Das Rätsel der Hosentaschenanrufe

Mysteriöse Anrufe an unbekannte Servicenummern treiben die Handyrechnung in die Höhe. Anscheinend sind manipulierte Apps die mögliche Ursache. Rechtsanwalt Thomas Hollweck bittet daher die IT’ler unter den aboalarm-Blog-Lesern um Mithilfe!

Nach wie vor sind Drittanbieter eine echt Plage für viele Handybesitzer. Sie erscheinen wie aus dem Nichts auf der Mobilfunkrechnung und machen diese Monat um Monat teurer. Besonders hinsichtlich angeblicher Hosentaschenanrufe an teure Servicenummern erreichen mich wöchentlich Anfragen von Mandanten.

Dabei geht es darum, dass eine bestimmte Rufnummer ca. eine Stunde lang angeblich versehentlich angerufen wurde. Kosten von bis zu 100 Euro nur für diese eine Verbindung sind dabei keine Seltenheit. Fragt man beim Mobilfunkprovider nach, was das sein soll, so ertönt unisono immer die selbe Antwort: Das Handy wurde vermutlich in der Hosentasche getragen und hat dabei von sich aus die Nummer gewählt.

Viele Hosentaschenanrufe können überhaupt nicht stattgefunden haben

Inzwischen liegen mir jedoch zahlreiche Schilderungen vor, nach denen ein solcher Hosentaschenanruf niemals stattgefunden haben kann. Sei es, weil der Betroffene gerade in einer Besprechung war und das Handy durch Zeugen nachweisbar vor ihm auf dem Tisch liegen hatte. Oder weil der Kunde gerade ein anderes Gespräch über dasselbe Handy führte, und dieses Telefonat in den Anrufprotokollen eindeutig nachverfolgbar ist.

Seitdem es dieses Phänomen gibt, bestand daher immer der Verdacht, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Nun hinterließ einer meiner Homepage-Besucher einen Kommentar auf einem Blog-Artikel, der ein wenig Licht hinter das Rätsel bringen könnte. Er schreibt, dass die unerwünschten Hosentaschenanrufe auf Apps zurückgehen könnten, deren Programmcode illegal geändert wurde. Dadurch würden die Apps vom Handybesitzer unbemerkt die Servicerufnummern anrufen.

Die Kanzlei Hollweck bittet um Mithilfe

Sollte das stimmen, so würde hier tatsächlich ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegen. Da ich jedoch nur ein Jurist bin, und kein IT’ler, möchte ich an dieser Stelle die aboalarm-Leser um Mithilfe bitten. Im Folgenden gebe ich die Zeilen wieder, die der Homepage-Besucher schrieb. Solltest du, lieber Leser des aboalarm-Blogs, das Folgende bestätigen oder mir weitere Hinweise zur Möglichkeit der Umprogrammierung von App-Programmzeilen geben können, so würde ich mich über eine aufklärende E-Mail sehr freuen. Zögere nicht, mich zu kontaktieren: Kanzlei Hollweck: Kontakt. Ich bin für jeden Hinweis dankbar!

Achtung! Bitte nimm selbst keine Veränderungen an Ihrem Smartphone bzw. an dessen Code vor. Das kann im schlimmsten Fall zu Fehlfunktionen oder zum Ausfall des Smartphones führen. Ich bitte daher nur Leser um Mithilfe, die bereits im IT-Bereich tätig sind und sich mit der Programmierung auskennen. Laien sollten nie selbst Umprogrammierungen o.ä. an ihrem Mobiltelefon vornehmen.

Lies nun, was mir der Blog-Besucher als Kommentar hinterließ:

„Seitens des Sourcecode (Quellcodes) der in Smartphones installierten Apps, ist es leicht, für das Rätsel des „Hosentaschenanrufs“ und der „11111 auf der Handyrechnung“ eine technische Erklärung zu geben. Man kann ganz einfach die Apps so programmieren, dass sie die Nummer 11111 (bzw. 99999 usw.) von alleine selbst wählen, ohne dass dies der Nutzer merkt.

Für Android betriebene Smartphones (für andere Betriebssysteme wie z.B. iOS usw. wäre der Vorgang ähnlich unkompliziert) genügt für dies im Sourcecode in der Datei „AndroidManifest.xml“ z.B. nur die folgende Zeile einzufügen:

<uses-permission android:name=“android.permission.CALL_PHONE“></uses-permission>

So wird dieser App die Berechtigung, eine angegebene Telefonnummer zu wählen, erteilt (Quellcode von http://www.askingbox.de/tutorial/android-programmierung-telefonnummer-waehlen-und-anrufen ).

Damit diese App auch noch von selbst die Möglichkeit hat, die Nummer 11111 direkt zu wählen, ohne vorher den Dialer anzuzeigen, so dass der Nutzer gar nichts merkt, genügt es dann nur folgende Zeilen in die Datei „AndroidManifest.xml“ einzufügen:

Intent intent = new Intent();

intent.setAction(Intent.ACTION_CALL);

intent.setData(Uri.parse(„tel:11111“));

startActivity(intent);

Den Befehl an das Smartphone die Telefonnummer 11111 anzuwählen (bzw. das Starten dieser Funktion), kann man danach alternativ auch durch die Verbindung, die diese App zum Mobile Server hat, auslösen. Die Auswahl der betroffenen Smartphones kann so beliebig nach Anzahl random usw. stattfinden.

Summa Summarum: Die Datei „AndroidManifest.xml“ einfach in einem Editor aufmachen und nach der Nummer 11111 (bzw. 99999 usw.) suchen. Wenn man sie bei einer installierten App finden sollte, die der Nutzer zum Zeitpunkt des angeblichen Anrufs hatte, dann wäre „das Rätsel der 11111 auf der Handyrechnung“ und des sog. „Hosentaschenanrufs“ ein für alle Mal gelöst.“

Sollten in meiner Kanzlei genügend Hinweise eingehen, fasse ich das ganze zu einem offenen Brief zusammen und fordere damit die einzelnen Mobilfunkanbieter zu einer Stellungnahme auf. Vielleicht führt dies dann endlich zu einem Umdenken bei den Providern, und sie fordern derartige Rechnungsposten nicht mehr von ihren Kunden ein.

 

Rätsel um Hosentaschenanrufe - wir gehen ihnen auf den Grund Sind manipulierte Apps die Ursache für teure Hosentaschenanrufe? Gemeinsam mit Rechtsanwalt Thomas Hollweck wollen wir der Sache auf den Grund gehen. Artikelbewertungen: 4 4.0 / 5 4
Über den Autor
Rechtsanwalt Thomas Hollweck

Rechtsanwalt Thomas Hollweck lebt und arbeitet in Berlin. Seine Kanzlei hat den Schwerpunkt auf das Verbraucherrecht gelegt. Das Ziel der Kanzlei Hollweck liegt darin, eine Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen zu bilden, so dass ein Rechtsstreit schnell und gütlich zum Vorteil des Kunden gelöst werden kann.

Website: http://www.kanzlei-hollweck.de