Selbst und ständig: In drei Schritten deine Selbstständigkeit anmelden

Du hast genug vom Angestellten-Dasein und willst dein eigener Chef sein? Du hast eine grandiose Geschäftsidee, die unsere Welt revolutionieren wird? Der Business-Plan ist bereits geschrieben und die Ressourcen gesammelt? Dann wage den Schritt in die Selbstständigkeit! Doch allem vorweg kommt der Papierkram: Du musst deine Selbstständigkeit anmelden. Wie das funktioniert, erklären wir dir im vierten Teil unserer Job-Serie.

Wenn du schon seit einer Weile mit dem Gedanken spielst dich selbstständig zu machen,  hast du bestimmt schon von Papierkram-Horror und endloser Bürokratie gelesen, die auf dich zukommen werden. Aber ganz ehrlich: Hast du dich einmal in das Thema eingefuchst, dann läuft es wie von selbst.

Bevor du aber mit dem Geld verdienen starten kannst, musst du deine Selbstständigkeit anmelden. Es braucht nur wenige Schritte – und oft musst du dafür nicht einmal das Haus verlassen! Wir zeigen dir wie’s geht: Das ist leichter als gedacht.

Freiberuflich, selbstständig oder gewerbetreibend?!

Selbstständigkeit ist nicht gleich Selbstständigkeit. Grundsätzlich musst du in Deutschland die freiberufliche Tätigkeit vom Gewerbe trennen. Aber wo genau liegt der Unterschied?

Das Einkommensteuergesetz § 18 EStG gibt uns einen ersten Anhaltspunkt: „Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.“

Manchmal ist der Unterschied zwischen einem Freiberufler und einem Gewerbetreibenden minimal. Blogger zum Beispiel, die ihr Geld als freie Texter oder Journalisten verdienen, sind zunächst freiberuflich tätig. Sollten sie aber an einem Affiliate-Programm teilnehmen, werden sie zu Gewerbetreibenden.

Affiliate-Marketing sind Produktplatzierungen auf der Homepage, die mit einem Link weiter zu Amazon und Co. führen. Der Blogger macht Werbung für das Produkt und wenn der Nutzer das Produkt am Ende kauft, bekommt der Blogger eine kleine Provision.

Wenn du dir unsicher bist, frag am besten bei deinem Finanzamt um Rat. Denn bei der Anmeldung wird nicht immer überprüft, ob du auch wirklich die richtige Kategorie Selbstständigkeit angemeldet hast. Das kann teuer werden, vor allem, wenn du dich freiberuflich meldest, aber im Sinne des Einkommensteuergesetzes ein Gewerbe hättest anmelden müssen: „Ein Gewerbe im rechtlichen Sinne ist jede erlaubte, selbstständige, nach außen erkennbare, auf Gewinn gerichtete und auf Dauer angelegte Tätigkeit mit Ausnahme der Urproduktion, der freien Berufe, der Verwaltung eigenen Vermögens und der künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten.“

Ein weiteres kritisches Beispiel ist der Verkauf von Produkten auf Dawanda, Etsy und anderen Online-Marktplätzen für handgefertigte Produkte. Zwar handelt sich bei der Anfertigung um eine künstlerische Tätigkeit, für den Verkauf an sich muss aber ein Gewerbe angemeldet werden.

In drei Schritten die freiberufliche Selbstständigkeit anmelden

Schritt 1: Entscheide, ob du freiberuflich oder gewerbetreibend tätig bist!

Mithilfe des Einkommensteuergesetzes § 18 EStG und des PartGG kannst du herausfinden, in welche Kategorie du gehörst. Auch dein Finanzamt kann dir bei Unklarheiten helfen. Die Beratung ist kostenfrei.

Grundsätzlich sparst du als Freiberufler mehr Kosten und Nerven, denn du musst kein Gewerbe anmelden, keine Gewerbesteuer zahlen, dich nicht ins Handelsregister eintragen lassen und hast Vorteile bei den Krankenversicherungen. Aber diese Entscheidung triffst nicht du, sondern das Finanzamt!

Schritt 2: Informiere das Finanzamt über deine freiberufliche Tätigkeit!

Mit einem formlosen Schreiben musst du dein Finanzamt darüber informieren, dass du eine freiberufliche Tätigkeit beginnen und hiermit deine Selbstständigkeit anmelden möchtest. Darin sollten folgende Informationen enthalten sein:

  • Name
  • Anschrift
  • Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)
  • Datum, an dem du deine Tätigkeit beginnst
  • Kurze Beschreibung der Tätigkeit, die du ausüben wirst
  • evtl. dein Steuer-Identifikationsnummer

Hast du mit deiner freiberuflichen Tätigkeit schon begonnen und eine Anmeldung verschwitzt? Kein Problem, denn du hast eine Frist von vier Wochen. Das heißt, du kannst deinen Beruf schon ausüben und hast vier Wochen Zeit, um es dem Finanzamt zu melden.

Schritt 3: Fülle den Fragebogen des Finanzamtes aus!

Nach dem Erhalt deines Schreibens wird dir das Finanzamt deine Steuernummer zusammen mit einem Fragebogen zukommen lassen. Diesen füllst du wahrheitsgemäß aus. Ab jetzt kannst du deine Abrechnungen mit deiner Steuernummer versehen und das große Geld kassieren.

Gibt es Unklarheiten zu deinem Fragebogen, dann kann es vorkommen, dass das Finanzamt einen Nachweis deiner beruflichen Tätigkeit verlangt oder deine fachliche Qualifikation überprüft. Diese Informationen solltest du dem Amt natürlich auch mitteilen.

