Datenautomatik – Abzocke oder Erleichterung? [Update:18.01.17]

Fragst du dich, wieso dein Datenvolumen nie gedrosselt wird, oder hast bereits bemerkt, dass die Datenautomatik bei dir gegriffen hat und möchtest sie abschalten, erfährst du hier, was es unbedingt zu beachten gibt.

Schonmal von der Datenautomatik gehört? Noch nie? Dann geht es dir wie vielen anderen Kunden von Handytarifen. Trotzdem ist es recht wahrscheinlich, dass auch du ab und zu die Datenautomatik nutzt – vielleicht ohne den Umfang zu verstehen.

Was es mit der Datenautomatik auf sich hat

Datenautomatik Flat
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Du hast dich für eine Internetflat entschieden, um deine Kosten im Blick zu halten. Damit steht dir ein bestimmtes Datenvolumen zur Verfügung, für das du einen festen Preis zahlst. Hast du dieses Datenvolumen vor Ende des Monats verbraucht, wird deine Surfgeschwindigkeit gedrosselt. Du kannst dann bei vielen Anbietern per SMS für einen bestimmten Preis weitere kleinere „Datenportionen“ aktivieren.

Diese Aktivierung nimmt dir die Datenautomatik jedoch ab. Das bedeutet, dass, nachdem du dein festgelegtes Datenvolumen überschritten hast, statt der Drosselung automatisch eine „Datenportion“ nach der anderen für dich gebucht und abgerechnet wird.

Nachdem du drei Monate lang alle jeweils möglichen „Datenportionen“ verbraucht hast, wirst du bei vielen Anbietern automatisch auf einen höheren Tarif umgebucht, um ihn deinem Surfverhalten anzupassen.

Geht das denn?

Datenautomatik Verbraucherschutz
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Schwierig. Mehrere Anbieter wurden bereits wegen dieses Themas von Verbraucherzentralen abgemahnt oder sogar verklagt. Einer der wenigen Anbieter, die auf die Datenautomatik verzichten ist die Telekom.

E-Plus musste bereits zurückrudern, weil die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisierte, dass BASE allen Nutzern die Datenautomatik und damit nicht akzeptierte Vertragsoptionen unterschieben wollte.

o2 stand wegen ihrer Datenautomatik bereits vor Gericht, da „für den durchschnittlichen – auch aufmerksamen und sorgfältigen – Verbraucher […] aus der Vertragsstruktur nicht ausreichend klar, eindeutig und unmissverständlich ersichtlich [ist], was es mit der Vereinbarung der Datenautomatik auf sich hat“. Der Anbieter hat jedoch angekündigt, in Berufung zu gehen.

Datenautomatik abschalten

Wir haben dir hier zusammengestellt, wie sich mit die Datenautomatik der bekanntesten vier Anbieter kündigen lässt und danach findest du einen Link zu Anleitungen für weniger prominente Anbieter.

o2

 Um die Datenautomatik bei o2 abzuschalten gilt: Hast du dein monatliches Datenvolumen verbraucht, können dir dreimal 200 MB à zwei Euro verbucht werden. Greift die Datenautomatik drei Monate in Folge, wirst du in den nächst höheren Datentarif gebucht.

Die Kündigung kann entweder mobil über die 55 222, über Festnetz über 0180 405 5222 oder online auf o2online.de erfolgen. Dort kannst du bei Mein o2 in der Übersicht unter „Tarif & Optionen“ deinen Vertrag verwalten.

BASE

Wie beim o2-Vertrag wirst du nach drei Monaten auf einen höheren Tarif gebucht. Dagegen kannst du 14 Tage lang unter der 127 1400 Widerspruch einlegen. Die Datenautomatik von BASE selber kannst du einfach bei der Hotline kündigen.

Hier sind die Kosten für die dreimal monatlich dazu buchbaren „Datenportionen“ abhängig von deinem Tarif. Bei

   −         bis zu 250 MB                                                               −         50 MB à 1,50 Euro.

−         bis zu 500 MB                         erhältst du                   −         100 MB à 2 Euro.

−         Ab 5 GB                                                                         −         750 MB à 5 Euro.

E-Plus

Bei E-Plus kannst du nur rückgängig machen, dass du auf einen höheren Tarif hochgestuft wurdest. Melde dich dafür bei der 0177 127 1401. Die Datenautomatik an sich kannst du leider nicht abbestellen. Achte bei diesem Anbieter also nächstes Mal bei Vertragsschluss darauf, ob die Datenautomatik inbegriffen ist.

Vodafone

Die Datenautomatik bei Vodafone nennt sich „SpeedGo“. Hast du dein monatliches Datenvolumen bereits zu 90 Prozent verbraucht, bekommst du eine SMS, die dich warnt, dass bald „SpeedGo“ greift.

