Unerwartete Preiserhöhung bei Telecolumbus

Telecolumbus hatte zu Beginn diesen Jahres Schreiben an seine Kunden verschickt, in denen eine Preiserhöhung angekündigt wurde. Doch nicht alle Kunden haben diesen Brief erhalten. Jetzt tritt die Preiserhöhung in Kraft, und die Überraschung bei so manchem Telecolumbus-Kunden ist groß.

Meine Mandantin ist Kundin beim Kabelanbieter Telecolumbus und führt dort einen Vertrag für TV und Telefon. Für beides zusammen bezahlt sie eine Grundgebühr von monatlich 14,99 Euro. Als vor kurzem ihr Receiver kaputt ging, ließ Telecolumbus meiner Mandantin schnell und unproblematisch ein neues Gerät zukommen. Zunächst war ihre Freude groß, da sie den schnellen Austausch als sehr kundenfreundlich empfand. Doch ihre Freude wandelte sich in Erstaunen um, als sie den dem Receiver beigefügten Begleitbrief las. Darin stand, dass der Tarif nun von 14,99 Euro im Monat auf 19,99 Euro angehoben werde.

Kunden von Telecolumbus Preiserhöhung überrascht

Meine Mandantin konnte sich in keinster Weise erklären, warum es zu dieser unerwarteten Preiserhöhung kam, denn sie war zuvor nicht darüber informiert worden.

Schnell setzte sie sich mit der telefonischen Kundenhotline von Telecolumbus in Verbindung und versuchte, die Sache aufzuklären. Sie ging davon aus, dass alles nur ein Irrtum sein könne. Doch der Mitarbeiter am Telefon erklärte ihr, dass sie bereits zu Jahresbeginn 2016 ein Schreiben seitens Telecolumbus erhalten hätte, in dem ihr diese Preiserhöhung angekündigt worden war.

Aufgrund dieser Preiserhöhung hätte sie ein sechswöchiges Einspruchsrecht gehabt, so dass sie den Vertrag aufgrund der Preiserhöhung hätte kündigen können. Ein solches Schreiben hatte meine Mandantin aber nie erhalten. Insofern wusste sie nichts von der kommenden Preiserhöhung, konnte demzufolge auch keinen Widerspruch geschweige denn eine Kündigung erklären.

Der Mitarbeiter an der Kundenhotline blieb konsequent dabei, dass für meine Mandantin der neue Preis geltend würde. Für einen Widerspruch gegen die Preiserhöhung oder eine Kündigung sei es zu spät. Er könne da nichts mehr für die Kundin tun, sie müsse das leider akzeptieren.

Kein Schreiben mit der Ankündigung vorhanden

Meine Mandantin sah noch einmal alle Unterlagen durch, die ihr von Telecolumbus vorlagen. Da sie gewissenhaft alle Schreiben ihres Kabelanbieters aufhebt und abheftet, konnte sie lückenlos in diesen blättern. Ein Schreiben mit der Ankündigung einer Preiserhöhung fand sich darin nicht, jedoch ein Brief vom 20. Januar 2016, in dem der alte Preis von 14,99 Euro aufgeführt wurde.

Da ihr dieses Schreiben vorlag, hätte sich in ihren Unterlagen auch das andere finden müssen, in dem Telecolumbus den Preis erhöht. Warum das nicht der Fall war, konnte sie sich nicht erklären. Zudem, wenn Telecolumbus im Januar 2016 den bisherigen Preis bestätigte, warum sollte der Anbieter dann im selben Monat noch ein Schreiben verfassen, das einen neuen Preis ankündigt?

Meine Mandantin beschloss, nicht an dem neuen Preis festzuhalten, denn das war ihr zu viel Geld. Zudem war sie etwas enttäuscht von Telecolumbus, dass sie nicht über die Preiserhöhung informiert wurde, selbst wenn Telecolumbus dies nun behauptete. Sie entschloss sich daher, zumindest jetzt die Kündigung auszusprechen.

Zeitpunkt der Information über die Preiserhöhung zählt

 In rechtlicher Hinsicht kann die Telecolumbus-Kundin ihre Kündigung erklären, denn sie hat erst mit dem zum Receiveraustausch beigefügten Schreiben erstmalig von der Preiserhöhung erfahren. Dieser Zeitpunkt zählt, es kommt immer darauf an, wann der Kunde nachweislich von der Preiserhöhung tatsächlich erfahren hat. Ab diesem Moment kann er eine außerordentliche Kündigung aussprechen, da kein Kunde einfach so eine Preiserhöhung hinnehmen muss.

