Was du über die eSIM-Karte wissen solltest

Viktoriya Simkina

Die eSIM soll die gewöhnliche SIM-Karte bald ersetzten. Doch was birgt die Umstellung für den Verbraucher? Wir haben alle Infos, die für dich wichtig sind.

Die SIM-Karte gehört schon bald der Vergangenheit an. Mobilgerätehersteller arbeiten bereits seit einigen Jahren an der Zukunft des mobilen Telefonierens – der sogenannten eSIM-Karte. Wir zeigen dir heute, was es mit der eSIM auf sich hat und welche Vorteile und Risiken sich für dich als Verbraucher daraus ergeben.

Was ist eine eSIM-Karte?

Im Unterschied zu einer normalen SIM-Karte, die wir als ein kleines austauschbares Stück Plastik kennen, ist die eSIM-Karte fest im Handy integriert und kann mit Daten bespielt werden. Daher auch der Name:  eSIM steht für „embedded SIM“, was „eingebettete“ oder „fest verbaute“ SIM-Karte bedeutet.

Wie kann die Nutzung aussehen?

Mit der Einführung der eSIM muss die SIM-Karte bei Anbieterwechsel nicht mehr ausgetauscht werden. Auf der integrierten eSIM-Karte könnte bereits eine Liste mit Anbietern vorinstalliert sein. Der Kunde müsste dann lediglich aus den vorhandenen Angeboten auswählen, welcher Vertrag für ihn am besten geeignet ist. In der Zukunft könnte der Provider-Wechsel auch durch das Scannen eines QR-Codes oder ähnlicher Mechanismen erfolgen.

Welche Vorteile bringt die eSIM-Karte?

Benutzerfreundliche Bedienung und Bequemlichkeit sind wohl die größten Vorteile der eSIM. Ein Anbieterwechsel kann mit der embedded SIM sofort und überall stattfinden. Man muss sich keine Sorgen mehr machen, dass die Größe der SIM-Karte nicht zum Gerät passt oder tagelang auf das Zusenden der neuen Plastikkarte warten. Besonders praktisch ist das im Ausland, wo man sich schnell einen neuen Provider suchen könnte, um hohe Roaming-Gebühren beim Surfen und Telefonieren zu vermeiden.

Außerdem könntest du mit einer fest verbauten SIM eine Telefonnummer auf mehreren Geräten aktivieren, ein Tablet zum Internetsurfen verwenden oder mit einer Smart-Watch Daten aktualisieren – alles über einen Vertrag, der auf den jeweiligen eSIM-Karten der Geräte freigeschaltet wird.

Hier sind alle Vorteile auf einen Blick:

  • Bequemer Anbieterwechsel ohne Kartenwechsel.
  • Keine Probleme mit verschiedenen Formaten der SIM-Karten.
  • Ein Anbieterwechsel kann sofort stattfinden. Die eSIM wird mit neuen Daten bespielt und man muss nicht auf eine neue Karte warten.
  • Vermeidung von Roaming-Gebühren im Ausland, indem man unproblematisch zu einem örtlichen Anbieter wechseln kann.

Welche Risiken gehen damit einher?

Doch viele Fragen zur eSIM sind noch ungeklärt. Wie wird sichergestellt, dass der Kunde auch wirklich alle Angebote und Tarife angezeigt bekommt? Wie wird die Reihenfolge dieser Angebote bestimmt und wie kann verhindert werden, dass bestimmte Vertragsangebote überhaupt nicht aufgelistet werden? Hersteller bekommen mit der eSIM-Einführung sehr viel Macht, denn so können sie über Tarife und Angebote bestimmen oder sogar einige Provider für die eSIM-Karte sperren. Der Kunde wäre dann im Nachteil, denn er könnte nur aus einem eingeschränkten Pool an Anbietern und Tarifen auswählen. Die Trennung zwischen Hersteller und Netzbetreiber würde somit wegfallen – eine Gefahr, die die Freiheit der Kunden einschränken könnte. Datenschützer bemängeln außerdem, dass das herkömmliche Prepaid-System, mit dem anonymes Telefonieren möglich ist, mit der Einführung der eSIM abgeschafft wird.

Doch auch große Telekommunikationsanbieter stehen der eSIM laut welt.de  noch skeptisch gegenüber. Sie befürchten, den Kontakt zu den Kunden zu verlieren, denn mit der eSIM-Karte gäbe es für Handy-Nutzer kaum einen Grund, das Gespräch mit ihrem Provider zu suchen.Vodafone Chef Jan Geldmacher lehnt im Interview mit der Rheinischen Post die eSIM deutlich ab: „Die Sim-Karte ist Kern unserer Beziehung zum Kunden. Darauf sind häufig extrem wichtige Informationen abgelegt. Also wollen wir an ihr festhalten.“

Die Deutsche Telekom unterstützt dagegen die Entwicklung von eSIM. Im eigenen Firmenblog heißt es, die Einführung der embedded SIM werde die Vernetzung von Maschinen und das Internet der Dinge beflügeln.

Thorsten Dirks, der Deutschlandchef von Telefónica, sieht die Zukunft der eSIM noch offen: „Man wird sich darüber verständigen müssen, wer die Hoheit über die künftige fest eingebaute SIM hat: der Gerätehersteller, der Netzbetreiber oder ein anderer Anbieter“, sagte er der Welt.

Wie dem auch sei, mit der Einführung der neuen Sim-Karte sind große Machtverschiebungen in der Telekommunikationsbranche zu erwarten. Wie der Kunde dabei abschneiden wird, ist noch unklar. Laut FOCUS Online sieht sich zum Beispiel die Verbraucherzentrale NRW noch nicht in der Lage, eine Einschätzung zu der neuen SIM-Karten-Variante zu treffen.

Wann wir die eSIM-Karte in Deutschland eingeführt?

Die Telekom hat angekündigt, dass bereits dieses Jahr die ersten Geräte mit der integrierten SIM-Karte erhältlich sein werden: „Wir sind überzeugt, dass der neue eSIM Standard ab 2016 in den Markt kommt und sich dann ab 2017 richtig durchsetzt.“ Apple ist dabei großer Vorreiter, denn die eSIM ist bereits in den neuesten Generationen des iPads eingebaut. Auch Samsung rüstet nach und will die herkömmliche SIM-Karte schnellstmöglich abschaffen. Stern.de berichtet, dass es jedoch noch einige Jahre dauern wird, bis es mit der klassischen SIM ganz vorbei ist. Zunächst ist wohl mit einer Übergangsphase zu rechnen, in der hybride Modelle wie bei Apple verbreitet sein werden.

eSIM-Karte: Unsere Einschätzung

Auch wenn die Einführung der eSIM sich zunächst nach einer Erleichterung für die Verbraucher anhört, bleibt abzuwarten, wie Anbieter und Mobilgerätehersteller mit der neuen Technologie umgehen. Ein flexibleres Wechseln der Anbieter wäre für die Kunden mit Sicherheit von Vorteil. Doch die Hersteller werden es vermutlich nicht so gerne sehen, wenn die Kunden bei jeder Gelegenheit den Provider wechseln können, und ihre Interessen zu schützen versuchen. Welche Anbieter und Angebote über die eSIM letztendlich angezeigt werden, bleibt noch offen.

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