Rechtshilfe: So kostet es kein Vermögen

Du brauchst einen Anwalt, aber hast nicht genug Geld? So erhältst du kostenlose Rechtshilfe auch ohne Rechtsschutzversicherung.

Du brauchst einen Anwalt oder Rechtshilfe, aber hast kein Geld dafür und leider auch keine Rechtsschutzversicherung? Es gibt viele Anlaufstellen und Möglichkeiten, aber nicht für jeden Fall ist die gleiche Unterstützung gefragt. Welche Möglichkeiten es gibt, (fast) kostenlose Rechtshilfe zu erhalten, erfährst du hier. Wann dir ein Beratungsschein, Prozesskostenhilfe, Verfahrenskostenhilfe, die Verbraucherzentrale deines Bundeslands oder doch Online-Rechtsberatung hilft, das alles erfährst du hier.

Wenn es hart auf hart kommt, den Beratungsschein beantragen

Die BRD unterstützt Bedürftige, die Rechtshilfe benötigen mit sogenannten Beratungsscheinen. Die Hilfe wird grundsätzlich jedem Menschen in Deutschland mit geringem oder keinem Einkommen zugestanden, welche sich keinen Anwalt leisten können. Ob du einen Anspruch hast, kannst du ganz leicht selbst überprüfen und zwar musst du von deinem Bruttoeinkommen alle zutreffenden Freibeträge abziehen.

• Grundfreibetrag von 452,00 Euro

• Freibetrag für Ehe- oder Lebenspartner von 452,00 Euro

• zusätzlicher Freibetrag für jede unterhaltsberechtigte Person von 263,00 –  362,00 Euro

• Wohnkosten in angemessener Höhe

• ggfs. Erwerbstätigenbonus von 206,00 Euro

• ggfs. besondere Belastungen

Bleiben dir dann nicht mehr als 15 Euro hast du Anspruch auf den Beratungsschein.

Grundsätzlich deckt die Beitragshilfe die meisten Rechtsgebiete ab, vor allem hilft es dir aber bei Anliegen die das Arbeitsrecht, Sozialrecht, Verwaltungsrecht oder Ordnungswidrigkeitsrecht betreffen.

Ausdrücklich ausgeschlossen ist Beratungshilfe, wenn eine Rechtsversicherung eintritt, ein gerichtliches Verfahren anhängt, andere Hilfestellungen etwa durch das Gericht oder einen Verein bzw. eine Gewerkschaft greifen würden.

Möchtest du den Beratungsschein in Anspruch nehmen, fülle das Formular  aus und geh damit zum Amtsgericht. Zusätzlich musst du Nachweise über dein monatliches Einkommen, Vermögen und deinem rechtlichen Problem mitnehmen. Zulässige Dokumente sind beispielsweise Lohnabrechnungen, Renten- oder Arbeitslosengeldbescheide, der Mietvertrag samt Nebenkostenabrechnung, ein Briefwechsel über die Rechtssache oder andere Belege. Normalerweise wird der Beratungsschein direkt im Amtsgericht ausgestellt und du kannst danach den Anwalt deiner Wahl aufsuchen.

Ist es ein besonders dringliches Anliegen, dann kann der Beratungsschein auch vom Anwalt beantragt werden. Allerdings musst du das Anwaltshonorar für die bereits in Anspruch genommene Beratung tragen, wird der Beratungsschein nicht bewilligt.

Grundsätzlich kann der gewählte Anwalt von dir eine Kostenbeteiligung von maximal 15 Euro einfordern. Ob er es tut hängt jedoch stark von deinem Anwalt und dem vorliegenden Fall ab.

Handelt es sich um ein Verfahren vor Gericht, kannst du den Beratungsschein nicht beantragen, dafür aber Prozess- oder Verfahrenskostenhilfe.

Wie kann ich Prozesskostenhilfe (PKH) bzw. Verfahrenskostenhilfe (VKH) beantragen?

Die staatliche Fürsorgeleistungen Prozesskostenhilfe (PKH) oder Verfahrenskostenhilfe (VKH) unterscheiden sich nur geringfügig. Für die Bewilligung müssen folgende 3 Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Der Antragsteller ist wirtschaftlich nicht in der Lage die Kosten für die Rechtsberatung zu tragen.

2. Es bestehen Aussichten auf Erfolg.

3. Die Forderung ist nicht mutwillig entstanden.

Grundsätzlich kann Rechtshilfe in Form von PKH/ VKH beim zuständigen Gericht mit diesem Formular beantragt werden, dort wird auch eine erste Erfolgseinschätzung durchgeführt.

Den Antrag kannst du auch deinem Anwalt überlassen, achte aber darauf das Thema Prozesskostenhilfe bzw. Verfahrenskostenhilfe direkt anzusprechen.

Allerdings erheben Anwälte hierfür eine Gebühr die zwischen 30 und 320 Euro liegen kann. Diese musst du bezahlen, gewinnst du das Verfahren, dann bekommst du sie erstattet. Damit vermeidest du Missverständnisse und unnötige Kosten. Der Antrag auf PKH oder VKH ist kostenlos, egal ob die PKH oder VKH am Ende bewilligt wird.

