Maklerprovision 2015: Mieter sollen entlastet werden

Viktoriya Simkina

Was ändert sich durch die Maklerprovision? Wir haben die Hintergründe zur Mietpreisreform und dem neuen Bestellerprinzip für dich angeschaut.

Bisher musste jeder, der eine Mietwohnung gesucht und gefunden hat, nicht nur eine hohe Mietkaution von bis zu 3 Monatsnettokaltmieten hinterlegen, sondern oft auch eine Maklerprovision, also nochmal ca. 2 Nettokaltmieten zuzüglich Umsatzsteuer obendrauf bezahlen. Insgesamt eine satte Summe, die die Mieter sehr belastet hat. Denn während ein Wohnungswechsel an sich schon sehr kostspielig und kräftezehrend ist, scheint eine Maklergebühr von mehreren tausend Euro vielen Wohnungssuchenden nicht nur völlig überhöht, sondern vor allem ungerechtfertigt. Schon seit langem wird die gesetzliche Regelung zur Maklerprovision heftig diskutiert. Besonders in Ballungsräumen, in denen Mieter kaum Chancen hatten, eine Mietwohnung ohne Maklerprovision zu bekommen, waren die hohen Vermittlungskosten oft der Auslöser für Missmut und Frustration. Seit dem 1. Juni 2015 gibt es nun ein neues Gesetz, das die Mieter endlich entlasten soll. Was du dazu wissen musst und welche Auswirkungen die Regelung auf den Mietmarkt haben könnte, haben wir für dich zusammengefasst.

Zeitgleich wird auch die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt, die eng mit den Neuerungen bei der Maklerprovision zusammenhängt. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel: Mietpreisbremse – was bedeutet das für dich?

Maklerprovision: Die Lage vorher

Vor der Einführung der Maklerprovision war es in der Praxis üblich, bei der Vermietung einer Immobilie die Kosten für die Maklerprovision auf den zukünftigen Mieter umzulegen. Da jedoch in den meisten Fällen der Vermieter derjenige ist, der den Makler mit der Vermittlung beauftragt, war diese Ausgangslage für viele Mieter unverständlich. Außerdem waren auf diese Weise finanziell besser gestellte Personen, die sich die Maklerprovision problemlos leisten konnten, stark im Vorteil, während Studenten, Berufsanfänger und sozial Schwächere kaum Chancen hatten, eine Wohnung zu finden.

Maklerprovision 2015: Was ändert sich?

Der Bundesjustizminister Heiko Maas verkündete am 23.09.2014 die Mietpreisbremse und das Bestellerprinzip im Maklerrecht in der ersten Jahreshälfte 2015 umsetzen zu wollen. Am 01.10.2014 hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Dämpfung des Mietanstiegs auf angespannten Wohnungsmärkten und zur Stärkung des Bestellerprinzips bei der Wohnungsvermittlung (Mietrechtsnovellierungsgesetz – MietNovG) beschlossen.

Die neue Regelung zur Maklerprovision (das Bestellerprinzip) bedeutet: „Wer bestellt, bezahlt.“  Derjenige, der den Makler beauftragt, also in der Regel der Vermieter, soll in Zukunft auch die Maklergebühr übernehmen.

Maklerprovision 2015: Mögliche Probleme bei der Umsetzung

Seitdem die Mietpreisbremse und die Einführung des Bestellerprinzips bekanntgegeben wurden, wird diese von Immobilienmaklerverbänden wie dem BVFI immens kritisiert, denn die Makler sehen in der neuen Regelung eine Bedrohung ihrer Existenz. Tatsächlich waren einige Aspekte des Gesetzesentwurfs nicht konkret genug ausformuliert bzw. ließen zahlreiche Anwendungsfälle offen. Das sah auch der Bundesrat so und hat nach seiner Sitzung am 7.11.2014 einige Änderungen am Gesetzesentwurf der Bundesregierung gefordert.

Maklerprovision 2015: Kritikpunkte

Das verbraucherfreundliche Bestellerprinzip soll Mieter entlasten und besonders in Ballungszentren für Chancengleichheit bei der Wohnungssuche sorgen, doch stehen viele Maklerverbände und Immobilienprofis der neuen Regelung skeptisch gegenüber. Eine Studie von ImmobilienScout 24, der Immobilien Zeitung und Immo Media Consult hat gezeigt, dass das neue Gesetz bei Maklern und Vermietern auf Ablehnung stößt. 90% der Befragten sind sich einig, dass es zu vermehrten Versuchen kommen wird, die Regelung zu umgehen. Zum Beispiel wurde befürchtet, dass sich die Makler im Gegenzug für die Zusage einer Wohnung im nachhinein „offiziell“ vom Wohnungssuchenden beauftragen lassen, während sie in Wirklichkeit von den Vermietern engagiert wurden. Außerdem wurden verdeckte Provisionen und überhöhte Abstandszahlungen und Ablösen sowie Kündigungsausschlüsse von mehreren Jahren befürchtet. Diese Befürchtungen wurden teilweise bereits kurz nach Einführung der Maklerprovision Realität. Mehr hierzu und wie du dich gegen diese Maschen wehren kannst, liest du in unserem Artikel Tricks bei der Maklerprovision – nicht mit dir!.

Zu den wichtigsten Kritikpunkten der Makler am Bestellerprinzip zählen:

  • Eingriff in die Vertragsfreiheit
  • Fehlannahmen, dass der Wohnungssuchende wirklich entlastet wird
  • Mögliche Mehrbelastung der Mieter durch die Erhöhung der Mieten, Abschlagzahlungen und Ablösen
  • Einschränkung der Mietermobilität durch Kündigungsausschlüsse

Der Deutsche Mieterbund (DMB) begrüßt in seiner Stellungnahme dagegen die vom Bundeskabinett beschlossene Mietpreisbremse und das Bestellerprinzip, wobei auch hier einige Lösungsansätze als noch „verbesserungsfähig“ bezeichnet werden.

Maklerprovision 2015: Mögliche Auswirkungen auf den Mietmarkt

Wie sich der Mietmarkt nach dem Inkrafttreten des geplanten Gesetzes weiterhin entwickeln wird, bleibt zunächst abzuwarten. Sicher ist, dass sich die Makler in der neuen Situation umstellen und möglicherweise den Fokus ihrer Dienstleistung umleiten müssen – eine verstärkte Spezialisierung auf Kauf und Verkauf von Immobilien ist abzusehen. Für die Wohnungssuchenden wäre die Regelung auf den ersten Blick eine große Entlastung. Doch es kann so kurz nach Einführung der Maklerprovision nur darüber spekuliert werden, in wie fern das Bestellerprinzip den Wohnungssuchenden tatsächlich helfen wird.

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