Amazon Fire Phone: Angriff auf die Privatsphäre?

Lukas Rumpler

Durch das Amazon Fire Phone könnten noch genauere Nutzerprofile von dir erstellt werden. Wie das Smartphone das Datensammeln erleichtert, erfährst du hier.

Mit dem Amazon Fire Phone hat der Versandhändler sein erstes Smartphone vorgestellt. Bisher hat Amazon lediglich Tablet-Computer, eine TV-Box und eBook-Reader verkauft.

Der Verkaufsstart für das Fire Phone wird am 25. Juli 2014 sein. Allerdings wird das Amazon-Smartphone vorerst nur in den Vereinigten Staaten verfügbar sein. Wann und ob das Smartphone in Deutschland verkauft werden wird, ist bislang noch nicht bekannt.

Preislich liegt das Fire Phone bei 649 US-Dollar oder 199 US-Dollar mit einem 2-Jahres AT&T Vertrag.

Das Amazon Fire Phone schafft den gläsernen Nutzer

Die Kernfunktion des neuen Amazon Smartphones ist ein Knopf an der linken Geräteseite. Dieser löst eine spezielle Kameraanwendung aus, die zusammen mit dem Mikrofon und den GPS-Daten Dinge rund um dich herum erkennen soll. Mit der App „Flow powered by Amazon“ hat der Versandhändler in den USA bereits eine ähnliche, aber deutlich eingeschränktere App im Angebot, die ebenso Produkte erkennt und auf Knopfdruck in der Amazon-App zum Kauf anbietet.

Da Firefly etwa 100 Millionen Produkte erkennen soll, lassen sich Produkte, die sich in der Nähe befinden, innerhalb von Sekunden bei Amazon bestellen. Denn zu jedem gefunden Produkt gibt es nicht nur Informationen, sondern auch einen direkten Bestell-Link zu Amazon. Dabei könnte der Versandhändler ganz leicht persönliche Profile zu den Nutzern erstellen, da die Daten zur Firefly-Datenbank hochgeladen werden, auch wenn du den Artikel im Anschluss gar nicht bei Amazon kaufst. So kann Amazon theoretisch ein sehr genaues Nutzerprofil erstellen, dass für personalisierte Werbeanzeigen sehr wertvoll ist.

Firefly erkennt sogar Serien und Filme, nachdem die Kamera für ein paar Sekunden auf den Fernseher gehalten worden ist. Ebenso funktioniert die Erkennung für Musik. Diese Daten ermöglichen Amazon natürlichen eine noch genauere Analyse deines Nutzungsverhaltens, als sie das bisher schon durch Downloads und Streaming von Filmen und Musik über den Dienst Amazon Prime konnten.

Wer gerne bei Amazon einkauft, wird das Amazon Fire Phone trotzdem mögen

Trotz aller Datenschutzbedenken bleibt das Amazon Fire Phone die bisher einfachste Möglichkeit im Internet einzukaufen. Wer also mit dem Gedanken leben kann, dass Amazon immer besser über das persönliche Einkaufsverhalten bescheid weiß, wird mit dem neuen Amazon Smartphone bestimmt seinen Spaß haben.

Denn welche Daten Amazon genau abspeichert und mit Nutzern in Verbindung bringt, kann man nicht wirklich einschätzen. Gegenüber Venturebeat hat sich Amazon bereits zu den Datenschutzbedenken geäußert und versichert, dass Nutzer jederzeit Einträge aus dem eigenen Firefly-Verlauf löschen können. Solange bleiben die Einträge aber auf den Servern gespeichert, was für die Pflege einer verlässlichen Datenbank für Produkte durchaus nachvollziehbar scheint.

Letztlich musst du als Kunde entscheiden, ob dir der Komfort, denn das Fire Phone oder besser gesagt Firefly für Amazon-Kunden bietet, wert ist, diesem Unternehmen noch mehr persönliche Daten zu geben, als du es vermutlich ohnehin schon durch das Benutzen der Webseite und Apps machst.

Update 22. September 2014:

Wie Amazon mitgeteilt hat, soll das Fire Phone ab dem 30. September 2014 auch in Deutschland erhältlich sein. Allerdings sollen deutsche Kunden das Fire Phone nicht einzeln über die Amazon Webseite, sondern nur in Verbindung mit einem Telekom-Vertrag bekommen können.

Zum Start sollen alle Funktionen des Smartphones, wie Mayday oder Firefly, auch in Deutschland verfügbar sein. Demnach können auch deutsche Entwickler auf die Firefly-Schnittstelle zugreifen.

Auch wenn Amazon keine offiziellen Verkaufszahlen für das Fire Phone nennt, deuten Gerüchte darauf hin, dass sich Amazon’s erstes Smartphone bislang nicht allzu erfolgreich in den USA verkauft. In Deutschland wird sich die Telekom bemühen, das Fire Phone von Anfang an zu vermarkten, so soll es ein Schwerpunkt der Weihnachtswerbekampagne werden.
Bereits beim iPhone war die Telekom zunächst Exklusiv-Partner für den deutschen Markt.

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