Keine Tore, keine Abos? Steht Sky vor dem Abstieg?

Bernd Storm

Eine Umfrage unter 3.000 aboalarm-Nutzer zeigt: Der Verlust der Monopolstellung bei den Bundesligaübertragungen könnte für Sky zum großen Problem werden.

Sky ist ein Sportsender mit etwas Rahmenprogramm

Warum hast du ein Sky-Abo? Darauf antwortet mehr als die Hälfte der befragten Nutzer (62%), die ihr Sky-Abo bei aboalarm verwalten: „Wegen der Fußball-Übertragungen“. Auch wenn Sky versucht, mit eigenen Filmen und Serien eine zweite Hauptsäule neben Fußball aufzubauen, ist die Abhängigkeit von der Bundesliga eindeutig.

Hauptgrund für Sky-Abo
Welches Programm-Paket war am ehesten ausschlaggebend für den Abschluss deines Sky-Abos?
Meist-genutzte Pakete
Welches Programm-Paket von Sky nutzt du bzw. hast du am meisten genutzt?

Doch was, wenn Sky bald seine Monopolstellung verliert und auch andere Anbieter in Zukunft Fußballspiele übertragen dürfen?

44% der befragten Sky-Kunden stark wechselwillig

In diesem Fall würden laut Umfrage 44% der befragten Sky-Bestandskunden kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln, der Bundesliga und Champions League zeigt.

Doch damit nicht genug! Neben den Befragten, die wegen der Fußballübertragungen auch einen anderen Anbieter in Betracht ziehen würden, gaben 10% der Bestandskunden an, zum nächstmöglichen Zeitpunkt ohnehin zu Netflix oder Amazon Prime wechseln zu wollen (Unter denjenigen, die Sky 2015 kündigten waren es nur 5%).

Gründe für einen Wechsel zu Amazon Video oder Netflix könnten dabei der meist niedrigere Preis, die verbraucherfreundlichen Kündigungsfristen, die übersichtlicheren Pakete sowie die exklusiv produzierten Serien sein.

Bereits jetzt haben die befragten Sky-Abonnenten im Schnitt 1,5 Streaming-Abos. 33% der Befragten gaben an, ihnen sei die Möglichkeit zur monatlichen Kündigung sehr wichtig.

Flexibilität ist wichtig
Wie wichtig ist es dir, dass dein Abo (Pay-TV, Online-Stream oder -Videothek) monatlich kündbar ist?

Sky muss sich also bemühen, wenn der Pay-TV-Anbieter seinen Kundenstamm behalten will. Das sind gute Nachrichten für alle Sky-Kunden. Denn diese können die derzeitige Situation nutzen, um nach einer Kündigung über günstigere Preise und bessere Konditionen zu verhandeln. Unter den Befragten Sky-Kunden kündigten 74% schon einmal strategisch, um ein besseres Angebot von Sky zu erhalten.

Strategische Kündigungen
Hast du schonmal dein Abo gekündigt, aber von Sky ein besseres Angebot bekommen um deine Kündigung zurückzuziehen?

Hier muss Sky nachbessern

Natürlich sind die Beweggründe der Sky-Kunden, die vorhaben ihr Abo zu kündigen, vielschichtig und können nicht pauschal begründet werden. Außerdem bleibt auch abzuwarten wie viele Kunden dann tatsächlich ihr Abonnement kündigen würden – dennoch sieht sich Sky inzwischen deutlich mehr Konkurrenz gegenüber als noch vor einigen Jahren. Wir haben mögliche Knackpunkte herausgefunden, die für viele Sky-Kunden Anlass zum Wechsel geben könnten.

1. Der Preis

Das Einstiegsprodukt bei Sky kostet doppelt so viel wie ein Abo bei Netflix oder Amazon Video (7,99€ pro Monat)

2. Das Produkt-Bundle

Während bei Netflix oder Amazon Video (fast) alle Serien und Filme im Abo enthalten sind und es keine Programmpakete gibt, sind die Bundles bei Sky oft unübersichtlich gestaltet. So ist beispielsweise Sky Go nicht zwingend im Abo enthalten oder bestimmte Pakete erfordern andere Pakete. Pakete, die man aber eigentlich gar nicht will.

3. Technische Schwächen

Besonders bei Top-Spielen ist das Streaming bei Sky sehr anfällig. Immer wieder beschweren sich Kunden über Abbrüche beispielsweise weil der Server nicht erreichbar ist. Auch komfortable Zusatzfunktionen, die es u.a. bei Netflix oder Amazon Prime gibt, fehlen bei Sky ganz. So bieten diese etwa die Resume-Funktion, die genau an der Stelle weitermacht, an der man am Vortag pausiert hat, den automatischen Beginn der nächsten Folge, eine Abfrage, ob man eingeschlafen ist, wenn man mehrere Folgen ohne Unterbrechung sieht – um nur einige der komfortablen und nutzerorientierten Funktionen zu nennen.

4. Wenig Flexibilität – langer Bindungszeitraum

Die Kündigungsfrist bei Sky beträgt in der Regel zwei Monate zum Laufzeit-Ende. Bei Netflix und auch Amazon Video bindet sich der User nur von einem Monat zum nächsten. Er kann jederzeit mit einer Frist von 4 Wochen kündigen.

Fazit

Sky konkurriert nicht mehr nur mit öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern, sondern auch mit globalen Anbietern wie Netflix und Amazon Video, die bereits heute weltweit ein Vielfaches an Abonnenten haben.

Skaleneffekte für eigenproduzierte Inhalte könnten zum entscheidenden Wettbewerbsnachteil für Sky werden. Dieser Nachteil lässt sich auch auf die Vermarktung der Bundesliga übertragen. Denn Vereine wie der FC Bayern München und Borussia Dortmund könnte es durchaus gefallen, wenn ihre Spiele mit einem Partner weltweit ausgestrahlt werden würden.

 

Befragt wurden aboalarm-Nutzer, die 2013, 2014, 2015 oder 2016 ihren Vertrag gekündigt hatten oder aktuell einen Vertrag über aboalarm verwalten (Stand April 2016). Insgesamt nahmen 3.002 Nutzer im Zeitraum vom 17. – 20. April 2016 an der Online-Umfrage teil.

Ist diese Umfrage Repräsentativ? Das können wir nicht sagen. Aber: Der Sky-CEO hatte 2013 gesagt, dass das Durchschnittsalter von Sky ca. 44,7 Jahre beträgt. Bei unserer Studie liegt das Durchschnittsalter bei 44,2 Jahren – also sehr ähnlich. 9,97% der Antwortenden waren bei uns Frauen.

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