Aber Achtung! Du bist nur durch die PKH oder VKH vor hohen Kosten geschützt, wenn der Prozess erfolgreich beendet wird. Verlierst du oder endet der Prozess ohne Urteil, dann musst du die anfallenden Gerichtskosten selber tragen.

Deswegen werden Prozesskostenhilfe bzw. Verfahrenskostenhilfe auch nur bewilligt, wenn Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluss des Verfahrens bestehen. Bist du dir unsicher kannst du auch immer beim Amtsgericht oder deinem Anwalt nachfragen und um eine Einschätzung bitten.

Wird die Rechtshilfe anerkannt entscheidet dein monatliches Einkommen unter Abzug aller relevanter Verpflichtungen (s.o.) wie viele der gegebenenfalls anfallende Teilzahlungen von dir zu leisten sind. Abhängig von deinem Einkommen musst du maximal 48 Monatsraten bezahlen, die Höhe ist dabei gesetzlich geregelt.

Angeklagten oder Beschuldigten stehen keine PKH oder VKH zur Verfügung, dafür steht dir in einem solchen Fall Rechtshilfe in Form von Pflichtverteidigung zu.

Rechtshilfe bei der Verbraucherzentrale

Jedes Bundesland verfügt über eine eigene unabhängige Verbraucherzentrale, die jedem Verbraucher in Deutschland beratend zur Verfügung steht. Auf Bundesebene gibt es zusätzlich den Dachverband Verbraucherzentrale Bundesverband.

Rechtsberatung ist allerdings nur bei den Verbraucherzentralen auf Landesebene möglich.
Dabei werden unterschiedliche Bereiche durch die Rechtshilfe abgedeckt für die dann entsprechende Kontaktdaten verfügbar sind. Grundsätzlich kann Rechtshilfe über E-Mail, Telefon oder persönliche Beratung gewählt werden. Die Preise für die entsprechenden Leistungen werden von der Verbraucherzentrale auf der Homepage transparent aufgeführt.

Die Verbraucherzentralen bieten dir ihre Dienste zu fairen Preisen an, dementsprechend hoch ist der Ansturm leider auch. Kümmere dich deswegen rechtzeitig um einen Termin!

Verbraucherzentrale: Kosten für die Beratung

Online-Rechtshilfeforen bieten ebenfalls Rechtsberatung an

aboalarm vorteileEine weitere Alternative sind Rechtsforen mit kostengünstiger Rechtshilfe, etwa der WISO-Sieger yourexpert.de, justanswer.de oder advocado.de.

Bei diesen Rechtshilfeplattformen kannst du normalerweise zwischen Beratungspaketen zu einem Fixpreis oder individueller Beratung wählen. Je nach Plattform besteht auch die Möglichkeit, einen eigenen Preis festzulegen, dieser wird den Anwälten angezeigt und wer bereit ist die Leistung für diesen Preis zu erbringen, der meldet sich bei dir. Welches Vorgehen am sinnvollsten ist, muss in jedem Einzelfall entschieden werden.

Teilweise gibt es auch mehrere Expertenanwälte zwischen denen du selbst wählen kannst. Die Preise für eine Frage, einen Anruf oder eine Chat-Anfrage werden auf diesen Plattformen transparent dargestellt.

Kleiner Tipp: Auf einigen Plattformen sind Fälle anonymisiert mit der entsprechenden Antwort eines zugelassenen Anwalts einsehbar. Vielleicht hast du Glück und ein vergleichbarer Fall wurde bereits behandelt. Aber Vorsicht, es handelt sich natürlich nur um Einzelfälle, die nicht eins zu eins übertragbar sind.

Fazit

kuendigen mit aboalarmEs gibt unterschiedliche Möglichkeiten, kostengünstig oder auch kostenfrei Rechtshilfe zu erhalten. Es kommt jedoch immer auf den Einzelfall an, welche der vorgestellten Möglichkeiten am passendsten ist.

Grundsätzlich sind Online-Rechtshilfeplattformen für schnell lösbare Anliegen oder kurze Fragen gut geeignet. Du erhältst schnell eine konkrete fachkundige Antwort nach der du dich richten kannst. Je komplexer die Zusammenhänge, desto schwieriger wird die Bearbeitung einer solchen Anfrage über einen Chat, eine E-Mail oder einen kurzen Anruf.

In solchen Fällen empfehlen wir dir, dich an die Verbraucherzentrale zu richten. Hast du Anspruch auf einen Beratungsschein, VHL oder PHK kann das bei komplexen Anliegen oder Gerichtsverfahren eine große Erleichterung darstellen.

Übrigens bieten viele Gewerkschaften, Verbraucher- oder Mietschutzverbände für zahlende Mitglieder kostenlose Rechtshilfe in Form von Rechtsberatung im jeweiligen Themenfeld an. Besteht eine solche Mitgliedschaft, lohnt es sich zu prüfen, ob du dort Hilfe bekommen kannst.

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