Widerrufsrecht Internet: Alles was du wissen musst

Viktoriya Simkina

Widerrufsrecht Internet – ein Thema, das viele von uns betrifft, denn wer bestellt nicht gerne online? Wir geben dir einen Überblick über deine Rechte.

Amazon, Zalando, H&M, Otto und viele mehr – die Online-Versandhändler sind nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Doch wer einmal im Internet eingekauft hat, weiß, dass auch Rückgaben unvermeidbar sind. Die Online-Shops haben dazu unterschiedliche Richtlinien, doch wie sieht die Gesetzeslage zum Thema Widerrufsrecht Internet aus? Wir sagen dir heute, was beim Online-Widerrufsrecht wichtig ist und wann die Widerrufsfrist bei Internet-Einkäufen genau beginnt.

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Widerrufsrecht Internet: Wie viel Zeit steht mir für einen Widerruf zu?

Als Verbraucher hast du 14 Tage Zeit, um von einem Vertrag zurückzutreten, der außerhalb der Geschäftsräume abgeschlossen wurde, also z.B. an deiner Haustür, am Telefon oder eben online – das ist in den § 355 und § 312 d  des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt. Das bedeutet, dass du innerhalb dieser Frist ohne Angabe von Gründen von einem bereits abgeschlossenen Vertrag zurücktreten kannst.

Wann beginnt die Widerrufsfrist bei Online-Verträgen?

Laut vebraucherzentrale.de beginnt die Widerrufsfrist am Tag nachdem du die im Internet bestellten Waren vollständig erhalten hast, oder wenn Gegenstand des Vertrags eine Dienstleistung ist, am Tag nach Vertragsschluss. Voraussetzung dafür ist, dass der Händler dich in Textform (also auf der Internetseite, per E-Mail, Brief oder Fax) ordnungsgemäß und verständlich über dein Widerrufsrecht informiert hat und zwar bevor du deine Bestellung abgeben konntest.

Was muss die korrekte Widerrufsbelehrung enthalten?

Der Händler muss dich schriftlich über folgende Punkte informieren, damit die Widerrufsbelehrung dem gesetzlichem Umfang genügt:

  • dass ein Widerrufsrecht besteht
  • dass der Widerruf keiner Begründung bedarf und dieser mündlich oder schriftlich erklärt werden kann
  • an welche Anschrift der Widerruf gehen muss
  • die Dauer und Beginn der Widerrufsfrist
  • den Name des Unternehmers

Was ist, wenn ich keine Widerrufsbelehrung erhalten habe?

Hat der Online-Händler es versäumt, dich über dein Widerrufsrecht zu informieren, verlängert sich die Widerrufsfrist um ein ganzes Jahr. Das heißt, dir stehen in einem solchen Fall ein Jahr und 14 Tage Zeit zu, um dich aus dem abgeschlossenen Kaufvertrag zu lösen.

Gibt es beim Widerrufsrecht Internet Ausnahmen oder Besonderheiten?

Handelt es sich beim abgeschlossenen Vertrag um eine Dienstleistung, erlischt das Widerrufsrecht auch vor Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist, wenn dein Vertragspartner die entsprechende Leistung vollständig erbracht hat. Das gilt jedoch nur, du schon vor der Ausführung der Dienstleistung über diesen Umstand informiert wurdest und deine Kenntnisnahme bestätigt hast. Auch beim Erwerb von digitalen Inhalten, die per Streaming oder Download gekauft werden, gilt das gleiche Prinzip. Wenn du also Musikdateien, Software, Filme oder Spiele herunterlädst, erlischt das Widerrufsrecht bereits mit dem Start des Downloads.

Eine weitere Ausnahme greift, wenn die Ware persönlich auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten wurde. Bei Maßanzügen zum Beispiel würde das Widerrufsrecht entfallen. Auch bei schnell verderblichen Waren wie frischen Lebensmitteln ist ein Widerruf nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Lebensmittel online kaufen: Gibt’s auch ein Widerrufsrecht?.

Auch bei Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder Hygiene versiegelt verkauft werden, sowie bei versiegelten CDs, DVDs oder Blue-Rays, kannst du von deinem Widerrufsrecht nicht mehr Gebrauch machen, sobald du das Siegel entfernt hast. Viele Händler zeigen in solchen Fällen aber oft Kulanz und überweisen dir trotzdem das Geld, wenn du die Produkte zurückschickst.

Verfällt das Widerrufsrecht mit dem Auspacken der Ware?

Nein. Du darfst die erhaltenen Waren selbstverständlich auspacken, anprobieren und ihre Funktionsweise testen. Das gilt z.B. auch für zerlegt gelieferte Möbel, die du aufbauen kannst, ohne dass es zum Wegfall des Widerrufsrechts führt. Hast du die Ware allerdings beschädigt oder sie hat auf eine andere Weise an Wert verloren, kann der Händler Wertersatz verlangen, wenn er dich rechtskonform über dein Widerrufsrecht informiert hat.

Wie kann ich meinen Internet-Vertrag widerrufen?

