Krankenkasse wechseln – Was sollten Versicherte beachten ?

Wenn du die Krankenkasse wechseln willst, stellen sich viele Fragen. Die wichtigsten beantwortet Karsten Leidloff von krankenkasseninfo.de im Experteninterview. 

Der Wechseln der Krankenkasse sollte gut überlegt sein. Außerdem musst du viele Faktoren beachten, wie etwa, dass du erst die Krankenkasse wechseln kannst, wenn die Mitgliedschaft zuvor mindestens 18 Monate bestanden hat. Und was bedeutet eigentlich Kontrahierungszwang? Die wichtigsten Fragen rund um den Wechsel der Krankenkasse hat uns Karsten Leidloff beantwortet.

Wann und mit welchen Fristen kann ich das Versicherungsverhältnis mit einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln?

Der Wechsel zu einer anderen Krankenkasse ist jederzeit möglich, wenn zuvor eine Mitgliedschaft mindestens für den Zeitraum von 18 Monaten bestanden hat. Darüber hinaus gilt immer dann ein Sonderkündigungsrecht von vier Wochen, wenn ein Zusatzbeitrag eingeführt wird oder dieser sich erhöht. Gezählt wird ab dem Zeitpunkt der Ankündigung. Die Kassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, jede Veränderung beim Zusatzbeitrag ihren Versicherten rechtzeitig mitzuteilen.

Für jeden Krankenkassenwechsel, egal ob regulär oder außerordentlich, gilt eine einheitliche Kündigungsfrist von zwei Monaten. Diese Frist beginnt nach dem letzten Tag des Kündigungsmonats, wobei der Posteingang zählt. Wenn ich beispielsweise am 28. Januar kündige, beginnt die Kündigungsfrist also am 1. Februar und endet am 31. März. Die Mitgliedschaft in der neuen Kasse beginnt dann am 1. April.

Zu welcher Krankenversicherung kann ich wechseln und worauf muss ich bei der Wahl achten? 

Gewechselt werden kann in alle geöffneten gesetzlichen Kassen, die für das jeweilige Bundesland des Wohn- oder Arbeitsortes zugelassen sind. Dazu zählen die großen Ersatzkassen genau so wie regionale Betriebskrankenkassen, Innungskrankenkassen oder die AOKn. Welche Kassen das im Einzelnen sind, wird im Tarifrechner angezeigt.

Die Wahl der neuen Kasse sollte man anhand der eigenen gesundheitlichen, beruflichen und familiären Situation abstimmen und so viel Informationen wie möglich vorher einholen.

Dabei hilft auch ein Rückblick auf den Verlauf der bisherigen Mitgliedschaft bei der alten Kasse.

Der Beitragssatz sollte nie die Hauptrolle bei der Entscheidung spielen. Die Kassen haben Spielraum bei den Zusatzleistungen, bei Bonusprogrammen oder Wahltarifen. Jeder sollte sich vor dem Wechsel fragen: Wie viel kann ich tatsächlich einsparen ? Welcher Service ist für mich oder meine Familie unverzichtbar?

Worauf muss ich achten, wenn ich aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln möchte? 

Möglich ist so ein Wechsel der Versicherungsart nur dann, wenn man als Arbeitnehmer oberhalb der Entgeltgrenze verdient oder für bestimmte Versichertengruppen wie Beamte, Selbstständige oder Freiberufler. Wer die GKV zugunsten einer privaten Krankenversicherung verlässt, muss das Geschäftsmodell dahinter in Kauf nehmen. Das bedeutet, dass Faktoren wie Lebensalter oder bereits festgestellte Diagnosen einkalkuliert werden. Bei der Gesundheitsprüfung zu tricksen lohnt sich keinesfalls, weil es rechtliche und finanzielle Folgen nach sich ziehen kann. Grundsätzlich gilt:Diesen Schritt sollte man auf keinen Fall ohne fachliche Beratung durch einen unabhängigen und seriösen Makler angehen. Denn in der PKV ist der abgeschlossene Tarif entscheidend, von denen es aber hunderte zur Auswahl gibt. Verprechungen auf eine besonders günstige Krankenversicherung entpuppen sich nicht selten als Kostenfallen in späteren Jahren.