Möchtest du das für den aktuellen Zeitraum verhindern, musst du nur auf diese SMS „Langsam“ antworten oder online auf center.vodafone.de den „Langsam“-Button aktivieren. Um die Datenautomatik komplett zu deaktivieren musst du dich unter der 0800 172 1212 melden.

Andere

Du hast einen anderen Anbieter, als die oben ausgeführten? Dann findest du hier Anleitungen für deinen jeweiligen Fall.

Datenvolumen im Überblick behalten

Datenautomatik Kostenkontrolle
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Damit die Datenautomatik nicht zur Kostenfalle wird, hilft es nur, deinen Datenvolumen-Verbrauch zu kontrollieren und im Überblick zu halten. Dabei helfen dir die Geräte selber.

Android-Geräte liegen in dieser Sache vorn. In den Einstellungen kannst du unter „Datennutzung“ deinen Datenzyklus, also die Rechnungsperiode, festlegen. Außerdem kannst du im Datennutzungsdiagramm mit der orangefarbenen Linie das Datenvolumen angeben, bei dem du eine Warnung erhalten möchtest, und mit der roten Linie, wann die mobile Datenverbindung abgeschnitten werden soll.

Es gibt zusätzlich noch Apps wie „3G Watchdog“, „DroidStats“ und „Traffic Monitor“ mit Extras wie Statistiken, Speed-Tests und der Datenverbrauchsanzeige in der Statusleiste.

Das Windows Phone hat eine eigene Kategorie „Datenoptimierung“. Dort kannst du ein „Limit“ einstellen, indem du den „Limittyp“ monatlich und das Rücksetzdatum wählst, an dem deine Rechnungsperiode beginnt.

Geräte, die mit iOS laufen sind leider von Haus aus nicht so gut ausgerüstet. Hier kannst du in den Einstellungen unter „Mobile Daten“ nur deine Statistiken an dem Tag zurücksetzen, an dem du die Rechnung beginnen möchtest. Es gibt keine Warn- oder Limitfunktion und du musst selbst darauf achten.

Hier sind Apps wie „My Data Manager“ und „Traffic Monitor“ dann essentiell.

Die Tücken der Datenautomatik

Datenautomatik Fazit
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Oft ist dir gar nicht bewusst, dass eine Datenautomatik aktiviert ist. Bei vielen neuen Verträgen akzeptierst du diese mit Vertragsschluss, wirst aber nicht, oder nicht voll umfänglich, darauf hingewiesen. Davor warnt auch unter Anderen Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen: „Wenn sich Verbraucher nicht bewusst für so eine Automatik entscheiden können, also unbewusst über eine Voreinstellung in einen höheren Tarif wechseln oder mit Zusatzkosten belastet werden, ist dies sehr bedenklich“.

Die ganze Sache ist nämlich praktisch, wenn du den Luxus nie gedrosselten Datenvolumens nutzen möchtest und dabei nicht aufs Geld achten musst.

Bist du aber knapp bei Kasse und hast dir eine Flatrate ausgesucht, um kontrolliert zu surfen und dann gestoppt zu werden, entpuppt sich die Datenautomatik natürlich als riskante Kostenfalle. Du möchtest dich ja zügeln, indem du die jeweilige Flat wählst, und nicht einfach weiter surfen und im Endeffekt nicht wissen, woran du finanziell am Ende des Monats bist.

Bemerkst du jetzt, dass dein Tarif doch nicht der richtige ist, wechsle mit aboalarm!

Update 18.01.17

Der Verbraucherzentrale Bundesverband ging schon im letzten Jahr gegen O2 und Vodafone vor, da dieser in der Datenautomatik strittige Vertragsbedingungen und rechtswidrige Kostenfallen sah. Laut einem Urteil des Oberlandesgerichts München, ist die Datenautomatik, sofern diese von Anfang an Vertragsbestandteil war, jedoch zulässig. Das Urteil betrifft allerdings nur die Datenautomatik von O2, wie Caschys Blog berichtet.

Bezüglich der Datenautomatik von Vodafone gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Sofern das Urteil des Landesgerichts Düsseldorf rechtskräftig wird, darf der Mobilfunkanbieter künftig keine Klauseln mehr für Highspeed-Volumentarife verwenden, die die nachträgliche Freischaltung von kostenpflichtigen Datenpaketen ohne die Zustimmung der Kunden erlauben, so golem.de. Das veröffentliche Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Ob Vodafone Berufung einlegen wird, ist bisher ebenfalls nicht klar. Wir halten dich selbstverständlich auf dem Laufenden.

Datenautomatik – Abzocke oder Erleichterung? [Update:18.01.17] Was Datenautomatik ist, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringt, ob du unbewusst in einer Kostenfalle steckst und wie du rauskommst erfährst du hier. Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1