Ticketbetrug im Internet: Wenn der Ticketkauf zum Albtraum wird!

Elena Petznik

Der Online-Ticketmarkt boomt. Davon profitieren auch sogenannte Ticketbörsen, die Tickets an Fans auf dem Zweitmarkt verkaufen. Wer da nicht aufpasst, wird schnell Opfer von Ticketbetrug. Wir haben nachgeforscht.

Nicht oder nicht rechtzeitig erhaltene Tickets, überhöhte Preise, fehlende Rückerstattungen: Für viele Verbraucher ist der Kauf eines Tickets auf Zweitmarkt-Plattformen, wie Viagogo, Tixwaves, Stubhub und Co., die Eintrittskarte ins Ärgernis. Wir haben unsere Nutzer nach ihren Erfahrungen mit Ticketbetrug im Internet gefragt und ein Statement des Zweitmarkt-Anbieters Viagogo, sowie der größten Erstmarkt-Plattform Eventim angefordert. Die erstaunlichen Antworten liest du hier.

Ungefilterte Nutzerstimmen: Eure Erfahrungen mit Viagogo, Tixwaves und Co.

Kürzlich erzählte uns ein Kollege, er habe Tickets für ein Konzert in München im Internet gekauft. Das Konzert war bereits ausverkauft, doch er stieß auf eine Seite, die zu seiner Erleichterung noch wenige Tickets anbot. Von einem Countdown gedrängt, ergatterte er eines der angeblich hochbegehrten Tickets zu einem, wie er zugeben musste, deutlich überhöhten Preis.

Einige Tage nachdem das Ticket erfolgreich zugestellt wurde, sagte der Künstler das Konzert in München ab. Unser Kollege war enttäuscht, wandte sich an den Support der Website, über die er das Ticket bestellt hatte und verlangte eine Rückerstattung des Kaufpreises. Schließlich hatte er für eine Veranstaltung bezahlt, die nie stattfinden würde. Wenig später bekam er zwar den Originalpreis des Tickets erstattet, aufgeschlagene Gebühren, die den hohen Preis erst ausgemacht hatten, blieb ihm das Unternehmen aber bis heute schuldig.

Ein Einzelfall? Wir haben dies zum Anlass genommen und einen Aufruf auf Facebook gestartet. Eure Erfahrungen zeigen die erschreckende Realität des Online-Tickethandels.

Facebook Aufruf Tickets

 

 

Die Erfahrung unseres Kollegen scheint demnach kein Einzelfall zu sein. Eure Berichte zeigen, dass Ticketbetrug im Internet auf Ticketbörsen keine Seltenheit zu sein scheint. Doch wie kann das sein?

Das Konzept der Zweitmarkt-Plattformen: Ist beim Kauf Ticketbetrug vorprogrammiert?

Im Gegensatz zu Erstmarkt-Plattformen, auf denen Eintrittskarten direkt vom Veranstalter oder autorisierten Vermittlern zum Originalpreis verkauft werden, zeichnen sich Zweitmarkt-Plattformen, sogenannte Ticketbörsen, dadurch aus, dass dort bereits gekaufte Tickets weiterverkauft werden, erklären die Marktforscher Digitale Welt. Im Unterschied zum Erstmarkt können die Preise der Tickets stark vom Originalpreis abweichen, da diese häufig von privaten Verkäufern selbst festgelegt werden können und die Plattformen obendrein Bearbeitungsgebühren verlangen, so das bayrische Staatsministerium für Verbraucherschutz.

Erstmarkt-PlattformenZweitmarkt-Plattform
Eventim.deViagogo.de
Ticketmaster.deStubhub.de
koelnticket.de
Fansale.de
muenchenticket.de
etc.
tixwaves.de

Das Prinzip von Zweitmarkt-Plattformen gleicht also dem der bekannten Verkaufsplattform Ebay – nur eben für Tickets jeglicher Art. Bereits gekaufte Karten können so problemlos an Dritte weiterverkauft werden, falls der eigentliche Erwerber diese doch nicht benötigt. Auf den ersten Blick eine gute Sache – zumindest in der Theorie.

