Die illegalen Tricks der Online-Datingagenturen zur Kundengewinnung

Manchmal kommt es vor, dass Personen bei einer Online-Datingagentur angemeldet werden, obwohl sie noch nicht einmal den Anmeldevorgang gestartet haben. Wie du dich gegen ein solches Vorgehen wehren kannst, erfährst du hier. 

Einen solchen besonders kuriosen Fall erlebte einer meiner Mandanten, als er eines Abends auf seinem Smartphone surfte. Von der Werbung einer Vermittlungsagentur angesprochen, klickte er interessiert auf deren Werbebanner. Zunächst funktionierte alles wie gewohnt, und er kam über das Banner auf die Homepage des Online-Vermittlungsportals.

Plötzlich wurde sein Bildschirm komplett schwarz, in der Mitte des Displays war nur noch ein einziges rotes „x“ zu sehen. Mein Mandant ging davon aus, dass er über dieses x die Seite schließen könne, wie von anderen Seiten her gewohnt. Er blieb jedoch erfolglos, selbst mehrmaliges klicken auf das x oder auf die nähere Umgebung um das x herum brachte keinen Erfolg, die schwarze Seite blieb geöffnet. Schließlich gab er auf und schloss über den Taskmanager seines Handys das gesamte Browserprogramm.

Mein Mandant ging davon aus, dass der Vorgang erledigt war, und kümmerte sich um andere Dinge. Doch dem war leider nicht so. Nach einer Weile erhielt er noch am selben Abend gleich mehrere E-Mails der Datingagentur, auf deren Homepage er sich vor kurzem noch befunden hatte. Das löste allergrößte Verwunderung aus, denn er hatte keinerlei Daten auf dem Portal eingegeben. In diesen E-Mails wurde er freundlich begrüßt und erhielt sogleich ein paar Partnervorschläge von Frauen, die angeblich gut zu ihm passen würden.

Nutzerprofil erstellt – ohne Wissen des Nutzers

Der vermeintliche Kunde war ratlos, wie die Datingagentur an seine Daten gekommen sein konnte. Seine einzige Erklärung war die, dass sich hinter dem schwarzen Bildschirm mit dem x ein Anmeldeformular auf der Homepage befand, welches für ihn aber nicht sichtbar war. Durch das erfolglose Klicken auf das x könnte er die Eingabezeilen des Onlineformulars berührt haben, so dass die Autofill-Funktion seines Browsers aktiviert wurde. Dadurch haben sich möglicherweise seine Daten in das Formular übertragen, und anhand dieser geht die Vermittlungsagentur nun davon aus, dass sie ihrem neuen Kunden Partnervorschläge zusenden könne.

Zunächst ignorierte mein Mandant die zahlreichen E-Mails, doch es wurden immer mehr. Schließlich nahm er sich der Sache ein wenig näher an. Unter anderem klickte er auf einen der Links, die in den E-Mails angegeben waren, und landete direkt in seinem angeblichen Mitgliedschaftsaccount. Und das, ohne jemals einen Benutzernamen oder ein Passwort eingegeben zu haben. Sein Account lag einfach offen für ihn da, irgendeine Form von Anmeldung musste nicht getätigt werden.

In diesem Account las er seine E-Mail-Adresse, ein angebliches Passwort, einen Benutzernamen aus Zahlen und Buchstaben, und weitere allgemein gehaltene Daten die ihm nicht zuordenbar und anscheinend per Zufallsgenerator erzeugt waren. Die Felder „Name und Adresse“ waren leer. Als Mitgliedsstatus wurde „Basis“ angegeben, weitere Informationen waren dort nicht ersichtlich.

Schließlich wurde meinem Mandanten auf dieser Seite ein Angebot für eine Schnuppermitgliedschaft gemacht. Für zwei Euro sollte er die Möglichkeit haben, die Leistungen der Vermittlungsagentur für vier Wochen testen zu können. Dieses Angebot nahm er natürlich nicht an.

Ist ein Vertrag zustande gekommen?

