Schnäppchen im Ausland – das zahlst du am Ende wirklich

Du möchtest deinen Liebsten etwas aus dem Urlaub mitbringen oder shoppst leidenschaftlich gerne online? Hier erfährst du, wie die Zollbedingungen deine Schnäppchenjagd nicht zum Albtraum machen.

Kleidung, Accessoires und Arzneien sind oft im Ausland gebührenfrei – und gefälscht. Die nachgemachte Markenware birgt oft größere Risiken als erwartet, wenn die Zollbedingungen dir bei der Einfuhr einen teuren Strich durch die Rechnung machen. Wir geben dir einen Überblick über die geltenden Regeln beim Online-Shopping und der persönlichen Einfuhr nach Deutschland.

Zölle und Gebühren im Urlaubsland und bei der Einreise

Böse Überraschung nach dem Urlaub: Zollbedingungen am Flughafen

Zollbedingungen im Ausland online
Zollbedingungen © Andreas Scholz – Fotolia.com

Die Einfuhr günstiger Urlaubs-Errungenschaften kann sich als Fehler herausstellen. Je nach Art der Ware, des Preises, Herkunft und Material gelten am Zoll bestimmte Reisefreimengen, Steuersätze und Gebühren.

Grundsätzlich ist die Einfuhr von Waren aus EU-Mitgliedsländern für den Privatgebrauch zollfrei. Aber Achtung: Schon bei der Einfuhr mehrerer Kleidungsstücke in verschiedenen Größen als Mitbringsel für die Familie kann beim Zoll der Verdacht aufkommen, dass du mit den Stücken Handel betreiben willst.

Achtung bei Genussmitteln: Freimengen am Flughafen

Vor allem bei Genussmitteln, die im Ausland häufig günstiger sind, ist die Menge schnell überschritten. Der Zoll geht ab 800 Zigaretten, einem Kilogramm Tabak, zehn Litern Spirituosen, 90 Litern Wein und zehn Kilogramm Kaffee von einem gewerblichen Zweck aus. Übersteigst du bei der Einfuhr diese Reisefreimengen, musst du Zoll und Gebühren zahlen.

Beachte auch, dass bei Waren aus Nicht-EU-Ländern geringere Freimengen gelten: So darfst du von außerhalb der EU nur 200 Zigaretten, 250 Gramm Tabak, vier Liter Wein, 16 Liter Bier und einen Liter Alkohol mit einem Volumenprozent über 22 mitführen.

Diese Reisefreimengen sind selbst bei Eheleuten nicht addierbar. Packst du acht Liter Wein in deinen Koffer und deine Mitreisenden nichts, zahlst du trotzdem Zollgebühren. Also unbedingt an die Pro-Person-Regelung denken.

So deklarierst du deine Mitbringsel am Flughafen richtig

Bist du mit dem Flugzeug unterwegs, musst du Mengen, die die oben genannten Werte überschreiten, unbedingt am rot markierten Zollausgang melden. Durchquerst du den grünen Ausgang, machst du eine Steuererklärung. Für den Zoll signalisierst du hier verbindlich, dass du nichts anzumelden hast. Wirst du dann bei einer Stichprobe der Zollbeamten zur Kontrolle gebeten und hast mehr dabei, droht dir ein Bußgeld – und im schlimmsten Falle ein Steuerstrafverfahren.

Melde sehr neuwertige Gegenstände vor der Einreise unbedingt an, um Irrtümer zu vermeiden. So ersparst du dir doppelte Einfuhrabgaben sowie schlimmstenfalls eine Schmuggelanklage.

Beachte auch bei Schmuck, dass die Goldfreimenge schnell überschritten ist: Hier werden die Gebühren am Goldanteil deines Schmuckstücks berechnet.

Diese Strafen drohen für den Kauf von Plagiaten im Urlaub

Ein weiteres wichtiges Thema sind Plagiate. Schnell ist im Urlaub am Strand das neueste It-Piece zu einem Spottpreis erworben. Wer zu Hause bemerkt schon den Unterschied? Nicht nur die Qulität der nachgemachten Artikel ist fraglich – gerade bei gefälschten Arzneien besteht große gesundheitliche Gefahr, dass sie zu schwach oder gefährlich stark dosiert sind.

Gegen den Plagiats-Handel am Strand gehen einige Urlaubsländer seit mehreren Jahren scharf vor: Hundert bis zu 7.000 Euro Strafe drohen, wenn du beim Kauf eines Plagiats am Strand in Italien erwischt wirst. Schon der Kaufversuch ist strafbar. In Frankreich zahlst du mindestens den Listenpreis des originalen Artikels ,auch Gefängnisstrafen sind nicht selten. Die Schweiz setzt ebenfalls ein klares Signal gegen Plagiate, indem sie den Besitz und Erwerb dieser in jeder Transportform ahndet.

Auch in Deutschland zahlst du bei der Einfuhr von Plagiaten: „Das Einführen von Produkten, die nicht nur zum persönlichen Gebrauch bestimmt sind, ist grundsätzlich zollpflichtig“, erinnert Anne Kronzucker, Juristin bei der D.A.S.-Rechtsschutzversicherung.

Allerdings: Eine bestimmte Menge an gefälschten Markenprodukten aus EU-Mitgliedsstaaten ist in Deutschland für den persönlichen Verwendungszweck gebührenfrei erlaubt. Bist du unter 15 Jahre alt, darf der Wert der Waren 175 Euro nicht überschreiten. Personen über 15 Jahre dürfen per Bahn oder Auto Plagiate im Wert von 300 Euro einführen – per Flugzeug liegt der Freibetrag bei ganzen 430 Euro.

