Überwachung am Arbeitsplatz: Was du als Arbeitnehmer hinnehmen musst – und was nicht!

Wenn der Arbeitgeber zu Überwachung am Arbeitsplatz greift, kann das das Betriebsklima deutlich drücken. Der Grat zwischen dienstlicher und privater Überwachung ist nämlich schmal und Arbeitnehmer können sich zu unrecht verdächtigt fühlen. Dem Arbeitgeber stehen dabei jedoch auch nicht alle Möglichkeiten offen – es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit bestimmte Wege der Überwachung am Arbeitsplatz zulässig sind.

Überwachung am Arbeitsplatz trifft nicht nur die Mitarbeiter bekannter Firmen, wie Lidl und der Deutschen Bahn. Auch im eigenen mittelständischen Unternehmen ist man vor Mitarbeiterüberwachung nicht unbedingt gefeit. Hier kommt es vor allem auf die Vorgehensweise des Arbeitgebers an.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass schwerwiegende Überwachung am Arbeitsplatz nicht systematisch und nur auf konkreten Verdacht hin vom Arbeitgeber eingesetzt werden darf. Überwachung muss prinzipiell ersichtlich und vom Arbeitnehmer akzeptiert, beziehungsweise vom Betriebsrat genehmigt worden sein. Die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers stehen in erster Linie über dem Wunsch nach Überwachung der Mitarbeiter.

Kameraüberwachung: Big Brother is watching your work

Kameraüberwachung bietet seit Jahren Stoff für Diskussion – Sicherheit muss gegen Datenschutz beziehungsweise den Schutz der Persönlichkeitsrechte abgewogen werden. Diese Problematik gilt auch für Kameraüberwachung am Arbeitsplatz. Versteckte Kameras sind grundsätzlich verboten.

Kameras dürfen eingesetzt werden, um die korrekte Arbeitsausführung beziehungsweise Produktionsprozesse zu überwachen. An Orten wie Umkleiden, Aufenthaltsräumen und Toiletten ist der Einsatz von Kameras untersagt, um die Intimsphäre der Arbeitnehmer zu schützen.

Verdeckte Kameraüberwachung ist nur zulässig, wenn ein konkreter Verdacht auf Diebstahl oder Betrug besteht. Das ist aber ein heikles Thema und immer wieder kommen Fälle vor Gericht, bei denen die Verhältnismäßigkeit einer Überwachungsmaßnahme beurteilt werden soll.

Überwachung des Diensttelefons: Wann das Abhören zulässig ist

Telefoniert ein Mitarbeiter exzessiv privat am Arbeitsplatz oder mit dem Geschäftshandy, besteht Verdacht auf Arbeitszeitbetrug. Möchte der Arbeitgeber das Telefonierverhalten seines Arbeitnehmers überwachen, muss er den Kontrollierten darüber informieren, da es sich um einen drastischen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte handelt. Mitschnitte sind grundsätzlich verboten.

Wird ein Telefonat abgehört, müssen beide Gesprächspartner dem zustimmen, was bei dienstlichen Telefonaten gewährleistet sein kann, bei privaten jedoch nicht. Dem Arbeitgeber bleibt dann nur die Möglichkeit, die Verbindungsdaten des dienstlichen Anschlusses auszulesen.

Natürlich wären Überwachungsmaßnahmen zur Feststellung des privaten Telefonierens über das Diensthandy nur zulässig, wenn das private Telefonieren bekanntermaßen untersagt ist, also beispielsweise eine Klausel darüber im Arbeitsvertrag besteht, oder es sich um eine allgemeine betriebliche Regelung handelt.

Beweise, wie beispielsweise Mitschnitte oder Bilder, die unrechtmäßig gesammelt wurden, können nicht gegen den Arbeitnehmer eingesetzt werden und haben vor Gericht keine Gültigkeit.

Online Überwachung am Arbeitsplatz: Rote Linie bei Spähsoftwares

Dr. Hermann Gloistein, Anwalt für Arbeitsrecht, zufolge gilt: „Privat surfen ist grundsätzlich nicht erlaubt am Arbeitsplatz und eine Pflichtverletzung„. Außerdem ist es oftmals im Arbeitsvertrag geregelt. Der Arbeitgeber darf dann geschäftliche E-Mails prinzipiell lesen, bestimmte Internetseiten wie Facebook und Co. sperren, oder den Zugang nur auf bestimmte Internetseiten freischalten.

Besteht Verdacht darauf, dass der Arbeitnehmer in der Arbeit privat surft, darf der Arbeitgeber das stichprobenartig kontrollieren. Dabei gilt wie bei telefonischer Überwachung, dass nur dienstliche Verbindungsdaten ausgelesen werden dürfen. Das Auslesen privater E-Mails und privater Zugänge ist illegal und höchstens angemessen, wenn dringender Verdacht auf Betriebsgeheimnisverrat oder eine Straftat besteht, oder immer wieder Viren durch private E-Mails oder Websites den Computer am Arbeitsplatz infiziert haben.