Was sollte ich beachten, wenn ich aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln möchte?

Dieser Wechsel ist auf Antrag möglich, aber in vielen Fällen auch versperrt. Wer als Privatversicherter zum Beispiel arbeitslos wird oder mit dem Einkommen dauerhaft unter die Entgeltgrenze rutscht, kann unter bestimmten Voraussetzungen in die GKV wechseln. Studienabsolventen können, wenn sie nicht schon zu viel verdienen, direkt nach ihrem Abschluss entscheiden, ob sie weiter in der PKV bleiben oder lieber in die GKV wechseln möchten. Richtig schwierig wird es ab einem Alter von 55 Jahren, weshalb man bei einem Wechselwunsch diese Altersgrenze immer im Blick behalten sollte. In jedem Fall wäre als erstes zu prüfen, ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine Rückkehr bzw. einen Wechsel überhaupt gegeben sind. Die Bedingungen werden durch die Paragrafen 5 und 6 des fünften Sozialgesetzbuches geregelt.

Was ist der Kontrahierungszwang und was bedeutet das für mich?

Dieses etwas unschön klingende Wort beinhaltet einen positiven sozialpolitischen Grundsatz: Keine gesetzliche Krankenkasse darf einen Versicherten ablehnen, egal wie krank, alt oder arm er auch ist.

Seit 2009 besteht auch in der PKV ein Kontrahierungszwang für Menschen, die ihren Versicherungsschutz verloren haben und wieder in ihre alte Krankenkasse zurückkehren dürfen. Die PKV-Gesellschaften sind also verpflichtet, die Betroffenen wieder in ein Versicherungsverhältnis ( Basistarif ) zu übernehmen.

Was passiert wenn ich nach Ablauf meines Versicherungsschutzes noch keine neue gesetzliche Krankenversicherung gefunden habe?

Sollte die Kündigungsfrist von zwei Monaten abgelaufen sein, ohne dass die Mitgliedschaft in einer neuen Krankenkasse zustande gekommen ist, besteht das alte Versicherungsverhältnis weiter. Die Chipkarte behält ihre Gültigkeit und man ist weiterhin krankenversichert. Kein Versicherter darf einfach so ins „Nichts“ entlassen werden. Bei Problemen kann die zuständige Aufsichtsbehörde, die Verbraucherzentrale oder die unabhängige Patientenberatung eingeschaltet werden.

Gibt es noch etwas, das unsere Leser unbedingt wissen sollten?

Das Thema Krankenkassen ist sehr komplex und viele Versicherte sind nicht ausreichend informiert. Wir weisen beispielsweise immer wieder auf die großen Unterschiede bei den Bonusprogrammen hin. Während manche Kassen hohe Summen versprechen, die Hürden für die Boni aber sehr hoch anlegen, gehen die Versicherten nicht selten leer aus. Bei anderen Kassen wiederum ist es genau umgekehrt: großzügiger Bonus bei wenig zu erfüllenden Kriterien und das alles auch noch für jedes versicherte Familienmitglied.

Krankenkasse wechseln – Was sollten Versicherte beachten ? Wenn du die Krankenkasse wechseln willst, stellen sich viele Fragen. Die wichtigsten beantwortet Karsten Leidloff von krankenkasseninfo.de im Experteninterview. Artikelbewertungen: 12 4.3 / 5 12
Über den Autor
Karsten Leidloff

Karsten Leidloff ist Diplom-Betriebswirt mit der Spezialisierung Personalwesen. Seit 2004 ist er Geschäftsführer der krankenkassennetz.de GmbH aus Halle (Saale). Deren Dienst krankenkasseninfo.de ist seit 1999 online und wurde 2015 vom gemeinnützigen Verbrauchermagazin finanztip.de als bestes Vergleichsportal für gesetzliche Krankenkassen empfohlen.

Website: http://www.krankenkasseninfo.de