Kfz-Versicherung mit Überwachung – was bringt’s?

Simone Groß

Vorsichtig fahren und dabei Beitrag sparen – das bietet der Versicherer S-Direkt an. Erfahrt hier Vor- und Nachteile des neuen Blackbox-Tarifs.

Das Prinzip des Autoversicherers S-Direkt ist eigentlich simpel: Wer sicher und regelkonform fährt, erhält einen Rabatt auf die jährliche Versicherungsrate. Überprüft werden die Daten mit einer ins Auto eingebauten Blackbox. Das Thema sorgt momentan für viel Wirbel zwischen Befürwortern und Gegner der neuen Technik. Wir haben die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente für dich zusammengefasst.

Sparen dank Blackbox – so funktioniert’s

Entscheidet sich ein Kunde für den sogenannten Telematik-Tarif, wird eine Blackbox in seinem Auto installiert. Die Technik kommt dabei von dem Mobilfunkbetreiber Telefónica. Die Box sammelt dann während der Fahrt Daten über Fahrzeit, zurückgelegte Kilometer, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Bremsverhalten. Diese Daten werden dann an Telefónica geschickt und in ein Punktesystem umgerechnet. Der Versicherer bekommt dabei lediglich die Angaben über die gefahrenen Kilometer und den errechneten Punkte-Wert. Der Kunde hingegen kann seine Daten, im Internet oder per App, in seinem persönlichen Fahrtenbuch genau einsehen. Er sieht unter anderem die einzelnen Score-Werte für Geschwindigkeit und Fahrweise und kann so sein Fahrverhalten anpassen. Zudem bietet die Blackbox zusätzliche Features, wie eine Ortung des Fahrzeugs nach einem Diebstahl oder dem automatischen Absetzen eines Notrufs nach einem Unfall.

Vorteile des neuen Tarifs

Das Hauptargument des Versicherers ist natürlich die Kostenersparnis. Die Kfz-Versicherung ist für viele ein großer Kostenfaktor und dort zu sparen ein großer Anreiz. Besonders diejenigen Fahrer, die ohnehin vorsichtig und regelkonform fahren, werden hier belohnt. Für die anderen könnte es ein Anstoß sein, ihre Fahrweise zu verbessern. Das könnte im besten Fall zu weniger Unfällen auf deutschen Straßen führen. In anderen Ländern, wie in Italien oder Spanien, konnte dieses Resultat bereits beobachtet werden. Zudem setzt die Blackbox bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. Dieses Feature kann nicht nur Leben retten, sondern wird ab Oktober 2015 in der EU ohnehin Pflicht für Neuwagen. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, das Auto nach einem Diebstahl orten zu können und so die Chancen einer Aufklärung zu erhöhen.

Das sagen die Kritiker

Besonders das Thema Datenschutz macht viele Kunden skeptisch, so dass sie lieber auf das Angebot verzichten. Die Vorstellung, dass eine Box im Auto genau aufzeichnet wo, wann und wie man fährt, ist für viele abschreckend. Bereits im Zuge der ersten Pläne zur Einführung einer „Blackbox-Pflicht“ äußerte sich der ADAC kritisch zu den Plänen. Besonders problematisch sah der Automobilclub, dass schwerwiegende Vergehen, wie das Überfahren einer roten Ampel oder ein riskanter Spurwechsel, nicht erfasst werden könnten. Zudem wird befürchtet, dass eine Aufzeichnung des Fahrverhaltens Begehrlichkeiten bei Polizei und Ordnungsbehörden wecken und diese im schlimmsten Fall auch gegen den Fahrer eingesetzt werden könnten. Der ADAC geht sogar so weit, zu sagen, dass damit das Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen, angegriffen wird. Wohlgemerkt, hier ging es um die Diskussion eines verpflichtenden Einbaus einer Blackbox und der Erfassung der Daten in einem Unfalldatenspeicher. Dennoch ist das Argument, die Daten könnten im Zweifel auch gegen den Fahrer eingesetzt werden, auch bei freiwilligem Einbau, nicht von der Hand zu weisen.

Das sagt das Aboalarm-Team

Im Aboalarm-Team würden zwei Mitglieder den Einbau einer Blackbox in ihrem Auto befürworten. Die Gründesind vor allem die Kostenersparnis und die Aussage, „ich habe ja nichts zu verbergen.“

Inklusive mir sehen vier Leute den Einbau eher kritisch. Die Gründe sind weniger rational als eher verbunden mit einem unguten Gefühl bei dem Wissen, dass jede Autofahrt überwacht wird. Auch der Technik wird mitunter nicht zu hundert Prozent vertraut.

Ich persönlich gehöre zu den Skeptikern. Ich wehre mich ja schon gegen Payback-Punkte, weil ich finde, es geht niemanden was an, was ich wann kaufe und wie viel davon. Die Vorstellung, dass genau erfasst wird, wann ich wie schnell wo hin fahre, finde ich eher gruselig. Zwar finde ich das automatische Absetzen des Notrufs und die Möglichkeit der GPS-Ortung bei Diebstahl wirklich gut, aber das muss ja auch gehen, ohne meine Daten genau zu speichern und vor allem ohne sie an meine Versicherung weiter zu geben. Vor allem fürchte ich, dass es mit der Erfassung und dem Rabatt nicht getan ist, im nächsten Schritt könnte zu riskantes Verhalten dann auch durch einen höheren Beitrag „bestraft“ werden. Einen schönen Artikel zum Thema habe ich im FAZ-Blog gefunden.

Bereits diese kleine Umfrage zeigt deutlich, wie ungern wir Daten preisgeben, vor allem, wenn dies ganz offensichtlich geschieht. Im gleichen Zug benutzen wir aber (meist) ohne größere Bedenken Handy, Internet oder Whatsapp und geben dadurch automatisch unsere Daten preis.

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