Mobilfunkvertrag widerrufen: Beginn der Widerrufsfrist

Viktoriya Simkina

Du hast einen Handyvertrag abgeschlossen und bist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden? Erfahre hier, wann du deinen Mobilfunkvertrag widerrufen kannst. 

Ein Handyvertrag ist schnell abgeschlossen – nur ein Klick auf ein verlockendes Werbebanner, weil der günstige Preis einen dazu hinreißen ließ, ohne auf die Konditionen genau zu achten – und zack, Kunde. Oder aber ein freundlicher Callcentermitarbeiter überredete dich dazu, den neuen Tarif auszuprobieren. Mobilfunkanbieter nutzen viele Maschen, um ihre Kunden möglichst lange an sich zu binden. Oft merken Verbraucher erst hinterher, dass sie den Vertrag gar nicht brauchen bzw. dass es doch noch günstigere Möglichkeiten gibt, einen Mobilfunkvertrag abzuschließen. Laut Gesetz stehen dir als Verbraucher zwei Wochen Zeit zu, in denen du deinen Mobilfunkvertrag widerrufen kannst. Doch wann beginnt die Widerrufsfrist genau, gibt es eine feste Regel bei Mobilfunkverträgen? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Widerrufsrecht.

Die Tricks der Mobilfunkanbieter

Mobilfunkanbieter sind erfinderisch, wenn es darum geht, ihre Kunden möglichst lange zu halten. Selbst wenn diese ihren Vertrag gekündigt haben, versuchen die Anbieter mit vielen Tricks eine Vertragsverlängerung zu erwirken.

Zum einen kontaktieren Mobilfunkprovider ihre Kunden gerne per Post, um Ihnen mitzuteilen, dass es bei der Kündigung ungeklärte Fragen gibt. Der Kunde soll dann schnellstmöglich zurückrufen, um das Problem zu lösen. Wählt der ahnungslose Kunde dann die angegebene Nummer, bekommt er vom Callcentermitarbeiter ein ganz exklusives Angebot unterbreitet, das besonders günstig, aber nur an dem Tag gültig ist.

Der Kunde fühlt sich in einer solchen Situation schnell bedrängt und überrumpelt, hat sich möglicherweise vorher noch nicht über Alternativen informiert und stimmt den „Super-Konditionen“ des netten Callcentermitarbeiters gutgläubig zu. Und schon wieder ist er für 24 Monate in einem ungewollten Vertragsverhältnis gefangen.

Unsere Nutzer berichten außerdem, dass die am Telefon gemachten Versprechungen häufig gar nicht stimmen, nur unter bestimmten Bedingungen erfüllt werden bzw. lediglich für eine begrenzte Zeit gültig sind. So wird dem Kunden z.B. eine extra Sim-Karte mit attraktivem Datentarif als kostenlos verkauft, nach 3 gebührenfreien Monaten werden aber plötzlich Kosten erhoben – überraschend für den Kunden, denn der Callcentermitarbeiter erwähnte davon nichts. Oder die entsprechenden Klauseln wurden so schnell heruntergerattert, dass der Kunde gar keine Möglichkeit hatte, die Vertragsbedingungen richtig zu erfassen.

Tatsache ist, dass vielen Menschen am Ende eines Telefongesprächs gar nicht bewusst ist, dass sie einen bindenden Vertrag abgeschlossen haben. Doch auch am Telefon geschlossene Verträge sind rechtskräftig.

Wann kann ich meinen Mobilfunkvertrag widerrufen?

Um einen Mobilfunkvertrag widerrufen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind im § 355 BGB und im  § 312 d BGB geregelt. Mit einfachen Worten zusammengefasst, müssen folgende Bedingungen zutreffen:

  1. Du bist ein Verbraucher und handelst nicht im Namen eines Unternehmens.
  2. Du hast den Mobilfunkvertrag im Internet, am Telefon, per Post, per Fax, in der Öffentlichkeit, in deiner Wohnung oder an der Haustür abgeschlossen. Achtung: Beim Abschluss in den Geschäftsräumen deines Anbieters (z.B. in einer Filiale) ist der Widerruf nicht möglich!

Es ist ein häufiger Irrglaube, dass ein Mobilfunkvertrag nicht widerrufen werden kann, wenn er schon genutzt wurde. Das Einlegen der SIM-Karte bringt das Widerrufsrecht nicht zum Erlöschen. Selbst wenn du mit deinem neuen Vertrag bereits telefoniert hast, kannst du dich aus dem Vertragsverhältnis immer noch lösen. Allerdings müsstest du dann im Falle eines Widerrufs, die verbrauchten Leistungen anteilig bezahlen.

