Die jährliche Unitymedia Preiserhöhung: Dein Sonderkündigungsrecht

Bist du schon mehrere Jahre Kunde bei Unitymedia, sollte dir dieses Phänomen sehr bekannt vorkommen: Zu Beginn jeden Jahres erhöht Unitymedia die Vertragskosten für Bestandskunden mit derselben Begründung um mehrere Prozent. Wie du dich gegen die Unitymedia Preiserhöhung wehren kannst, erfährst du in unserem Artikel. 

Derzeit erhalten viele Unitymedia-Kunden Briefe, die eine baldige Preiserhöhung ankündigen. Wie auch die Jahre zuvor, handelt es sich hierbei meist um Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent. Selbstverständlich bist du nicht verpflichtet diese hinzunehmen. Was du stattdessen tun kannst, erklären wir dir hier.

Die Unitymedia Preiserhöhung

 Unzähligen Foren und Nachrichtenquellen zufolge, erhielten Bestandskunden von Unitymedia sowohl in 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und nun auch 2018 eine Mitteilung darüber, dass sich beispielsweise die Grundgebühr ihres Vertrags um eine bestimmte Prozentzahl erhöht. Dabei wird immer wieder dieselbe Begründung angegeben: Eine Erhöhung der Gesamtkosten zur Bereitstellung des Netzes. Die Leitungen verbessern sich jedoch nicht.

teltarif.de berichtet von zahlreichen Unitymedia-Briefen, die von genervten Kunden an die Redaktion weitergeleitet wurden. Dort wird einerseits von Briefen mit einer Unitymedia Preiserhöhung von 16% gesprochen, bei denen der Provider auf das Sonderkündigungsrecht und die Frist für einen eventuellen Widerspruch hinweist, aber auch von welchen, mit einer Erhöhung von 4% ohne einen solchen Hinweis.

Dies hat einen ziemlich kundenunfreundlichen Grund.

Unitymedia Preiserhöhung: Wo ist da das Sonderkündigungsrecht?

In Fällen einer Preiserhöhung ohne dementsprechende Leistungsanpassungen sprechen die meisten Anbieter dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu. Dies ist sowohl fair den Kunden gegenüber, die sich dann gegebenenfalls mit einem anderen Tarif neu orientieren können, als auch nach § 307 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der sich mit dem fairen Umgang von Verbrauchern durch Transparenz und Vorhersehbarkeit befasst, konform.

Unitymedia hingegen entschied sich jedoch scheinbar nicht für ein kundenfreundliches Vorgehen bei Preiserhöhungen.

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen behält sich Unitymedia vor

  1. in jedem Kalenderjahr einmal eine Preiserhöhung durchführen zu können.
  2. dem Kunden eine Preiserhöhung auferlegen zu können, wenn sich die eigenen Gesamtkosten derart erhöhen, dass dem Anbieter Mehrkosten entstehen.
  3. dem Kunden erst ab 5% Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht zuzugestehen.

Unitymedia Preiserhöhung: So kündigst du den Vertrag vorzeitig

Du bist auf der sicheren Seite, wenn die Preiserhöhung mehr als 5% beträgt. Wenn du den Brief mit der Information über die Unitymedia-Preiserhöhung erhalten hast, muss deine Sonderkündigung innerhalb von 6 Wochen bei dem Unternehmen eingehen.

Gib unbedingt deine Kundennummer an. Außerdem solltest du in deiner Kündigung darauf eingehen, dass du von deinem Sonderkündigungsrecht wegen der Unitymedia Preiserhöhung Gebrauch machst. Das Produkt – sowie Produkte, für die der gekündigte Vertrag Grundlage war – endet dann mit dem Zeitpunkt, an dem die Preiserhöhung in Kraft tritt.

Solltest du deine Telefonnummer zu einem neuen Anbieter mitnehmen wollen, musst du Unitymedia rechtzeitig darüber in Kenntnis setzen. Weitere Infos zur Rufnummernmitnahme erhältst du in unserem Artikel How to do: Festnetznummer mitnehmen.

Wenn du der Unitymedia Preiserhöhung nicht widersprichst, akzeptierst du sie automatisch und dein Vertrag wird zu den neuen Konditionen fortgesetzt.