Nach dem neuen Widerrufsrecht ab Juni 2014 kannst du den Widerruf sowohl mündlich als auch schriftlich erklären. Allerdings lässt sich eine mündliche Widerrufserklärung z.B. in Form eines Telefonanrufs im Streitfall nur schwer nachweisen, deswegen raten wir dir, die Widerrufserklärung per E-Mail, Post oder Fax zu verschicken und die Versandbestätigung aufzuheben.

Was muss ein Widerrufsschreiben enthalten?

Damit ein Widerrufsschreiben rechtsgültig ist, sollte es folgende Informationen enthalten:

  • Deinen Namen, Adresse, Kundennummer (falls vorhanden)
  • Das Vertragsdatum
  • Die Erklärung, dass du den erwähnten Vertrag widerrufen möchtest
  • Bitte um eine schriftliche Bestätigung (empfohlen)
  • Das Datum des Widerrufs

Du kannst natürlich auch unsere bereits rechtssicher vorformulierte Widerrufsvorlage benutzen, um auf Nummer sicher zu gehen und Zeit zu sparen.

Widerrufsrecht Internet: Der Unterschied zwischen Rückgabe und Widerruf

Auch wenn die Begriffe Rückgaberecht und Widerrufsrecht oft synonym verwendet werden, sind es im Grunde unterschiedlich ausgestaltete Rechte, von denen der Käufer Gebrauch machen kann. Die Verwechslung hängt wohl damit zusammen, dass der Verbraucher auch bei der Ausführung seines Widerrufsrechts die bestellten Waren letztendlich zurücksenden muss. Während das Widerrufsrecht nur für Fernabsatzverträge gilt, kann das Recht auf Rückgabe oder Umtausch auch bei einem Kauf im stationären Handel ausgeübt werden. Der Verkäufer ist zwar nicht gesetzlich dazu verpflichtet, die meisten Geschäfte bieten aber diese Möglichkeit an, um ihre Kundenbindung zu stärken. Aber Vorsicht, in einige Läden ist die Rückgabe nur gegen Warengutschein möglich. Informiere dich deshalb unbedingt über die Bedingungen des Rückgaberechts, bevor du einen Kauf tätigst.

Viele Online-Shops bieten neben den gesetzlichen 14 Tagen Widerrufsfrist ein ausgedehntes Rückgaberecht von bis zu 30 Tagen nach Warenerhalt. Möchtest du die bestellten Artikel zurücksenden, kannst dafür den beigelegten Rücksendeschein ausfüllen und diesen zusammen mit den Waren an den Verkäufer zurückschicken. Große Versandhäuser übernehmen sogar die Versandgebühren, vorausgesetzt, du verwendest dazu das spezielle Rücksendeetikett. Solltest du den Rücksendeschein oder das Etikett nicht mehr haben, kannst du deinen Verkäufer kontaktieren und bekommst diese in der Regel noch mal zugeschickt, entweder per E-Mail oder per Post. Doch Achtung – das Rückgaberecht ist im Unterschied zum Widerrufsrecht gesetzlich nicht geregelt und für den Verkäufer freiwillig. Deshalb können die Rückgabemodalitäten bei verschiedenen Online-Shops auch sehr unterschiedlich sein. Lies dir am besten schon vor der Bestellung die AGB deines Versandhändlers durch, um alle nötigen Informationen zum Rückgaberecht zu erfahren.

Widerrufsrecht Internet: Die Folgen des Widerrufs

Hast du einen Wideruf gegenüber dem Händler eindeutig erklärt, musst du die erhaltene Ware innerhalb von 14 Tagen an den Verkäufer zurückschicken, es sei denn, dieser hat angeboten, die Ware selbst abzuholen. Der Verkäufer ist im Gegenzug dazu verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Widerrufserklärung dein Geld zurückzuzahlen. Allerdings kann er mit der Überweisung so lange warten, bis die Ware bei ihm eingetroffen ist bzw. bis du ihm ein Einlieferungsbeleg zugesendet hast. Laut verbraucherzentrale.de muss der Händler auch die Versandkosten für den Versand der Ware zu dir nach Hause zurückerstatten, ausgenommen die Gebühren für eine Expresslieferung oder ähnliches. Dafür trägst du die Rücksendekosten, es sei denn, der Shop-Betreiber hat sich bereiterklärt, diese zu übernehmen.

Rückgabe beim Online-Shopping: Der Umwelt-Aspekt

Auch wenn du vom Gesetzgeber geschützt bist und dir eine 14 tägige Widerrufsfrist zusteht, möchten wir dir ans Herz legen, deine Online-Einkäufe möglichst bewusst zu tätigen und Rückgaben zu vermeiden. Die Hin- und Herfahrerei der Lieferdienste verursacht unnötig viele Treibhausgabe und wirkt sich negativ auf unsere aus. Lies dir die Produktbeschreibungen im Online-Shop genau durch, informiere dich über Produktrezensionen und entscheide dich am Ende nur für Sachen, die dir wirklich gefallen und die du nicht vor Ort bekommen kannst. Außerdem kannst du deine Einkäufe bündeln, anstatt einzelne Produkte mit hohem Verpackungs- und Lieferaufwand zu bestellen. Mit gutem Gewissen macht das Online-Shopping noch mehr Spaß und der Umwelt ist auch ein bisschen geholfen!

 

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