Zurück in die Solidargemeinschaft: Gibt es einen Weg raus aus der privaten Krankenkasse?

So einfach wie es ist, Privatversicherter zu werden, ist es leider nicht, wieder raus aus der privaten Krankenkasse zu kommen. Nur unter ganz bestimmten Umständen – und mit großen Abstrichen – ist es möglich, wieder in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen zu werden.

statista zufolge belief sich die Zahl der privat Versicherten 2015 nur auf rund ein Achtel derjenigen, die gesetzlich versichert sind. Das hängt damit zusammen, dass in Deutschland Versicherungspflicht besteht, und nur bestimmte Personen das Recht auf eine private Krankenversicherung haben. Doch die Entscheidung sei gut überlegt, denn der Weg raus ist nicht vorgesehen.

Das Solidaritätsprinzip der gesetzlichen Krankenkasse

In Deutschland folgt das staatliche Sozialversicherungssystem dem Solidaritätsprinzip, auf das sich beispielsweise auch der Rundfunkbeitrag beruft. So basiert die Berechnung des Versicherungsbeitrags auf dem persönlichen Einkommen der Versicherten, nach dem Motto ‚Jeder zahlt, was er kann‚.

So soll gewährleistet werden, dass den schwächeren Gliedern dieselben Chancen zustehen, wie den stärkeren. Ziel der gesetzlichen Krankenversicherung ist also, dass idealerweise das ganze Land gegen das „allgemeine Lebensrisiko“ abgesichert ist.

Anders als der Weg raus aus der privaten Krankenkasse, ist der Wechsel innerhalb des gesetzlichen Krankenkassensystems quasi frei möglich.

Private Krankenversicherung als Entscheidung fürs Leben

Dieses Solidaritätsprinzip wird Menschen, die sich einmal für eine private Versicherung entschieden haben, zum Verhängnis, wenn sie wieder raus aus der privaten Krankenkasse wollen.

Denn indem du dich dazu entscheidest, aus der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen auszusteigen, hörst du auch auf, für andere mitzuzahlen. Stattdessen zahlst du privat Beiträge, die nach Faktoren wie deinem Tarif, dem persönlichen Krankheitsrisiko und Alter berechnet werden, sodass du als junger, gesunder, risikoärmerer Mensch keine allzu hohen Beiträge zahlst. So profitierst du von Vorteilen gegenüber gesetzlich Versicherten, wie beispielsweise der Chefarztbehandlung oder einem Einzelzimmer im Krankenhaus.

Wenn du dich jetzt irgendwann entscheidest, dass du die private Krankenversicherung gar nicht brauchst, oder du den hohen Beitrag, der mit zunehmendem Alter und Krankheitsrisiko kommt, nicht mehr zahlen möchtest, kannst du nicht einfach wieder zurück in den sicheren Hafen der Solidargemeinschaft. Die Rückkehr wird also erschwert, um dem Ausnutzen der gesetzlichen Sozialleistungen zum eigenen Vorteil vorzubeugen.

Wege raus aus der privaten Krankenkasse

speziell für Angestellte

Da eine private Versicherung erst ab einer bestimmten Einkommensgrenze möglich wird, führt auch das Sinken des Gehalts unter diese Grenze wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück. Dies kann auch dadurch erreicht werden, dass du durch das Einzahlen in eine betriebliche Altersvorsorge dein Einkommen verringerst.

Fällst du nur über einen bestimmten Zeitraum unter die Einkommensgrenze, beispielsweise weil du nur noch in Teilzeit arbeitest oder ein Arbeitszeitkonto anlegst, kannst du dich unter Umständen freiwillig gesetzlich versichern lassen.

speziell für Selbstständige

Selbstständige haben es nicht so leicht, wie Angestellte. Solange du hauptberuflich deiner selbständigen Tätigkeit nachgehst, bleibst du in der privaten Versicherung. Deine  einzige Möglichkeit besteht darin, eine Festanstellung zu finden, die mehr als 450 Euro monatlich einbringt, und so deine Selbstständigkeit als Hauptberuf aufzugeben.

Bist du bereit, deine selbstständige Tätigkeit ganz aufzugeben, und dein Partner ist gesetzlich versichert, kann er dich gegebenenfalls in seine Familienversicherung aufnehmen, sodass du dann in eine eigene gesetzliche Versicherung kommst. In diesem Fall kann es ratsam sein, die private Pflegeversicherung noch zwei Jahre lang zu behalten, da die automatische gesetzliche Pflegeversicherung erst nach zwei Jahren des Einzahlens im Pflegefall auszahlt.

Übersicht: Private Krankenversicherung verlassen nur mit großen Abstrichen

  • Um eine Chance zu haben, wieder in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren, muss dein Gehalt unter die Jahresgrenze von unter 59.400 Euro fallen.
  • Generell ist es ab dem 55. Lebensjahr quasi unmöglich, raus aus der privaten Krankenversicherung zu kommen.
  • Das einzige Schlupfloch ist oftmals nur, dass der Ehepartner dich mit in seine gesetzliche Familienversicherung aufnimmt.
  • Außerdem bleibt dir die vergünstigte Krankenversicherung im Rentenalter verwehrt, wenn du erst in der zweiten Hälfte deines Arbeitslebens zurückkehrst. Du kannst dich dann nur freiwillig gesetzlich versichern lassen. Kümmere dich also so früh wie möglich um deinen Wechsel!
  • Auf keinen Fall ratsam ist, sich arbeitslos zu melden, nur um die private Krankenversicherung verlassen zu können. Bezieher von Arbeitslosengeld I werden jedoch wieder versicherungspflichtig.
  • Wer einen Job im europäischen Ausland findet, oder sogar dorthin zieht, wird dort wieder versicherungspflichtig.
Wie die großen Hürden zwischen der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung zeigen, sollte man sich gut überlegen, wie man sich versichert. Wir haben Starthilfen für Berufseinsteiger und Studenten, sowie eine Übersicht über Versicherungen, die für jeden sinnvoll sind.
Zurück zum Solidarsystem: Gibt es einen Weg raus aus der privaten Krankenkasse? So einfach wie es ist, Privatversicherter zu werden, ist es leider nicht, wieder raus aus der privaten Krankenkasse zu kommen. Doch es gibt Wege zurück. Artikelbewertungen: 0 0 / 5 0