Wann beginnt die Widerrufsfrist?

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Sind die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, haben Verbraucher laut § 355 BGB 14 Tage Zeit, um von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Die Frist beginnt, sobald du vom Anbieter über dein Widerrufsrecht informiert wurdest, zum Beispiel per E-Mail oder in den Unterlagen, die du vom Mobilfunkbetreiber zugeschickt bekommen hat. Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht Holger Loos betont im Übrigen auch, dass die Widerrufsbelehrung ordnungsgemäß gestaltet und deutlich sein muss: „Der Verbraucher muss mit dieser Belehrung ausreichend über sein Recht zum Widerruf belehrt werden. Eine Belehrung zum Beispiel auf einer Internetseite reicht dafür nicht aus, weil damit nicht die Textform gewahrt ist. Die Belehrung muss auch dem gesetzlich geforderten Umfang genügen und entsprechend klar sein. Hierbei begehen Anbieter immer wieder Fehler. Der Anbieter ist im Übrigen in der Beweispflicht, dass Sie die korrekte Widerrufsbelehrung erhalten haben!“

Gibt es bei der Widerrufsfrist Ausnahmen und Sonderfälle?

Ja. Wenn du von deinem Anbieter überhaupt keine Widerrufsbelehrung bekommst, verlängert sich die Widerrufsfrist um ganze 12 Monate. Nach den regulären 14 Tagen hättest du in einem solchen Fall also nochmal ein Jahr Zeit, um deinen Vertrag zu widerrufen.

Mobilfunkvertrag widerrufen: Wie gehe ich vor?

Sobald du nach einem mündlichen oder schriftlichen Vertragsabschluss Unterlagen von deinem Mobilfunkprovider erhältst, solltest du überprüfen, ob sich die Widerrufsbelehrung darin befindet. Hat dich der Anbieter ordnungsgemäß und deutlich über dein Widerrufsrecht informiert, beginnen ab diesem Moment die 14 Tage Widerrufsfrist.

In welcher Form muss der Widerruf erfolgen?

Das neue Widerrufsrecht ab Juni 2014 legt fest, dass der Widerruf nicht mehr per Textform erfolgen muss. Du kannst deinen Vertrag also auch am Telefon widerrufen. Hier solltest du jedoch vorsichtig sein, denn ein Widerruf per Telefonanruf lässt sich nur schwer beweisen. Wir raten daher dazu, auf Nummer sicher zu gehen und per Post, E-Mail oder aboalarm-Fax zu widerrufen.

Du möchtest noch mehr über dein Widerrufsrecht wissen? Dann lies unseren Glossar-Artikel zum Thema Widerruf. Außerdem könnten dich folgende Artikel interessieren:

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Mobilfunkvertrag widerrufen: Beginn der Widerrufsfrist Du hast einen Handyvertrag abgeschlossen und bist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden? Erfahre hier, wann du deinen Mobilfunkvertrag widerrufen kannst.  Artikelbewertungen: 1 5.0 / 5 1
  • Dani

    Wer kann mir mal helfen. Ich verstehe den Unterschied nicht.

    Bei Mobilfunkvertrag widerrufen steht >

    „Es ist ein häufiger Irrglaube, dass ein Mobilfunkvertrag nicht
    widerrufen werden kann, wenn er schon genutzt wurde. Das Einlegen der
    SIM-Karte bringt das Widerrufsrecht nicht zum Erlöschen. Selbst wenn
    du mit deinem neuen Vertrag bereits telefoniert hast, kannst du dich aus
    dem Vertragsverhältnis immer noch lösen. Allerdings müsstest du dann im
    Falle eines Widerrufs, die verbrauchten Leistungen anteilig bezahlen.“

    Im anderen Artikel “ Handyvertrag widerrufen steht >

    Doch Vorsicht, deinen Handyvertrag widerrufen kannst du nur solange du ihn noch nicht genutzt
    hat. Solltest du deinen Handyvertrag bereits nutzen und der Anbieter
    somit schon mit der Ausführung der Dienstleistungen begonnen haben, erlischt dein Widerrufsrecht (§312d Abs. 3)

    • SimoneGross

      Hallo Dani,

      da hat sich bei dem Artikel „Handyvertrag widerrufen“ wohl ein Fehler eingeschlichen.
      Vielen Dank für deinen Hinweis, ich werde das gleich anpassen.

      Viele Grüße
      Simone