Roaming in der EU Q&A: Was du wissen solltest

Surfen, Telefonieren und Chatten beim Reisen war lange Zeit eine Wissenschaft für sich. Mittlerweile gibt es Extraregelungen für Roaming in der EU. Doch was bringt das überhaupt? Wobei muss ich aufpassen? Hier erfährst du, was du zum Thema Roaming in der EU wissen solltest.

Einer statista-Umfrage zufolge begrenzen 72 Prozent der befragten Deutschen bei Reisen durch die EU aus Sorge vor den hohen Roamingkosten ihre Anrufe.

Was ist Roaming?

Roaming kommt vom englischen Wort „roam“ für „herumwandern, umherstreifen“. In unserem Kontext bezieht sich das auf die Wanderung zwischen den Mobilfunknetzen. Fährst du beispielsweise von Deutschland nach Spanien, verlässt du das deutsche Mobilfunknetz und dein Mobiltelefon wählt sich ins spanische Netz ein, sodass du weiterhin chatten, telefonieren und surfen kannst.

Die Roamingfunktion kann in den Smartphoneeinstellungen ein- oder ausgeschaltet werden. Das ist auf Reisewegen besonders sinnvoll, um hohen Roaminggebühren vorzubeugen.

Roaming in der EU: „Roam like at home“

In den letzten Jahren hat sich beim Roaming in der EU so einiges getan. Nachdem anfangs einzelne Anbieter wie die Telekom, Congstar, Aldi Talk oder Simyo dem Kunden mit eigenen Regelungen entgegen kamen, gab es 2017 einen Durchbruch: Die Roaminggebühren innerhalb der EU wurden abgeschafft.

Das Prinzip „Roam like at home“ (RLAH) soll den Verbrauchern ermöglichen, das Mobiltelefon im EU-Ausland genauso zu nutzen, wie im Heimatland. Dem gingen jedoch zahlreiche Rückzieher, Planänderungen und Preissenkungen voraus. Die genauen Entwicklungen kannst du unserer EU-Roaming-Chronik entnehmen.

Seit RLAH gelten in den EU-Ländern und einigen Nicht-EU-Ländern beim Roaming keine Zusatzkosten mehr. Die betreffenden Länder haben wir hier für dich zusammengefasst.

Bei Reisen per Schiff und Flugzeug gilt die EU-Regelung nicht! Hier solltest du besser nicht roamen, da immense Kosten entstehen könnten.

Während die Roaming-Gebühren im EU-Ausland bereits abgeschafft wurden, kann Telefonieren aus dem Heimatnetz ins Ausland weiterhin sehr teuer werden. Dies soll sich ab dem 15.Mai 2019 ebenfalls ändern. Hier will die EU Preisobergrenzen festlegen. Eine Gesprächsminute ins Ausland soll demnach maximal 19 ct. kosten dürfen.

Günstig kaufen und zu Hause nutzen?

Die RLAH-Regelung hat jedoch eine besondere Einschränkung zugunsten der Mobilfunkanbieter: Die Fair Use Policy. Dieser voran ging die kurzweilige Idee, kostenloses Roaming auf 90 Tage zu beschränken. Der aktuellen Fair Use Policy zufolge kann dein Anbieter trotzdem Roaming-Aufschläge verlangen, wenn du zum Beispiel:

  • den Tarif aus deinem Heimatland hauptsächlich im EU-Ausland nutzt.
  • den Tarif im Ausland – wo es meist günstiger ist – erstehst, und ihn dann dauerhaft in deinem Heimatland nutzt.
  • im EU-Ausland ein größeres Datenvolumen verbrauchst, als zu Hause.

In der Klausel ist von einem Zeitraum von vier Monaten die Rede, in der du den Tarif überwiegend – das heißt in der Regel über 50 Prozent der Zeit – ohne Roamingaufschläge im EU-Ausland nutzen darfst. Geht dein Verbrauch darüber hinaus, darf dein Mobilfunkanbieter eine Erklärung verlangen, und dir nach Setzen einer 14-tägigen Frist folgende Gebühren auferlegen.

pro GigaBytepro SMSpro Minute/Anruf
6 Euro1 Cent3,2 Cent
Quelle: Europäische Kommission,
Stand 20.12.2018

Näheres zur Fair Use Policy haben wir hier für dich zusammengefasst.

Streaming in der EU: Geoblocking abgeschafft?

Bei Geoblocking handelt es sich um die Sperrung bestimmter Online-Inhalte in verschiedenen Ländern. Diese Sperrung führte zum Beispiel dazu, dass Online-Shops Angebote nur Käufern des Inlands zugänglich machen konnten und dass im Ausland bestimmte Videos nicht angesehen werden konnten. Das ist nun anders.

Bereits im Frühjahr wurde beschlossen, dass innerhalb der EU Streaming genauso möglich sein soll, wie im eigenen Land. Seitdem müssen Online-Inhalte (EU-)länderübergreifend verfügbar sein. Der Haken: Nur bei kostenpflichtigen Streamingabonnements muss die Verfügbarkeit der Inhalte gewährleistet sein, also zum Beispiel bei Netflix oder Amazon Prime. Kostenlose Streamingdienste können immer noch vom Geoblocking Gebrauch machen, und Videos auf bestimmte Länder beschränken.

Ähnlich des RLAH-Konzepts gilt die Erleichterung des Geoblockings nur für diejenigen, die nur vorübergehend im Ausland sind, also beispielsweise Urlauber oder Geschäftsreisende. Einfach Abonnements bei EU-Auslands-Streamingdiensten abzuschließen, ist also nach wie vor nicht möglich.

Was ist nationales Roaming?

Bei Überlegungen zum Ausbau des Mobilfunknetzes in schlecht oder gar nicht versorgten Gegenden Deutschlands war nationales Roaming wieder ein Begriff. Die Idee hier ist, dass jeder das an seinem derzeitigen Standort gerade beste Netz nutzen kann – unabhängig vom Vertragsgeber. Dafür braucht es natürlich die Zusammenarbeit der großen Anbieter.

Vorgemacht hat es Telefónica, als nach der Übernahme E-Plus und O2 die Netze zusammengelegt wurden, sodass Kunden je nach Standort zwischen den Netzen wechseln konnten.

Roaming in der EU Q&A: Das solltest du jetzt wissen! Surfen, Telefonieren und Chatten auf Reise war lange eine Wissenschaft für sich. Nun ist das Roaming in der EU aber keine Kostenfalle mehr. Alle Infos hier. Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1