Deine Rechte als Werkstudent: Das gilt für Urlaub, Sozialabgaben und Co.

Elena Petznik

Du möchtest neben dem Studium als Werkstudent arbeiten, fragst dich jedoch, welche Regelungen für Urlaub, Krankheit oder Sozialabgaben gelten? Wir erklären dir deine Rechte als Werkstudent.

Gerade an beliebten Studienorten sind Miet- und Unterhaltskosten oftmals so hoch, dass viele Studenten während des Studiums arbeiten müssen. Insbesondere Werkstudentenjobs sind hier äußerst beliebt. So können wichtige Kontakte geknüpft und Praxiserfahrung gesammelt werden. Welche Rechte als Werkstudent gelten und welche Grundvoraussetzungen du hierfür erfüllen musst, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Werkstudentenjob: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Selbstverständlich stellt jeder Arbeitgeber, je nach Tätigkeitsbereich, individuelle Anforderungen an seine Werkstudenten. Grundlegend gibt es jedoch einige Voraussetzungen, die du auf jeden Fall erfüllen musst, um als Werkstudent arbeiten zu können:

  • Du musst an einer Hochschule oder Fachhochschule Vollzeit immatrikuliert sein und darfst deinen Abschluss noch nicht gemacht haben
  • Du darfst dich nicht in einem Urlaubssemester befinden
  • Du darfst das 25. Fachsemester nicht überschritten haben
  • Du darfst während der Vorlesungszeit nicht mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten

Ausnahmen gelten für die Semesterferien, wenn es sich um eine Nacht- oder Wochenendarbeit handelt oder die Beschäftigung auf die vorlesungsfreie Zeit beschränkt ist.

Deine Rechte als Werkstudent: Antworten auf die häufigsten Fragen

Bevor du eine solche Stelle eingehst, solltest du dich selbstverständlich über deine Rechte als Werkstudent informieren. Wie viel darfst du überhaupt nebenher arbeiten? Gibt es spezielle Regelungen zu Bezahlung, Urlaubsanspruch und bei Krankheit? Wir haben Antworten auf die drängendsten Fragen:

Die hier dargestellten Bedingungen können je nach Arbeitgeber variieren. Wirf also unbedingt zusätzlich einen Blick in deinen Arbeitsvertrag.

Wann darf ich wie lange arbeiten?

Eine der zentralsten Fragen bezüglich deiner Rechte als Werkstudent, ist die nach der höchstmöglichen Arbeitszeit. Da du als Werkstudent in erster Linie Student bist, darfst du insbesondere während der Vorlesungszeit nicht unbegrenzt arbeiten. Gesetzlich ist eine maximale wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden erlaubt. Lediglich während der Semesterferien ist es dir erlaubt bis zu 40 Stunden wöchentlich zu arbeiten. Zudem darf die tägliche Arbeitszeit nur in Ausnahmefällen höher, als acht Stunden sein.

Befolgst du diese Bedingungen nicht und überschreitest deine Arbeitszeit regelmäßig, droht dir nicht nur Ärger mit deinem Arbeitgeber, unter Umständen musst du sogar Lohnabzüge befürchten.

Gibt es spezielle Regelungen zur Bezahlung?

Dass viele Studenten neben dem Studium arbeiten, hängt häufig damit zusammen, dass sie sich ihr eigenes Geld dazuverdienen möchten. Werkstudenten werden zumeist deutlich besser bezahlt, als studentische Hilfskräfte oder Praktikanten, insbesondere wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt.

Als Werkstudent fällst du unter die Mindestlohn-Regelung und hast somit Anspruch auf einen Stundenlohn von 8,84 Euro brutto.

In den meisten Firmen sind jedoch Stundenlöhne von 10 bis 15 Euro brutto Standard. Arbeitest du 20 Stunden pro Woche erhältst du somit ein monatliches Gehalt zwischen 707 und 1.200 Euro brutto.

Eine statista-Umfrage von 2015 zeigt, dass ein Großteil der befragten Studenten zwischen 250 und 500 Euro netto im Monat verdient. In diese Berechnung fielen jedoch alle Nebenbeschäftigungen von Studenten, nicht ausschließlich Werkstudentenjobs.

Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung: Welche Abgaben muss ich leisten?

Etwas komplizierter wird es bei der Frage, welche monatlichen Abgaben du als Student leisten musst.