Unitymedia Preiserhöhung: Der Rat unseres Anwalts

Preiserhöhungen, die unter 5% betragen, soll der Verbraucher demzufolge trotzdem einfach hinnehmen, ohne dass eine bessere Leistung daraus hervorgeht – und das jedes Jahr aufs Neue und für Bestandskunden, die eigentlich Treueboni, anstelle von Gebührenanstiegen verdient hätten.

Diesen Kunden ist zu empfehlen, den Weg zur Verbraucherzentrale zu suchen und Unitymedia zu einer Aufstellung der Mehrkosten, die zur Preiserhöhung geführt haben, zu drängen, um deren Durchführung zu rechtfertigen.

Unser Anwalt Holger Loos hält Unitymedias Argumentation für schwierig. Es ist einerseits nicht nachvollziehbar, ob die Leistungs– beziehungsweise Stabilitätssteigerung eine Tatsache ist oder nur als Vorwand von Unitymedia genutzt wird, um mehr Geld vom Verbraucher verlangen zu können.

Außerdem ist nicht erkennbar, ob die Ursachen für diese angeblich notwendige Umverteilung der Gesamtkosten wirklich erst nach dem Vertragsschluss eingetreten oder nach Belieben von Unitymedia eingeführt wurden.

Selbst für den Fall, dass bei Unitymedia Mehrkosten angefallen wären, hält es Loos für recht zweifelhaft, dass die – scheinbar alljährlich nötigen – Ausbaupläne Unitymedia vor Vertragsschluss nicht bekannt gewesen wären.

Alle vom Anbieter absehbaren Kosten sollten bereits ins Preisgefüge der Tarife einbezogen worden sein, um dem Kunden eine faire Kostenvorstellung zu bieten.

Im Zuge eines Falls von 2007 wurde eine Klausel, die der dritten in unserer obigen Aufzählung gleicht, in den AGB eines PayTV-Anbieters von einem Gericht für unwirksam erklärt.

In dieser Rechtssprechung wurde besonders hervorgehoben, dass die Begründung des Kostenanstiegs «zu unbestimmt» ist und die Klausel «zu einer unangemessenen Benachteiligung» des Verbrauchers führt. Außerdem ist «weder vorhersehbar, in welchen Bereichen Kostenänderungen auftreten können, noch hat er eine realistische Möglichkeit, etwaige Preiserhöhungen […] auf ihre Berechtigung hin zu überprüfen».

teltarif.de berichtet jedoch, dass Unitymedia sich darauf beruft, dass die internen Kalkulationen, auf denen Kostenanstiege beruhen, «Geschäftsgeheimnis» sind und somit nicht veröffentlicht werden dürfen. Daher ist es, wie in dem Fall von 2007, nicht möglich, «etwaige Preiserhöhungen […] auf ihre Berechtigung hin zu überprüfen».

Unser Anwalt empfiehlt vor allem Neukunden, trotz der Risiken auf das eigene Sonderkündigungsrecht zu bestehen!

Unitymedia und der Verbraucherschutz

Unitymedia jedenfalls sollte endlich Maßnahmen einführen, durch die der Verbraucher nachvollziehen kann, welche Kosten ihm aus welchen expliziten Gründen auferlegt werden.

Außerdem empfinden wir es als ungerecht, dass Unitymedias Gesamtkosten alleine an den Bestandskunden hängenbleiben, da die angeblichen Mehrkosten ja nicht einmal mit den Bestandskunden zusammenhängen.

Der alljährliche Anstieg der Vertragskosten ist ein wirklich verbraucherunfreundliches Geschäftsgebaren, das der Einmischung höherer Instanzen bedarf.

Wir hoffen sehr, dass Unitymedia sich in der Zukunft mehr mit dem Verbraucherschutz auseinandersetzt und Konsequenzen zieht!

Die jährliche Unitymedia Preiserhöhung: Dein Sonderkündigungsrecht Jedes Jahr zu Beginn erhöht Unitymedia die Vertragskosten für Bestandskunden um mehrere Prozent. Wie du dich wehren kannst, erfährst du hier. Artikelbewertungen: 11 4.2 / 5 11