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In rechtlicher Hinsicht kommt in einem solchen Fall natürlich kein Vertrag zustande, da der Kunde keinen Willen zum Abschluss eines Vertrages geäußert hat. Er hat nicht einmal bemerkt, dass überhaupt einer abgeschlossen wurde. Würde die Agentur das nun behaupten, und meinem Mandanten Rechnungen stellen, so müssten diese ohne vertragliche Grundlage nicht bezahlt werden.

Wäre es so weit gekommen, so müsste die Internet-Partnervermittlung dazu aufgefordert werden, den angeblichen Vertrag nachzuweisen. Das klappt nicht, denn es gibt keinen Vertrag. Alleine durch das betätigen eines „x“ bzw. das Herumklicken auf einem schwarzen Handybildschirm kann kein Vertrag abgeschlossen werden. Das wäre rechtlich auch vollkommen abwegig.

Stell dir vor, du möchtest dich für einen neuen Job bewerben. Auf der Homepage des Unternehmens gehst du auf die Karriereseite und überlegst, dort deine Kontaktdaten zu hinterlassen. Plötzlich kommt es zu einem Absturz, das Browserfenster bleibt schwarz. Du versuchst noch irgend ein Element zu bewegen, doch nichts tut sich mehr. Frustriert gibst du auf und schließt den gesamten Browser, um es erneut zu versuchen. Währenddessen hörst du den Signalton deines E-Mail-Postfaches, eine neue Nachricht ist eingetroffen. Das Unternehmen, dessen Homepage soeben noch auf deinem PC abgestürzt ist, gratuliert dir zum neuen Job und schickt den Arbeitsvertrag als PDF mit. In der E-Mail wird dir das Datum und die Uhrzeit des Arbeitsbeginns benannt, und ebenso das Gehalt, das du ab sofort verdienen wirst.

Selbstverständlich kann so kein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Noch immer ist die Einigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer notwendig. Genauso wenig wie ein neuer Job auf diese Weise angetreten werden muss, sind anderweitige Vertragsabschlüsse möglich, auch keine Partnervermittlung im Internet.

So gehst du bei einem angeblich geschlossenen Vertrag vor

Behauptet ein Unternehmen, es läge ein Vertragsschluss mit dir vor, obwohl es nie einen gab, so widerspreche dem. Fordere die Firma dazu auf, den angeblichen Vertrag vorzulegen. Immer die Seite, die einen Vertrag behauptet, ist dazu verpflichtet, ihn nachzuweisen. Du selbst bist zu keinem Nachweis verpflichtet. Ohne Vertragsabschluss kann das Unternehmen natürlich keinen Vertrag vorlegen, und die Angelegenheit ist für dich beendet. Ohne vertragliche Grundlage darf dir selbstverständlich auch keine Rechnungen zugehen.

 

Solltest du noch mehr Fragen zum Vorgehen gegen unberechtigte Forderungen einer Datingagentur im Internet haben, so kannst du gerne auch den ausführlichen Ratgeber zu Online-Datingagenturen auf den Internetseiten der Kanzlei Hollweck lesen: Ratgeber Online-Datingagenturen

Die illegalen Tricks der Online-Datingagenturen zur Kundengewinnung Manchmal kommt es vor, dass Personen bei einer Online-Datingagentur angemeldet werden, obwohl sie noch nicht einmal den Anmeldevorgang gestartet haben. Wie du dich gegen ein solches Vorgehen wehren kannst, erfährst du hier.  Artikelbewertungen: 3 4.7 / 5 3
Über den Autor
Rechtsanwalt Thomas Hollweck

Rechtsanwalt Thomas Hollweck lebt und arbeitet in Berlin. Seine Kanzlei hat den Schwerpunkt auf das Verbraucherrecht gelegt. Das Ziel der Kanzlei Hollweck liegt darin, eine Schnittstelle zwischen Verbraucher und Unternehmen zu bilden, so dass ein Rechtsstreit schnell und gütlich zum Vorteil des Kunden gelöst werden kann.

Website: http://www.kanzlei-hollweck.de