Auf der Suche nach der Liebe: Das erlebten wir beim Online-Dating

Simone Groß

Fakeprofile, Locknachrichten und falsche Tatsachen – begibt man sich online auf die Suche nach der großen Liebe oder einem kurzen Abenteuer begegnet man vielen Stolperfallen.

Es ist Montag und wir wollen testen, was passiert, wenn man sich online auf Partnersuche begibt. Dafür hat sich unser Kollege Max unter dem Pseudonym Simon bei einigen Dating-Portalen angemeldet. Sowohl bei langfristigen Partnervermittlungen als auch kurzfristigen Casual Dating Plattformen hat er sich angemeldet und dabei Kurioses erlebt und gesehen. Nicht immer waren die Vorfälle positiv, oft hatte er das Gefühl getäuscht oder zumindest veräppelt worden zu sein. Wir haben die gängigen Maschen für dich durchleuchtet.

Der erste Fall: Dateone bzw. Richtigwild

Kurz nachdem Simon sein kostenloses Profil angelegt hatte, entdeckte er vier Nachrichten in seinem Postfach. Dem Anschein nach von vier interessierten Frauen – Jackpot! Jedoch konnte er die Nachrichten nicht öffnen, dazu braucht man nämlich eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Natürlich siegt hier das Interesse der Männer, denn hey – nach so kurzer Zeit und noch ohne vollständiges Profil schon vier Interessentinnen – das bekommt man im echten Leben nicht.

Dateone Posteingang

Simon schloss also eine Premium-Mitgliedschaft für 29 Euro im Monat ab. Voller Vorfreude öffnet er also die Nachrichten – und dann die Ernüchterung: Statt Liebesbekundungen von interessierten Frauen liest er sinngemäß nur: Hey, zögere nicht und schreibe Maureen an, sie wartet vielleicht schon auf deine Nachricht.

Kurzum: Gar nicht Maureen hatte ihm geschrieben sondern offenbar das System von Dateone, allerdings vom Profil von Maureen aus. Simon fühlt sich veräppelt. Noch stärker wird dieses Gefühl, als er Maureen anschreibt und eine Antwort ausbleibt.

Dateone Nachricht

 

Bei einem genauen Blick in die AGB entdeckt man auch, dass Dateone ganz öffentlich zugibt, so vorzugehen. Dort steht: „Der Nutzer erkennt an und stimmt dem ausdrücklich zu, dass DATEYARD zur Erleichterung des Einstiegs für neue Nutzer in die Plattform und zur Unterstützung der Kommunikation zwischen den Nutzern, Nachrichten im Namen des Nutzers verschicken kann. Diese Nachrichten sind im Posteingang gesondert gekennzeichnet.“

Wie diese Kennzeichnung aussehen soll haben leider weder Max noch ich herausgefunden.

Bei Richtigwild war das Vorgehen exakt das selbe.

Der Zweite Fall: Seitensprungarea (Cyberservices aus den Niederlanden)

Auch hier meldete sich Simon in Erwartung netter Kontakte an. Einge der Bilder dort sahen wirklich zu schön aus, um wahr zu sein. Grund genug für uns, diese über die Google Rückwärts-Bildersuche mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und da passierte es: Zwei der gesuchten Bilder von besonders attraktiven Damen tauchten auf vielen weiteren Dating-Seiten im Internet auf. Und zwar immer wieder mit einem anderen Namen, anderem Wohnort und anderem Alter. Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein Fakeprofil handelt.

Seitensprungarea Profil 1

Seitensprungarea Profil1 Suchergebnisse

Seitensprungarea Profil 2

Seitensprungarea Profil2 Suchergebnisse

 

Wie du Fakeprofile erkennst, kannst du übrigens hier nachlesen: So erkennst du Fakeprofile – 5 Tipps

Der dritte Fall: Treffpunkt 18 und XPartner (HQ Entertainment)

Simon ging hier genauso vor, wie auf Seitensprungarea und nutzte die Rückwärts-Bildersuche für einen kurzen Realitäts-Check. Doch statt eines Fotos, dass für die verschiedensten Profile genutzt wird, stieß er hier auf eine andere Masche.

Offensichtlich haben sich die Anleger des Profils bei mehr oder wenigen bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bedient. Das eine Foto gehört zu einem Model, das andere zu einem C-Promi. Ob die beiden Damen von der Verwendung wissen, bliebt leider unklar.

Hier ist also Carolyn aus München, die eigentlich Nikki Leigh heißt.

Treffpunkt 18 Screenshot Profil1 Treffpunkt 18 Profil 1 Suchergebnisse

Das Foto taucht auf unterschiedlichen Plattformen im Internet auf, zum Beispiel auf Streetchypants.

Hier findet man übrigens das Instagram-Profil dieser Dame: Instagramprofil Nikki Leigh. Auch dort findet man Bilder, die offenbar vom selben Fotoshooting stammen. Zum Beispiel hier: Nikki Leigh Bikinifoto

Oder wie wäre es mit Jana Wall, sie hat 2003 in der Scripted Reality Show „Abschlussklasse“ und 2010 bei „Unser Star für Oslo“ teilgenommen. Natürlich können wir nicht sicher sagen, ob Jana sich nicht wirklich bei XPartner angemeldet hat – allerdings halten wir es nicht für besonders wahrscheinlich. XPartner Screenshot Profil 1 XPartner Bildschirmfoto Google Suche

Fazit: Es ist nicht alles echt, was glänzt

Wie überall im Internet ist auch beim Online-Dating Vorsicht gefragt. Lass dich nicht von der Aussicht auf die große Liebe oder ein schnelles Abenteuer blenden, sonder behalte immer deinen gesunden Menschenverstand. Vor allem solltest du immer – ich betone: IMMER die AGB lesen. Denn in diesen steht bei vielen Portalen ganz deutlich, dass du hier gar nicht mit echten Frauen sondern mit bezahlten Moderatoren (ja, diese können auch männlich sein) kommunizierst. So gesehen haben wir das etwa bei Love-Passions. Dort steht sehr deutlich:

„Bei love-passions.net handelt es sich um einen moderierten Dienst. Die Moderation dient dazu, die Aktivitäten über das Portal und damit die Umsätze des Betreibers zu erhöhen. Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus. Daher verbergen sich nicht hinter allen Profilen reale Personen. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei sämtlichen weiblichen Profilen um fiktive Profile handelt, die von Moderatoren betrieben werden.

Zu den fiktiven Profilen gehören persönliche Daten, die sich die Moderatoren ausdenken, und Kontaktdaten, die passend zu dem jeweiligen Profil angelegt werden. Alle Äußerungen sowie alle von den fiktiven Profilen angegebenen persönlichen Daten sind Erfindungen der Moderatoren. Aus dem Umstand, dass zu einem Profil Kontaktdaten angegeben werden, kann nicht gefolgert werden, dass sich hinter dem Profil eine wirklich existierende Person verbirgt.

Ein männliches Profil kann von einer weiblichen Moderatorin, ein weibliches Profil von einem männlichen Moderator betrieben werden.“

Auf der Suche nach der Liebe: Das erlebten wir beim Online-Dating Fakeprofile, Locknachrichten und falsche Tatsachen – begibt man sich online auf die Suche nach Liebe oder einem Abenteuer begegnet man vielen Stolperfallen. Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1