  • Lohnsteuerbeitrag: Auch als Werkstudent bist du steuerpflichtig. Hast du keine Kinder und bist nicht verheiratet, wird deine Werkstudententätigkeit üblicherweise in Steuerklasse I eingeordnet. Hier werden dir erst Steuern abgezogen, wenn du jährlich mehr als 9.000 Euro brutto (Stand 2018) verdienst. Hast du als Student Steuern zahlen müssen, lohnt es sich deswegen häufig, eine Steuererklärung abzugeben, um mögliche Steuern vom Finanzamt zurückzubekommen. In unserem Beitrag Steuererklärung: Die wichtigsten Fragen erfährst du mehr dazu.
  • Sozialabgaben: Beginnst du vor Vollendung des 25. Lebensjahres einen Werkstudentenjob und verdienst lediglich bis zu 450 Euro brauchst du dir um eine eigene Krankenversicherung keine Gedanken machen. Du bleibst familienversichert und musst keine Angaben zahlen. Liegt dein monatliches Einkommen über dieser sogenannten Geringfügigkeitsgrenze, musst du dich um eine eigene studentische Krankenversicherung kümmern. Im Schnitt zahlst du dann 90 Euro monatlich für Kranken- und Pflegeversicherung, so mystipendium. Obendrauf kommt ein geringfügiger prozentueller Beitrag, den du in deine Rentenversicherung einzahlen musst. Infos zu wichtigen Versicherungen für Studenten, bekommst du in unserem Beitrag.

Habe ich einen Urlaubsanspruch?

Selbstverständlich stellt sich vielen Studenten vor Antritt eines Jobs die Frage nach einem gesetzlichen Urlaubsanspruch. Grundsätzlich steht dir auch als Werkstudent bezahlter Urlaub zu. Der Umfang des Urlaubsanspruchs ergibt sich aus dem Bundesurlaubsgesetz oder dem Arbeits- und Tarifvertrag des Unternehmens und kann daher von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich ausfallen. Durchschnittlich ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Rechte als Werkstudent

Beachte: Dem Gesetz sind Stunden egal, hier zählen nur die Tage. Selbst wenn du als Werkstudent an drei Tagen der Woche jeweils nur wenige Stunden arbeitest, stehen dir 12 Urlaubstage zu. Hast du keine geregelte Stundenanzahl pro Woche, sondern arbeitest immer unterschiedlich viel, muss zunächst deine durchschnittliche Stundenanzahl berechnet werden. Nach dieser ergibt sich dann dein tatsächlicher Urlaubsanspruch. Weitere Infos zum Thema Urlaub als Werkstudent findest du hier.

Aber keine Angst, selbst wenn du schon alle Urlaubstage verbraucht hast, reagieren die meisten Arbeitgeber zu Klausurenphasen äußerst kulant und erlauben dir, weniger zu arbeiten, als normalerweise.

Kann ich noch einen Nebenjob antreten?

Du bist grundsätzlich berechtigt einen zusätzlichen Nebenjob anzutreten, solange sich dieser nicht mit deiner Werkstudententätigkeit überschneidet. Allerdings darfst du auch hier in beiden Jobs zusammengerechnet nicht mehr als 20 Stunden arbeiten.

Zudem findet sich in vielen Werkstudentenverträgen eine Klausel, die dir vorschreibt, deinen Nebenjob bei deinem Arbeitgeber zu melden.

Wie kann ich kündigen?

Dir wird das Arbeiten neben dem Studium doch zu viel oder du hast eine bessere Werkstudentenstelle gefunden und möchtest deswegen kündigen? Die Kündigungsfrist als Werkstudent beträgt nach dem Kündigungsschutzgesetz normalerweise vier Wochen. Deine Kündigung muss entweder bis zum 15. oder bis Ende des entsprechenden Monats schriftlich bei deinem Arbeitgeber vorliegen. Eine entsprechende Kündigungsvorlage, die du ausdrucken und verwenden kannst, findest du hier.

 

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Dies war der dritte Teil unserer März-Serie, die wöchentlich immer donnerstags auf unserem Blog erscheint. Diesen Monat geht es um das Thema Job.

Nächste Woche findest du einen Artikel zum Thema Selbstständigkeit anmelden.

Teil 1: Bafög und Arbeit: Wie du Nebenjob, Praktikum und Co mit der Bildungsförderung unter einen Hut bekommst

Teil 2: Nebenjob versteuern: Lieber einen Minijob oder doch den Einstieg in die Selbstständigkeit wagen

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