Lebensversicherung verkaufen: Alternative zur Kündigung

Eine Lebensversicherung zu verkaufen ist oftmals lukrativer als eine Kündigung. Unser Gastautor sagt dir, was du beachten solltest. 

Wer eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, hat sich in der Regel über einen langen Zeitraum vertraglich gebunden. Die Mindestlaufzeit beträgt 12 Jahre. Erst dann werden bestimmte steuerliche Förderungen wirksam. Aber auch Verträge mit einer Dauer von bis zu 20 oder 30 Jahren sind keine Seltenheit. Natürlich kann man trotzdem vor Laufzeitende auf sein angespartes Vermögen zurückgreifen, am einfachsten durch eine formlose Kündigung.

Lebensversicherung verkaufen: Die Alternative zur Kündigung

Aber wie beim Dispokredit ist auch hier die einfachste Lösung gleichzeitig die teuerste, denn die Versicherungsgesellschaft bringt bei vorzeitiger Vertragskündigung in der Regel hohe Stornokosten in Abzug. Vom Rückkaufswert, also dem Betrag, den man bei Kündigung ausgezahlt bekommt, sind diese Kosten bereits abgezogen, so dass man noch nicht einmal erfährt, wie hoch die Stornokosten im Einzelfall betragen. Lediglich ein Vergleich mit den bereits eingezahlten Beiträgen kann anzeigen, wie hoch sich die Prämien verzinst haben. Besonders in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss erhalten dabei viele Versicherte negative Ergebnisse. Nicht zuletzt deshalb warnen auch viele Verbraucherschützer vor einer vorzeitigen Kündigung. Auch hinsichtlich der zukünftigen Ablaufleistung überwiegen die Nachteile einer Kündigung, warnt beispielsweise Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen gegenüber der Allgemeinen Zeitung. Die Ablaufleistungen würden Schlusszahlungen enthalten, auf die man im Kündigungsfall verzichten würde. Aber welche Alternative zur Kündigung gibt es?

Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen führt Policen weiter

Seit etwa zehn Jahren gibt es in Deutschland einen Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Dort kaufen Unternehmen, wie zum Beispiel Policen Direkt Versicherungsverträge an und zahlen dafür einen Kaufpreis, der ein paar Prozent über dem Rückkaufswert liegt, also dem Betrag, den man von der Versicherungsgesellschaft ausgezahlt bekäme.

Der Ankäufer storniert den Vertrag jedoch nicht, sondern führt die Police bis zur Endfälligkeit weiter, um später einmal in den Genuss der Ablaufleistung bei Vertragsende zu bekommen. Einen Teil der erhofften Ablaufleistung der Zukunft gibt der Ankäufer durch den Mehrerlös zum Zeitpunkt des Ankaufs an den Verkäufer weiter. Der Versicherte tritt bei Verkauf alle Rechte und Pflichten an den Ankäufer ab und lässt sich den Kaufpreis auszahlen. Der Käufer hingegen übernimmt fortan alle Beitragszahlungen. Das bedeutet, dass dem Verkäufer eine Zeit lang ein beitragsfreier Rest-Versicherungsschutz erhalten bleibt, obwohl er seinen Vertrag verkauft hat. Träte also nach Verkauf der Lebensversicherung der Versicherungsfall ein, erhielte der Versicherungsnehmer zusätzlich eine nachträgliche Kaufpreiserhöhung ausgezahlt.

Was passiert mit Zusatzversicherungen bei Verkauf der Police?

Einige Versicherte haben Zusatzversicherungen, die Berufsunfähigkeit oder Unfallschaden abdecken sollen, gemeinsam mit der Lebensversicherung abgeschlossen. Bei Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt wird zwar nicht die Lebensversicherung selbst, jedoch die Zusatzversicherungen gekündigt. Wer auf diese Zusatzversicherungen dringend angewiesen ist, z.B. weil er selbständig ist, kann trotzdem seine Lebensversicherung verkaufen und sich dabei vertraglich eine Rückerwerbsoption zusichern lassen. Diese Sonderform wird Policencash genannt. In diesem Falle bleiben auch alle Zusatzversicherungen bestehen und der Verkäufer hat zu jedem Zeitpunkt die Gelegenheit, seine Versicherung zurück zu erwerben.

Lebensversicherung verkaufen: Vorsicht vor schwarzen Schafen 

Stiftung Warentest hatte zuletzt 2012 die Ankäufer des Zweitmarktes für Lebensversicherungen getestet. Der Test ergab, dass sich auf dem Markt neben seriösen Ankäufern auch Firmen bewegen, die keinen Verbrauchernutzen erkennen lassen. Deshalb sollte man bei Verkauf seiner Lebensversicherung folgende drei Grundregeln beachten:

  1. Auszahlung eines Kaufpreises über Rückkaufswert
  2. Sofortige und vollständige Auszahlung des gesamten Kaufpreises
  3. Mitgliedschaft im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt für Lebensversicherungen (BVZL) e.V.

Hier zum Nachlesen der Testbericht von Stiftung Warentest.

 

Lebensversicherung verkaufen: Alternative zur Kündigung Eine Lebensversicherung zu verkaufen ist oftmals lukrativer als eine Kündigung. Unser Gastautor sagt dir, was du beachten solltest. Artikelbewertungen: 3 5.0 / 5 3
Über den Autor
Matthias Wühle

Matthias Wühle studierte Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Geschichte in Frankfurt und Mainz. Er schreibt hauptsächlich über die Themen Lebens- und Rentenversicherung. Matthias Wühle leitet die Unternehmenskommunikation des Zweitmarkthändlers Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH.

Website: https://www.policendirekt.de/