiraterie verloren gegangen, laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird der durch Raubkopien verursachte Schaden weltweit auf über 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Ob sich der Kauf dieser, oft auch nach dem gesundheitlichen Aspekt nicht einwandfreien Ware wirklich lohnt finden wir fraglich.

Schnäppchen im Ausland – das zahlst du am Ende wirklich Wie dir die Zollbedingungen nach Urlaub oder Online-Bestellung aus dem Ausland nicht zum Verhängnis werden erklären wir dir hier ausführlich. Artikelbewertungen: 2 5.0 / 5 2