Internetanbieter wechseln: Bußgelder bei langer Wartezeit (Update)

Lukas Rumpler

 

Dauert es zu lange, wenn du deinen Internetanbieter wechseln willst, können hohe Bußgelder für den Anbieter drohen. Drei große Anbieter müssen bereits zahlen.

Seit der Reform des Telekommunikationsgesetzes von 2012 darf die Unterbrechung des Telefon- und Internet-Anschlusses bei einem Anbieterwechsel höchstens einen Kalendertag dauern. Um dies sicherzustellen, müssen der alte und der neue Anbieter zusammenarbeiten. Diese Änderung soll den Wechsel einfacher machen.

Internetanbieter wechseln: Die Details

Laut einer Pressemitteilung der Bundesnetzagentur wurden gegen drei große Telekommunikationsunternehmen Bußgelder von insgesamt 225.000 Euro verhängt. Diese Unternehmen sollen wiederholt gegen ihre Pflichten beim Anbieterwechsel verstoßen haben. Außerdem teile der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, mit, dass bereits ein Verfahren gegen einen vierten Anbieter eingeleitet worden sei.

Auf Anfrage von Heise Online um welche Unternehmen es sich handeln würde, antwortete die Bundesnetzagentur nicht. In der Pressemitteilung heißt es aber, dass insgesamt 70 Prozent aller Beschwerden auf die vier betroffenen Anbieter fallen würden. Vermutungen von Heise Online zufolge handelt es sich bei den drei betroffenen Anbietern um Telefónica, Vodafone und 1&1. Gegen die Telekom soll das vierte Verfahren eingeleitet worden sein.

Die Bundesnetzagentur hat das Recht Bußgelder von bis zu 100.000 Euro zu verhängen, wenn sie einen Verstoß feststellt. In diesem Fall waren es jeweils 75.000 Euro. Dabei hat die Behörde den drei Anbietern positiv angerechnet, dass sie mit Hilfe automatisierter Schnittstellen an der langfristigen Verbesserung des Problems arbeiten. Noch sind die Bußgelder nicht rechtskräftig. Die betroffenen Anbieter können beim Amtsgericht in Bonn Einspruch einlegen.

Internetanbieter wechseln: Das kannst du bei Problemen machen

Falls auch du Probleme beim Anbieterwechsel hast, kannst du dich an die Bundesnetzagentur wenden. Dort gibt es eine eigene Beschwerdestelle für Probleme beim Anbieterwechsel. Auf dieser Webseite bietet die Bundesnetzagentur ein Formular zum Download, das ausgefüllt per E-Mail an tk-anbieterwechsel@bnetza.de gesendet werden muss.

Nachdem du dich an diese Beschwerdestelle gewendet hast, setzt sich die Bundesnetzagentur mit dem entsprechenden Anbieter in Verbindung, um das Problem zu lösen. Hast du noch weitere Fragen hilft dir der Verbraucherservice der Bundesnetzagentur weiter. Diesen erreichst du Montag bis Freitag von 9-12 Uhr unter der 030/ 22 480 500.

Update 7.8.2014: Keine Verbesserung 

Die ZDF Sendung Frontal 21 hat sich in einer am Dienstag ausgestrahlten Sendung mit den Beschwerden über die Telekom auseinandergesetzt. Demnach vermehren sich die Probleme beim Anbieterwechsel oder Umzug sogar noch und das obwohl die Bundesnetzagentur bereits Bußgelder verhängt hat.

Internetanbieter wechseln: Die Schuld liegt bei der Telekom

Da die Telekom nach wie vor die „letzte Meile“ kontrolliert, also die Kupferleitungen, die vom Verteilerkasten in eine Wohnung führt, müssen auch andere Anbieter einen Techniker der Telekom schicken und können sich nicht selbstständig um einen Wechsel kümmern. Sprich: Auch wenn du von Vodafone zu O2 wechselst, spielt die Telekom eine Rolle.

Für das ZDF hat sich ein Telekom-Techniker anonym vor die Kamera gestellt und von dem hohen Zeitdruck gesprochen, den die Telekom ihren Mitarbeitern macht. Demnach haben die Techniker am Tag acht Aufträge von denen sie in der Regel einen nicht schaffen. Abgesagt wird der Termin in einem solchen Fall jedoch nicht.

Beschwerden nehmen deutlich zu

Insgesamt haben die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur im letzten Jahr deutlich zugenommen. Während sich zwischen Juli 2012 und Juni 2013 noch 15.242 Kunden beschwert hatten, stieg die Anzahl im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr auf 25.361 Beschwerden an.

Zur Erinnerung: Der Anbieterwechsel darf, wie oben beschrieben, maximal einen Kalendertag dauern. Das kann natürlich nicht funktionieren, wenn die Techniker der Telekom dem Termindruck nicht hinterherkommen und du so bereits mehrere Tage wartest.

Zusätzlich wird der Telekom vorgeworfen, dass sie Kunden andere Anbieter bei der Terminvergabe benachteiligt. Laut Tatjana Halm, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, dränge sich der Eindruck auf, dass Kunden anderer Anbieter die unattraktiveren Termine mitten am Tag bekommen würden. In einigen Fällen sind die Techniker erst gar nicht zu dem vereinbarten Termin erschienen, sodass die Kunden zwei bis drei Tage freinehmen mussten. 

Trotz all der Kritik hat sich die Telekom nur schriftlich gegenüber Frontal 21 zu den Vorwürfen geäußert. So hieß es, dass die Beschwerden von Mitbewerbern sachlich falsch seien und die Tatsachen verdrehen würden. Die Telekom arbeitet laut eigener Aussage „konstruktiv daran, die Prozesse kontinuierlich zu verbessern“.

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