Denn eine solche Plattform schafft auch Raum für betrügerische Aktivitäten. Sogenannte Ticketbroker kaufen mit Hilfe von Computerprogrammen eine Vielzahl von Tickets auf dem Erstmarkt und verkaufen diese teurer weiter. Dabei werden ahnungslose Ticketkäufer durch gute Google-Rankings der Seiten angelockt. Teilweise finden sich dort Ticketangebote für Veranstaltungen, die angeblich bereits ausverkauft sind. Das erscheint zunächst verlockend. In Wahrheit finden Veranstaltungen aber gar nicht statt oder der Kartenvorverkauf hat noch gar nicht begonnen. Solche Tickets werden also niemals Gültigkeit erlangen, Erwerber zahlen aber horrende Preise dafür. All das berichtet das Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen.

Viele Käufer lassen sich durch künstlich erzeugten Druck zu unüberlegten Käufen verleiten, haben die Marktwächter Digitale Welt zusammengefasst. Wie unserem Kollegen ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie ihr Ticket gerade über eine Zweitmarkt-Plattform kaufen. Dabei setzen die Webseitenbetreiber überwiegend auf Popups, Einblendungen und farbige Hervorhebungen, auf denen zeitliche Limits, eine geringe Anzahl verbleibender Tickets oder die angebliche Vielzahl anderer interessierter Ticketkäufer angezeigt werden. Ziel ist es, den Besteller derart unter Druck zu setzen, dass er sich nicht mit dem Kleingedruckten auseinandersetzt.

Screenshot der Viagogo-Seite für Rammstein mit zahlreichen Einblendungen!

Infos, dass es sich bei der Ticketplattform um eine Zweitmarkt-Plattform handelt, werden so oftmals überlesen und die häufig erst nachträglich angezeigten Service- und Bearbeitungsgebühren viel zu spät bemerkt.

Zwar kommen Tickets in den meisten Fällen an, sind jedoch häufig vom Veranstalter personalisiert und somit für Dritte wertlos, da kein Einlass gewährt wird, erklärt die Verbraucherzentrale. Verbraucher bleiben zumeist hilflos und verärgert zurück.

Bist auch du Opfer von Ticketbetrug durch Zweitmarkt-Anbieter geworden? Dann wende dich umgehend an deine örtliche Verbraucherzentrale und berichte von deinem Problem. Die Verbraucherzentralen geben den Kampf gegen Ticketbetrug nicht auf! Ein entsprechende Beschwerdeformular findest du hier.

Eventim und Viagogo: Was sagen die größten Ticketplattformen zu den Vorwürfen?

Wir haben den bekanntesten Zweimarkt-Anbieter Viagogo mit den Vorwürfen rund um Ticketbetrug im Internet konfrontiert und auch die Gegenseite, in diesem Fall die größte Erstmakt-Ticketplattform Eventim, um eine Stellungnahme gebeten.

Unterschiede Eventim - Viagogo

Gefälschte Tickets

Zuerst wollten wir wissen, wie die beiden Unternehmen zu auf Zweitmarkt-Plattformen angebotenen gefälschten Tickets stehen.

Viagogo: Man habe die Fälle von Ticketbetrug durch das Angebot einer Viagogo Garantie erheblich reduzieren können. Diese garantiere, alle auf Viagogo erhältlichen Tickets seien gültig. Zudem bekämen Verkäufer kein Geld, bis der Käufer tatsächlich auf dem Event gewesen ist. Deswegen gäbe es auch gar keinen Anlass Fake-Tickets zu verkaufen – der Verkäufer werde hierfür einfach nicht bezahlt.

Viagogo-Garantie

Eventim: Wenn Tickets den Zweitmarkt erreichten, bevor Verbraucher diese auf dem Erstmarkt erwerben könnten, sei dies weder im Interesse von den betroffenen Künstlern und Veranstaltern, noch im Interesse von Eventim, wodurch sich das Unternehmen klar gegen gefälschte Tickets im Netz ausspricht.

