Zahl der Woche – KW 52: Neun Prozent

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, dass in den letzten 12 Monaten nur neun Prozent der 2052 Befragten ihre Hauptbankverbindung gewechselt haben. Das ist deshalb interessant, weil ein Gesetz von 2016 dem Verbraucher den Kontowechsel stark erleichtern sollte.

Alleine im Jahr 2016 gab es in Deutschland über 102 Millionen Girokonten. Um für diese gewaltige Menge an Kontoinhabern den Kontowechsel verbraucherfreundlicher und schneller zu gestalten, wurde am 18. September 2016 ein neues Gesetz verabschiedet, welches eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt. Die YouGov-Studie jedoch zeigt, dass nur wenige Bankkunden das neue Gesetz für sich nutzen. Nur ein Prozent der Befragten gab an, dass die neue Regelung für sie eine Rolle gespielt hat.

Seit dem 18. September letzten Jahres gelten verschärfte Regelungen für den Wechsel eines Bankkontos. Im Rahmen dieser Verschärfung wurde festgelegt, dass deine bisherige Bank dem neuen Institut deiner Wahl eine Liste der Transaktionen der letzten 13 Monate übermitteln muss, damit dieses deine eingestellten ein- und ausgehenden Überweisungen übernehmen kann. Außerdem soll die Einrichtung deines neuen Kontos nach spätestens 12 Geschäftstagen abgeschlossen sein.
  • Warum überhaupt das Konto wechseln?

Der YouGov-Studie zufolge wechseln Bankkunden vor allem das Konto, um ein besseres Preisleistungsverhältnis zu erzielen. Außerdem wünschen sich viele Bankkunden mehr Bankautomaten und eine bessere persönliche, telefonische und schriftliche Erreichbarkeit der Bank. Verbraucherschützer Frank-Christian Pauli stellt klar, dass es „gerade in Zeiten steigender Gebühren“ möglich sein muss, „den Anbieter rasch und reibungslos wechseln zu können“. Auch die Kontokosten können also zum Wechsel bewegen.

  • Warum bleibt die Wechselwelle aus?

Nach dem einen Prozent der Befragten zu urteilen, bei dem die Neuregelung beim Kontowechsel überhaupt eine Rolle gespielt hat, ist das Wissen um die veränderte, verbraucherfreundlichere Gesetzeslage wohl einfach nicht beim Verbraucher angekommen.
Pauli zieht außerdem die etwas ernüchternde Bilanz: „Es läuft noch nicht überall reibungslos, es gibt da auf jeden Fall noch Anfangsprobleme.“ Diese Aussage deckt sich auch mit einem Test der Stiftung Warentest. Drei Testpersonen haben digitale Konto­wechsel­services ausprobiert. Das Ergebnis nennt Stiftung Warentest durchwachsen: Nicht ein einziges Mal funktionierte der Wechsel in der gesetzlich vorgegebenen Zeit, bei einer der Testpersonen gelang der Wechsel nur, weil sie ihn selbst in die Hand nahm.

  • Wie funktioniert ein Kontowechsel?

Bevor du dein Konto wechselst, solltest du dir Gedanken über die Wahl der richtigen Bank machen: Denke über die Art der Bank und darüber nach, welche Bankkarten du benötigst, suche nach versteckten Kosten und den Dispozinsen, und sieh dir das Bankautomatennetz an. In diesem Artikel haben wir fünf Tipps für dich, die dir die Wahl deiner neuen Bank erleichtern.

Nachdem du deine neue Bank ausgewählt hast, eröffnest du dort ein Konto.

Durch ein Formular zur Kontowechselhilfe ermächtigst du dann die neue Bank, innerhalb von zwei Geschäftstagen deine Daten bei deiner alten Bank zu erfragen.

Deine bisherige Bank schickt dann binnen fünf Geschäftstagen diese Informationen zu dir und der neuen Bank und stellt die Zahlungen zu einem bestimmten Datum ein. Außerdem wird eventuell auf deinem Konto verbliebenes Restguthaben auf dein neues Konto überwiesen und das Konto dann geschlossen.

Deine neue Bank muss innerhalb von fünf Geschäftstagen die von dir auf der Liste deiner alten Bank markierten Daueraufträge einrichten, die Lastschriften akzeptieren und Zahlungspartnern, wie deinem Arbeitgeber oder Zahlungsempfängern, das neue Konto nennen, sowie eine Kopie der Ermächtigung schicken.

Findet eine Zahlung, wie beispielsweise dein Kfz-Versicherungsbeitrag, nicht zum Empfänger, haften die Banken dafür, da die Informationspflicht bei ihnen lag.

Kontowechsel Infografik Annik

Da der Wechsel, wie der Test der Stiftung Warentest zeigt, noch nicht immer reibungslos abläuft, rät die Verbraucherzentrale dazu, die Konten einige Zeit parallel laufen zu lassen.
  • Kommen bei der Kontowechselhilfe Kosten auf mich zu?

Banken können im Voraus festlegen, ob die Kontowechselhilfe kostenpflichtig ist, jedoch müssen einige Leistungen, wie beispielsweise die Übermittlung der Daten der Daueraufträge und Lastschriften an die neue Bank, kostenfrei bleiben.

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