Release: Wie die Vivy App die Gesundheitsbranche revolutionieren soll

Anfang letzter Woche ging die Vivy App an den Start. Diese soll nun über 13 Millionen Versicherten den Umgang mit deinen Gesundheitsdaten erleichtern. Wir geben dir einen ersten Überblick darüber, was die App bietet, wozu sie da ist und wie es um deine Daten steht.

Teilnehmende Krankenkassen bewerben die neue Gesundheitsapp Vivy optimistisch. Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen.

Was macht die Vivy App?

Die Entwickler der Vivy App stellen sie als eine Art Assistentin für iOS- und Android-Nutzer dar. Abgeleitet ist ihr Namen vom lateinischen Wort ‚vivere‘, zu deutsch ‚leben‘. In der Anwendung soll der Verwender verschiedenste Gesundheitsdaten einpflegen, bündeln und kommunizieren können.

So können unter anderem bei Arztwechsel, Umzug oder nach einer Überweisung Blut- oder Röntgenbilder, Impfstand und ähnliche Daten einfach mitgenommen und vom neuen Arzt eingesehen werden. Die Vivy App arbeitet auch mit deinem Medikationsplan und soll dich vor Wechselwirkungen warnen. Außerdem kann sie dich die Medikamenteneinnahme und an Arzt- und Impftermine erinnern, dir allgemein einen Überblick über deinen Lebenswandel geben und mit gängigen Fitnesstrackern gekoppelt werden.

Wozu gibt es Vivy?

16 Krankenkassen, davon zwei private, bieten ihren Mitgliedern bisher den Dienst von Vivy. In erster Linie sollen so durch die übersichtliche Zusammenfassung der gesamten Gesundheitsinformationen einer Person zum Beispiel doppelte Behandlungen vermieden, Diagnose- und Behandlungsverfahren beschleunigt, empfehlenswerte Vorsorgeuntersuchungen durchgesetzt, aber auch allgemein das Bewusstsein für die Gesundheit gehoben werden. Die Krankenkassen profitieren so von der Nutzung der Vivy App durch ihre Mitglieder.

Die einzelnen Krankenkassen weisen darauf hin, dass die Kosten für Vivy von ihnen übernommen werden. Anders als bei sozialen Netzwerken und anderen kostenlosen Anwendungen im Netz finanziert sich die Vivy App also nicht über das Sammeln und den Handel mit deinen Daten.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Sowohl Vivy, als auch die Krankenkassen betonen, dass die Datenhoheit bei dir als Nutzer liegt. Das soll heißen, dass niemand deine Gesundheitsdaten verwalten oder auf sie zugreifen kann, außer dir – auch nicht die subventionierende Krankenkasse. Du kannst deine Daten also selbst beispielsweise für Ärzte freigeben, wenn du es für sinnvoll erachtest.

Deine Daten sollen verschlüsselt und vor Missbrauch geschützt auf Servern liegen. Vivy ist ein Medizinprodukt der Klasse 1 und in der öffentlichen Datenbank des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) aufgeführt.

Gibt es auch kritische Stimmen?

Bei gesundheitlichen Daten handelt es sich um äußerst sensible und kriminell gesehen lukrative Informationen.

Abgesehen also von dem Risiko, dem man sich prinzipiell aussetzt, wenn man digital viele sensible Daten auf einem Haufen sammelt, warnt Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, dass „Gesundheits-Apps […] eine gesunde Lebensführung unterstützen, aber auch großen Schaden anrichten [können]“. Er fordert ein bundesweites Gütesiegel für digitale Gesundheitsanwendungen, sowie mehr Transparenz über die Grundlage, auf der in solchen Apps Empfehlungen ausgesprochen werden.

Inwieweit sich Vivy als neue alltägliche Assistentin unserer Gesundheit tatsächlich weitflächig etablieren wird, und wie sicher die Daten in der Anwendung wirklich sind, wird die Zeit zeigen müssen. Allgemein ist die Resonanz jedoch positiv und optimistisch.

(Update vom 31.10.2018) IT-Unternehmen enthüllt Sicherheitslücken

Nachdem ein Sicherheitsexperte Vivy unter anderem aufgrund der Zusammenarbeit mit bestimmten Analysediensten bereits kurz nach Release als „Datenschutz-Bruchlandung“ bezeichnete, sind nun beim Test eines IT-Sicherheitsunternehmens Schwachstellen sowohl in der App als auch in der Server-Einrichtung entdeckt worden.

So sei es möglich gewesen, allgemeine Daten und gegebenenfalls auch Gesundheitsdaten einzelner Nutzern abzugreifen, sowie die veraltete Verschlüsselungstechnik in der Ärzte-Anwendung anzugreifen. Mit diesen eigentlich geheimen Ärzteschlüsseln hätten dann die Patientendaten ausgelesen werden können.

Thorsten Schröder, Chef des Unternehmens Modzero, erklärt jedoch: „Wir haben nicht auf die Daten echter Patienten zugegriffen, sondern eigene Accounts registriert und eigene Dokumente eingestellt. Dann sind wir in die Rolle des Angreifers geschlüpft, um diese Daten wieder abzugreifen“. Man hätte jedoch auch ohne Probleme die Dokumente echter Patienten abgreifen können.

Laut Vivy sei niemals ein Zugriff auf die elektronische Gesundheitsakte möglich gewesen. Es habe sich um „hypothetische“ Angriffsszenarien gehandelt, die „nur unter sehr speziellen Voraussetzungen“ möglich gewesen seien.

Die entdeckten Sicherheitslücken seien nun innerhalb von 24 Stunden geschlossen worden.

Du solltest Vivy also so schnell wie möglich updaten, um von der Schließung der Sicherheitslücken zu profitieren.

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