Personalisierte Tickets

Auch die Tatsache, dass offensichtlich sehr viele der auf Zweitmarkt-Plattformen verkauften Tickets personalisiert sind und Käufern hierdurch der Einlass zu Events verwehrt wird, haben wir angesprochen.

Viagogo: Veranstalter müssten den Namen des Erstkäufers nicht auf die Tickets schreiben. Alle verkauften Tickets seien gültig. Werde Käufern von Tickets auf Viagogo der Zutritt zu den Events verwehrt, weil das Ticket personalisiert ist, sei das unfair und illegal.

Eventim: Veranstalter und Künstler setzten vermehrt auf personalisierte Tickets, um den nicht-autorisierten Zweitmarkt gezielt einzudämmen. Mit der eigenen Zweitmarkt-Plattform fanSALE biete man eine faire, sichere und transparente Plattform an, die laut eigener Aussage im Wiederverkauf von personalisierten Tickets mittlerweile eine zentrale Rolle spiele. So könnten Veranstalter auf Wunsch eine Vereinbarung mit fanSALE treffen und Käufern, die ein personalisiertes Ticket über fanSALE erworben haben, den Einlass zum Event gewähren – auch, wenn der Name auf dem Ticket nicht mit dem des Besuchers übereinstimmt. Gemeinsam mit den Veranstaltern arbeite man an einer Lösung, illegitim erworbene Tickets zu identifizieren und juristisch zu unterbinden.

Screenshot der Plattform fanSALE.de

Professionelle Ticketverkäufer

Oftmals taucht der Vorwurf auf, professionelle Ticketverkäufer würden eine Vielzahl von Tickets auf dem Erstmarkt erwerben, um sie dann teuer auf Zweitmarkt-Plattformen weiterzuverkaufen. Hier wollten wir wissen, was Tickethändler gegen jene sogenannten Ticketbroker unternehmen.

Viagogo: Im Normalfall handle es sich bei Verkäufern auf Viagogo um normale Personen, die ihre Tickets nicht länger nutzen können und diese somit verkaufen möchten, um den Ticketpreis erstattet zu bekommen, da es sehr schwer sei, in einem solchen Fall eine Kaufpreiserstattung durch den Veranstalter selbst zu erhalten.

Eventim: Man treffe eine Fülle von Vorkehrungen, um es kommerziellen Resellern so schwer wie möglich zu machen, Eintrittskarten zu erwerben. Um beispielsweise automatisch generierte Bestellungen durch Bots zu verhindern, nutze man unterschiedliche technische Sicherheitsmaßnahmen wie z. B. Captcha Protection. Zudem analysiere das Unternehmen Transaktionen fortlaufend im Hinblick auf potenziellen Missbrauch. Darüber hinaus setze man regelmäßig auch Vorgaben hinsichtlich Mengenlimitierungen um. Auf diese Weise könne man ausschließen, dass ein und derselbe Kunde mehr Tickets bestellt als vorgesehen.

Hohe Preise

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Eine Vielzahl aller Beschwerden dreht sich zudem um den Preis, den man für ein Ticket auf dem Zweitmarkt bezahlen muss, sowie die Tatsache, dass der Preis erst kurz vor dem Kauf angezeigt wird. Auch damit haben wir die Ticketplattformen konfrontiert.

Viagogo: Man erhebe Steuern, Versand- und Bearbeitungsgebühren erst, wenn der Käufer sein Einverständnis zum Versand erteilt. Dies sei der Grund, warum das Portal erhobene Gebühren erst kurz vor Ende des Bestellvorgangs anzeige. Dabei setze man auf eine transparente Preiskommunikation und stelle sicher, dass der finale Kaufpreis vor Ende des Bestellvorgangs angezeigt werde.

Eventim: Das Unternehmen garantiere, dass alle auf der hauseigenen Zweitmarkt-Plattform gekauften Tickets zum Originalpreis oder einem günstigen Preis verkauft würden. Zudem würden die auf fanSALE gekauften Tickets schnell und sicher versandt und erst bezahlt werden, sobald der Käufer die Tickets erhalten habe. Obendrein setze sich CTS Eventim bereits seit Jahren dafür ein, dass der Gesetzgeber gegen überzogene Preise auf dem Zweitmarkt vorgeht und alle Marktteilnehmer möglichst transparent gegenüber ihren Kunden auftreten.