Gewerbe anmelden: So einfach geht’s mit der Checkliste!

Ein Gewerbe anzumelden ist mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Aber auch davor brauchst du keine Angst haben, denn wir haben dir eine Checkliste erstellt. Arbeite die Punke nacheinander ab und schon hast du ein angemeldetes Gewerbe!

Schritt 1: Genehmigungen einholen!

Bevor du einen Termin beim Gewerbeamt vereinbarst, solltest du prüfen, ob du zusätzliche Genehmigungen brauchst. Diese Informationen kann dir die Industrie- und Handelskammer liefern. Über den IHK-Finder, kannst du die zuständige Zweigstelle deiner Region ermitteln.

Vorsicht bei Handwerksberufen, denn hier benötigst du zusätzlich einen Eintrag in der Handwerkskammer. Die zuständigen Sachbearbeiter für deine Region findest du hier.

Schritt 2: Bei der Gewerbekammer Selbstständigkeit anmelden!

Vereinbare einen Termin in der Gewerbekammer deiner Stadt oder Gemeinde. Neben Bargeld für die Anmeldegebühr (die je nach Stadt und Gemeine variiert), solltest du folgende Dokumente mitbringen:

  • Ausweispapiere
  • Erlaubnisse bzw. Genehmigungen
  • Handwerkskarte (falls du einen eigenen Handwerksbetrieb eröffnen willst)
  • Gewerbekarte (für handwerksähnliche Betriebe)
  • Handelsregisterauszug (falls das Gewerbe im Handelsregister eingetragen ist)
  • Führungszeugnis/Auskunft des Gewerbezentralregisters

Schritt 3: Kontakt mit dem Finanzamt

Nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast, informiert das Gewerbeamt das Finanzamt. Daraufhin erhältst du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Fülle diesen Fragebogen wahrheitsgemäß aus und sende ihn an das Finanzamt zurück.

Selbstständigkeit im Studium? Aber klar!

Vor allem während des Studiums lohnt sich eine selbstständige Tätigkeit. Sofern du nicht den Freibetrag überschreitest, musst du keine Steuern zahlen und auch keine zusätzliche Krankenversicherung abschließen und solltest du über 25 Jahre alt sein, bekommst du trotzdem noch den Studententarif.

Der Freibetrag als Freiberufler beträgt momentan 9.000 Euro im Jahr. Diese Obergrenze kann jedoch variieren, wenn du zum Beispiel BAföG beziehst, verheiratet bist, oder wenn du ein Gewerbe angemeldet hast. Im letzten Fall steigt der Freibetrag für die Gewerbesteuer sogar auf 24.500 Euro.

Beachte jedoch die Regelungen, denen du als Student trotzdem unterliegst, zum Beispiel, dass du in der Vorlesungszeit nicht über 20 Stunden die Woche arbeitest und das Studium deine Hauptbeschäftigung bleibt.

Mehr Informationen dazu findest du im aboalarm-Blog Diese Versicherungen brauchst du als Student und in dieser Job-Serie.

Keine Ahnung von Steuern und Co.? Dann hol dir Hilfe!

Auch hinsichtlich der Steuern hat die Freiberuflichkeit Vorteile. Wenn dein Jahresumsatz 17.500 Euro nicht überschreitet, fällst du laut § 19 UStG unter die sogenannte Kleinunternehmerregelung und bist von der Umsatzsteuer befreit.

Und solltest du trotzdem mal nicht weiter wissen, dann bedenke, dass du nicht die erste Person bist, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagt und es viele Beratungsstellen gibt. Du kannst zum Beispiel einen Steuerberater um Hilfe bitten, einen Beratungstermin beim Finanzamt vereinbaren oder dich bei einem Gründerzentrum erkundigen.

Mittlerweile hat jede größere Stadt mindestens ein Gründerzentrum. Tipps findest du unter folgenden Links: Gründer*innenzentrum Mannheim, Gründerzentren Berlin, Gründerland Bayern, oder du startest ganz klassisch eine Googel-Suchanfrage.

 

Selbstständigkeit anmelden - Gründerzentren
Deutschlandweite Gründerzentren mit der google-Suchanfrage finden. (c) screenshot google.de

Die brandneue aboalarm Serie!

Dies war der vierte Teil unserer März-Serie, die wöchentlich immer donnerstags auf unserem Blog erscheint. Diesen Monat geht es um das Thema Job.

Nächste Woche findest du einen Artikel zum Thema Überwachung am Arbeitsplatz.

Teil 1: Bafög und Arbeit: Wie du Nebenjob, Praktikum und Co mit der Bildungsförderung unter einen Hut bekommst

Teil 2: Nebenjob versteuern: Lieber einen Minijob oder doch den Einstieg in die Selbstständigkeit wagen

Teil 3: Deine Rechte als Werkstudent: Das gilt für Urlaub, Sozialabgaben und Co.

Selbst und ständig: In drei Schritten deine Selbstständigkeit anmelden Du hast genug vom Angestellten-Dasein und willst dein eigener Chef sein? Du hast eine grandiose Geschäftsidee, die unsere Welt revolutionieren wird? Aber allem vorweg kommt der Papierkram: Du musst deine Selbstständigkeit anmelden. Wie das funktioniert, erklären wir dir im vierten Teil unserer Job-Serie. Artikelbewertungen: 0 0 / 5 0