Es kommt dabei nicht darauf an, wann Telecolumbus die Preiserhöhung verschickt hat. Selbst wenn Telecolumbus nach wie vor behauptet, dass dies im Januar 2016 geschehen ist, so müsste Telecolumbus beweisen können, dass die Kundin das Schreiben mit der Preiserhöhung wirklich erhalten hat. Das ginge nur, wenn Telecolumbus sich den Erhalt des Schreibens bestätigen lässt, beispielsweise per E-Mail oder Rücksendeformular mit freigemachtem Briefumschlag.

Rechtlicher Hintergrund: Telecolumbus Preiserhöhung als außerordentlicher Kündigungsgrund

Der rechtliche Hintergrund ist simpel: Eine Preiserhöhung stellt einen außerordentlichen Kündigungsgrund dar, da es sich bei einem Kabelvertrag um einen sog. „zweiseitigen Vertrag“ handelt, bei dem es zwei Vertragsparteien gibt, den Kunden und den Kabelprovider. Spricht der Kabelanbieter eine Preiserhöhung aus, mit der der Kunde nicht einverstanden ist, so muss der Kunde das nicht hinnehmen. Einseitige Vertragsabänderungen in einem zweiseitigen Vertragsverhältnis führen fast immer zu einem Kündigungsrecht der anderen Partei.

Das ist nachvollziehbar, denn stell dir vor, du wärst Kunde bei Telecolumbus und würdest gegenüber dem Unternehmen erklären, dass du ab jetzt nicht mehr 14,99 Euro im Monat bezahlst, sondern nur noch 12,99 Euro. In diesem Fall würde Telecolumbus ganz schnell den bisherigen Betrag weiter einfordern, und dir bei verringerter Zahlung die außerordentliche Kündigung erklären. Da beide Seiten in einem zweiseitigen Vertragsverhältnis vollständig gleichberechtigt sind, hast du als Kunde aber die gleichen Rechte wie Telecolumbus als Unternehmen. Ergo darfst du bei einer Preiserhöhung die Kündigung erklären.

Der Rat an dich

Setze in einem solchen Fall unbedingt zunächst eine Frist von drei Wochen, in der du Telecolumbus die Gelegenheit gibst, die angekündigte Preiserhöhung zurückzunehmen, und den Vertrag zum bisherigen Preis fortzuführen. Macht Telecolumbus das nicht, so wird die Kündigung wirksam, und der Vertrag endet. Selbst wenn sich Telecolumbus im Anschluss an die Kündigung beschwert und meint, diese sei nicht wirksam, so kannst du dich entspannt zurücklehnen und auf das geltende deutsche Recht verweisen. Denn eine Kündigung wird mit Zugang bei der Gegenseite immer wirksam, selbst wenn das Unternehmen sich beschwert, eine Bestätigung und Annahmeerklärung ist für eine Kündigung nicht notwendig. Wichtig ist nur, dass du die Kündigung so abschickst, dass du sie später beweisen kannst. Dazu ist ein Einschreiben mit Rückschein erforderlich, oder ein Fax mit Sendebestätigung.

Mein Wunsch an Telecolumbus: Wenn ihr Schreiben verschickt, in denen eine Preiserhöhung angekündigt wird, so achtet darauf, dass eure Kunden unbedingt davon Kenntnis nehmen. Das geht am besten dergestalt, dass ihr einem solchen Schreiben ein vorgefertigtes kostenfreies Antwortschreiben beifügt, in dem der Kunde seine Kenntnisnahme von der Preiserhöhung bestätigen kann. Auf diese Weise könnt ihr sicher gehen, dass der angekündigte neue Preis auch wirklich beim Kunden angekommen ist und dieser Notiz davon genommen hat. Das erspart euren Kunden Überraschungen, wie in dem obigen Fall.

Weitere Informationen über die Kündigung eines Festnetzvertrags bzw. eines Kabelvertrags findest Du im ausführlichen Ratgeber der Kanzlei Hollweck: Ratgeber zur Kündigung von DSL und Festnetz

Unerwartete Preiserhöhung bei Telecolumbus Telecolumbus hatte zu Beginn des Jahres Schreiben an Kunden verschickt, in denen eine Preiserhöhung angekündigt wurde. Doch nicht alle haben diese erhalten. Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1
Über den Autor
Rechtsanwalt Thomas Hollweck

Rechtsanwalt Thomas Hollweck lebt und arbeitet in Berlin. Seine Kanzlei hat den Schwerpunkt auf das Verbraucherrecht gelegt. Das Ziel der Kanzlei Hollweck liegt darin, eine Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen zu bilden, so dass ein Rechtsstreit schnell und gütlich zum Vorteil des Kunden gelöst werden kann.

Website: http://www.kanzlei-hollweck.de