Ticketrückgabe/Ersatztickets/Finanzielle Rückerstattung

Fehlende Rückerstattung, mangelnder Kundensupport – auch das war Inhalt eurer Beschwerden über den Zweitmarkt und somit unserer Fragen.

Viagogo: Im Gegensatz zu zahlreichen Berichten sei die Anzahl an Beschwerden in Wirklichkeit deutlich geringer. Sollte ein Kunde ein Problem mit einem gekauften Ticket haben, werde man als Teil des Garantieversprechens, entweder ein Ersatzticket zur Verfügung stellen oder den vollen Kaufpreis inklusive Bearbeitungsgebühren, Steuern und Versandkosten erstatten – diese Garantie gäbe es auf keiner anderen Plattform.

Gibt es Unternehmungen gegen Ticketbetrug auf Zweitmarkt-Plattformen?

Ja, die gibt es! Seit Juli diesen Jahres sperrt Google beispielsweise die Anzeigen des Betreibers Viagogo, sodass die Website nicht mehr unter den ersten Suchtreffern landen kann. In unserem Versuch mussten wir dennoch feststellen, dass Viagogo auf Anfrage nach „Konzerttickets in München“ höher rankte, als der seriöse Erstmarkt-Anbieter Eventim und auch als dessen Zweitmarkt-Plattform fanSALE. Hier sollten seriöse Anbieter nachbessern.  Dennoch ist die Sperrung der Anzeigen ein Schritt in die richtige Richtung.

Viagogo mit besserer Google-Platzierung als Eventim

Zudem konnte ein Urteil des Landgerichts Hannover kürzlich erwirken, dass ein Weiterverkaufspreis von mehr als 25 Prozent über dem Normalpreis wettbewerbswidrig ist. Demnach ist es Verkäufern verboten, Ihre erworbenen Tickets zu einem stark erhöhten Preis weiterzuverkaufen. Allerdings gilt diese Regel nur, wenn der Veranstalter den Weiterverkauf von Tickets ausdrücklich verbietet.

Aufgrund der schwierigen Lage setzen sich einzelne Künstler, wie Ed Sheeran oder Rammstein dafür ein, dass entsprechende Konzerttickets mit dem Namen des Erstkäufers personalisiert werden. Dies soll eine Übertragung unmöglich machen, außer es werden spezielle Absprachen mit der Zweitmarkt-Plattform fanSALE getroffen. Laut eigener Aussage sorgt Viagogo selbst zudem dafür, dass Fake-Tickets künftig nicht mehr über die Plattform erkauft werden, da Verkäufer ihr Geld erst bekommen sollen, wenn das Ticket dem Erwerber einen erfolgreichen Zutritt zur Veranstaltung verschafft hat.

Die SPD hat eine weitere Idee. Sie möchte dafür sorgen, dass eine vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie schnell ins deutsche Recht übernommen wird. Demnach dürften Ticketbroker dann nicht mehr mit Hilfe von Computerprogrammen massenhaft Tickets bestellen, um diese auf Online-Börsen weiterzuverkaufen, erklärt der Tagesspiegel.

Ob diese Option Erfolg hat, wird sich zeigen. Sollten sich Neuigkeiten ergeben, berichten wir selbstverständlich an dieser Stelle. Bis dahin solltest du jedenfalls vorsichtig sein, wenn du ein Ticket auf einer Zweitmarkt-Plattform erwerben möchtest. Hier kann zwar auch das ein oder andere Schnäppchen lauern, doch treiben auch Betrüger ihr Unwesen. Auf was du achten solltest, wenn du Tickets im Internet bestellst, kannst du in unserem Artikel Worauf du beim Ticketkauf achten solltest nachlesen.

Ticketbetrug im Internet: Wenn der Ticketkauf zum Albtraum wird! Der Online-Ticketmarkt boomt. Davon profitieren auch Zweitmarkt-Ticketbörsen. Wer da nicht aufpasst, wird schnell Opfer von Ticketbetrug. Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1