Ist privates Surfen ausdrücklich erlaubt, darf das Surfverhalten des Arbeitnehmers nicht überwacht werden.

Spähsoftwares wie sogenannte Keylogger, die beispielsweise die Tastaturanschläge des Arbeitnehmers nachverfolgen und Bildschirmfotos schießen, sind grundsätzlich verboten, und dürfen höchstens beim Verdacht auf eine Straftat oder eine schwerwiegende Pflichtverletzung aufgespielt werden. In einem Fall, in dem einem Arbeitnehmer aufgrund von Erkenntnissen, die durch den Einsatz eines Keyloggers ans Licht kamen, gekündigt wurde, wurde die Kündigung vom Gericht für unwirksam erklärt.

GPS: Keine Geschwindigkeitsüberwachung erlaubt

GPS-Überwachung kann vom Arbeitgeber eingesetzt werden, wenn der Arbeitnehmer einbezogen wird, jedoch dürfen keine Daten wie Pausen oder die Geschwindigkeit des Wagens gesammelt werden.

Taschenkontrollen am Arbeitsplatz: Nur freiwillig und stichprobenartig

Gerade im Einzelhandel besteht Gelegenheit zum Mitarbeiterdiebstahl, aber auch Büroutensilien können entwendet werden oder es wird unter Mitarbeitern geklaut. Verschwinden immer wieder Dinge, darf der Arbeitgeber stichprobenartige Zufallskontrollen durchführen. Kontrolliert werden dürfen Taschen, die sich nicht am Körper des Arbeitnehmers befinden; Taschen am Körper, wie Hosen- oder Jackentaschen können nur vom Arbeitnehmer ausgeleert werden.

Aber Achtung: Taschenkontrollen sind nur nach der Zustimmung des Betriebsrats beziehungsweise des Arbeitnehmers erlaubt! Nur die Polizei hat die Berechtigung, auf Verdacht selber Kontrollen durchzuführen.

Mitarbeiterbeschattung durch einen Detektiv: Unrechtmäßig gesammelte Beweise vor Gericht ungültig

Möchte ein Arbeitgeber einen Detektiv einschalten, um seinen Arbeitnehmer zu überwachen, ist das Vertrauensverhältnis wohl bereits nachhaltig geschädigt. Diese Art der Überwachung ist ein drastischer Eingriff ins Leben des Arbeitnehmers und grundsätzlich rechtswidrig, wenn nur ein vager Verdacht besteht. Gesammelte Erkenntnisse beziehungsweise Beweise aus der Beschattung sind dann ungültig.

Nur wenn bereits wirklich konkrete Beweise vorliegen und ein dringender, auf Tatsachen beruhender Verdacht besteht, könnte eine Überwachung per Detektiv gerechtfertigt sein.

Fragst du dich, ob die Überwachungsmaßnahmen an deinem Arbeitsplatz rechtens sind, solltest du dich an den Betriebsrat, den Datenschutzbeauftragten des Betriebs oder des Bundeslandes oder einen spezialisierten Rechtsanwalt wenden.

Verstößt der Arbeitgeber mit seiner Überwachung am Arbeitsplatz gegen geltendes Recht, da seine Maßnahmen beispielsweise vollkommen unverhältnismäßig sind, kann er belangt werden, und dem Arbeitnehmer kann Schmerzensgeld zugesprochen werden. Dasselbe gilt, wenn der Arbeitgeber einen krank gemeldeten Arbeitnehmer überwacht.

Überwachung am Arbeitsplatz: Das Wichtigste auf einen Blick

Überwachung am Arbeitsplatz Überblick
© aboalarm

Die brandneue aboalarm Serie!

Das war der fünfte Teil unserer März-Serie, die wöchentlich immer donnerstags auf unserem Blog erschien. Diesen Monat ging es um das das Thema Job.

Teil 1: BAföG und Arbeit: Wie du Nebenjob, Praktikum und Co mit der Bildungsförderung unter einen Hut bekommst
Teil 2: Nebenjob versteuern: Lieber einen Minijob oder doch den Einstieg in die Selbstständigkeit wagen?
Teil 3: Deine Rechte als Werkstudent: Das gilt für Urlaub, Sozialabgaben und Co.
Teil 4: Selbst und ständig: In drei Schritten deine Selbstständigkeit anmelden

Überwachung am Arbeitsplatz: Was der Arbeitgeber darf - und was nicht! Wenn der Arbeitgeber zu Überwachung am Arbeitsplatz greift, kann das das Betriebsklima deutlich drücken. Doch der Grat zwischen dienstlicher und privater Überwachung ist schmal und dem Arbeitgeber stehen nicht alle Möglichkeiten offen - es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit Überwachung zulässig ist. Artikelbewertungen: 0 0 / 5 0