Das gilt beim Online-Shopping: Zölle und Gebühren

Seit 1. Juli 2021: Kein Freibetrag für Online-Einkäufe aus Nicht-EU-Ländern

Was ist aboalarm?
  • sichere Kündigung
  • sofortiger Versand
  • Wichtiger Zugangsnachweis
  • Hilfe bei Problemen
Jetzt mehr erfahren
aboalarm App

Ob unterwegs oder bequem auf dem Sofa, noch nie war Kündigen so einfach wie mit der aboalarm-App.

Jetzt mehr erfahren

Möchtest du dir Ware aus dem Ausland im Internet bestellen, ist besondere Vorsicht bei der Herkunft des Händlers geboten.

Innerhalb der EU kommen meist bis auf die Lieferkosten keine besonderen Gebühren auf. Hier gelten auch die selben Reklamationsrechte wie in Deutschland. Nur Kaffee ist in Deutschland mit 2,19 Euro pro Kilogramm versteuert, diese Steuern müssen Händler jedoch seit 2010 selber abführen.

Außerhalb der EU sieht die Sachlage anders aus. Seit 1. Juli 2021 gilt die bisherige Freigrenze von 22 Euro nicht mehr. Das heißt, dass du für jeden Einkauf bspw. aus den USA, China oder Großbritannien die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von aktuell 19 Prozent bezahlen musst.

In der Regel meldet der Verkäufer oder der zuständige Postdienst deine gekauften Waren beim Zoll an. Die Gebühren dafür erscheinen auf deiner Rechnung und du bezahlst sie entweder bereits bei der Bestellung oder bei der Zustellung. Häufig erhebt der Postdienst auch noch eine zusätzliche Servicegebühr. Ab einem Einkaufswert von 150 Euro kommen außerdem noch Zollgebühren dazu.

Würden bei deinen Online-Käufen Abgaben von weniger als einem Euro anfallen, sind diese abgabefrei.

Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen im Online-Shop

Oft nutzen dubiose Anbieter die Unwissenheit der Online-Kunden über diese Regelungen aus und bieten die Ware ohne Zollgebühren und Steuern an. Die Gebühren musst du anschließend trotzdem bezahlen – und das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich teures Vergnügen.

Um Gebühren zu sparen, deklarieren Online-Shops mitunter auch den Inhalt deines Paketes falsch. Öffnen die Zollbeamten dein Paket auf Verdacht und schätzen den Wert der Ware anders ein, wirst du um einen Kaufbeleg gebeten. Du musst anschließend bei der nächsten Zollstelle den Wert der Waren belegen – und wirst hier nachträglich zur Kasse gebeten.

Selbst Monate nach dem Kauf kann dir der Zoll eine Rechnung über die versäumten Zusatzkosten stellen.

Die Verantwortung über die zu zahlenden Gebühren liegt immer beim Empfänger: „Dabei schützt Unwissenheit [auch] nicht vor Strafe“, wie Thomas Meister, Sprecher des Hauptzollamts am Münchner Flughafen, warnt. Informiere dich also unbedingt über die Zollbedingungen.

Die vermeintliche Markenhandtasche frei Haus: Online-Fälschungsverbot

Zollbedingungen bei Plagiaten
Plagiate © K.C. – Fotolia.com

Der beliebteste Handelsplatz von Fälschern ist das Internet. Im Gegensatz zu den genannten Freibetragen für Plagiate, ist in Deutschland der Erwerb von Plagiaten über das Internet verboten.

Wirst du dabei ertappt, wird die Marke informiert. Die „Unternehmen können daraufhin per Abmahnung eine Unterlassungserklärung oder sogar Schadenersatz [von dir] verlangen“, so Carolin Uhrig, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Außerdem wird die Ware vom Zoll einbehalten und vernichtet.

Alleine die Unterlassungserklärung kann dich mehrere tausend Euro kosten, die Höhe der Schadenersatzansprüche ins Unermessliche steigen. Möglicherweise kommen auch Firmenanwaltskosten dazu.

Schnäppchen aus dem Ausland: Lohnt es sich?

Wir raten: Erkundige dich vor Bestellung oder Urlaubsantritt über die geltenden Steuer- und Zollbedingungen im Urlaubsland. Ein Verstoß kann drastische finanzielle und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Diese sind der Ersparnis gegenüber des Kaufs innerhalb deines Heimatlandes häufig nicht wert.

Bist du dir bei deinen Mitbringseln nicht sicher, kannst du dich vorab unter der 0351 44 83 45 10 bei der Zoll-Info-Zentrale über die anstehenden Kosten in deinem persönlichen Fall informieren.

Was Plagiate betrifft, schadest du dir beim Kauf dieser Waren nicht nur selbst: Sowohl der Firma, die die Originale herstellt, als auch der Wirtschaft fügst du Schaden zu. Einer Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zufolge sind etwa 70.000 Arbeitsplätze in Deutschland durch Marken- und Produktpiraterie verloren gegangen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird der durch Raubkopien verursachte Schaden weltweit auf über 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt.

Ob sich der Kauf dieser, oft auch nach dem gesundheitlichen Aspekt nicht einwandfreien Ware wirklich lohnt, finden wir fraglich.

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei unseren Angaben um redaktionelle Inhalte zum Zwecke der Information handelt, die keine im Einzelfall geltenden Vertragskonditionen oder ähnliches darstellen. Hierfür solltest du die vereinbarten Vertragskonditionen und den genauen Vertragstext deines Anbieters einsehen, da wir diese Details nicht tagesaktuell prüfen können.